Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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„Wir können der Jugend viel bieten“

Foto: Andreas Führer

Im Herbst 2018 stehen erstmals Jugendliche im Zentrum der Weltbischofssynode. In Vorbereitung darauf wird Anfang Mai an die Bischofskonferenzen und an kirchliche Jugendeinrichtungen und -organisationen ein Fragebogen verschickt. In der Diözese St. Pölten sollen nun in der Jugendarbeit neue Wege beschritten werden. Kirche bunt interviewte dazu Ulrich Schilling, Bereichsleiter „Kinder & Jugend“.

Was erwartest du dir von der Bischofssynode 2018?

Ulrich Schilling: Ich erwarte mir, dass wir u. a. konkrete Anregungen für unser Tun hier in der Diözese bekommen. Ich bin da voll Zuversicht, denn allein schon das Vorbereitungsdokument weist in die richtige Richtung, weil es um eine positive Grundhaltung gegenüber der Jugend geht und um die Botschaft: Gestalte dein Leben im Guten, trau dich zu entscheiden – und wir als Kirche versuchen dich dabei bestmöglich zu begleiten.

Ist das nicht schwer? Es scheint, dass viele Jugendliche nicht mehr an Kirche und Glaube interessiert sind?

Ulrich: Ich würde das differenzieren: Es gibt wohl eine Ferne der Jugend zur Institution Kirche, aber das hängt eher damit zusammen, dass Jugendliche generell zu Institutionen, in denen sie zu anonym sind, eine Ferne empfinden. Eine Ferne zum Glauben, zur Spiritualität gibt es hingegen definitiv nicht! Im Gegenteil: Jugendliche fragen sehr stark nach dem, was sie trägt, nach dem Sinn im Leben und was für sie wichtig ist. Da kann der Glaube, die Botschaft Jesu – und letztlich wir als Kirche – viel bieten.

Was kann der Bereich „Kinder & Jugend“ bieten ?

Ulrich: Wir haben derzeit in den 422 Pfarren der Diözese St. Pölten rund 60 Jugendgruppen, 56 Jugendchöre und insgesamt 155 Jugendverantwortliche in den Pfarrgemeinderäten. Die klassische Form der in der Pfarre organisierten Jugend hat also nach wie vor ihre Berechtigung, aber es braucht zunehmend auch noch etwas anderes. Wir müssen da für die Jugendliche neue Orientierungs- und Begleitangebote entwickeln. Es ist ja nichts Neues, dass es die Wandlung von der ,Komm-her-Kirche‘ zur ,Geh-hin-Kirche‘ braucht, auch im Bereich der kirchlichen Jugendarbeit. Ein Erfolgskonzept in diese Richtung sind unsere Jugendleiterinnen und -leiter, die in überschaubaren Regionen als Kontaktperson fungieren und so eine persönliche Beziehung zu den jungen Menschen aufbauen und der Kirche ein Gesicht –  ihr Gesicht – geben können.

Wie genau soll das funktionieren?

Ulrich: Es geht darum, das eigene Profil zu schärfen, vor dem Hintergrund, dass man anerkennt, dass es für Jugendliche heute enorm viele Angebote gibt. In der Jugendarbeit lohnt es sich verstärkt zu schauen, was es schon in der Gemeinde bzw. in der Region gibt und wo man andocken kann. Also Synergien suchen. Und es ist ein Gebot der Stunde, an neue, ungewohnte Orte zu gehen und den Kontakt mit Jugendlichen aus mir fremden Lebenswelten zu suchen. Ich denke da z. B. an einen Jugendseelsorger in unserer Diözese, der auch Feuerwehrkurat ist. Er nimmt diese Funktion ganz bewusst wahr, weil er da mit vielen jungen Menschen in Kontakt kommt – und plötzlich ergeben sich dort tiefgehende Gespräche – Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Orientierung.

Welche Unterstützung erwartest du dir da von der Diözesanleitung?

Ulrich: Was wir vor allem brauchen ist die Ermutigung und das Zutrauen: Geht eure neuen Wege! Wir stehen hinter euch! Ihr schafft das! Wichtig sind natürlich auch die Ressourcen – wir sind ja grundsätzlich gut ausgestattet, aber gerade die personellen Ressourcen sind unser Reichtum auf diesem Weg der Individualisierung, der Zuwendung zum Einzelnen. MP