Wie Menschen ihre Babys umsorgen

Foto: Kevin Kling, Gerstenberg Verlag

Der Tag des Lebens am 1. Juni erinnert uns jedes Jahr daran, dass das Leben jedes Kindes ein Geschenk ist. Wie wir Babys auf der Welt willkommen heißen und sie versorgen, ist
immer kulturell geprägt. Ein eindrucksvoller Bildband gibt Einblicke, wie Menschen in verschiedenen Kulturen Babys pflegen, ernähren, tragen, wickeln und zum Schlafen bringen.

Die verschiedenen Völker haben sich zum Wohl ihrer Kinder viel einfallen lassen. Hier liegt ein großer Reichtum an Unterschiedlichkeit – trotz aller Globalisierung. Das zeigt sich auch in der Erziehung: Eltern in westlichen Industriekulturen neigen dazu, die individuellen Fähigkeiten und die Selbständigkeit ihrer Kinder zu fördern, während in anderen Kulturen eher der Zusammenhalt in der Familie und das Einfügen in eine Gruppe an erster Stelle stehen. Aber auch der alltägliche Umgang mit Babys und Kleinkinder weist eine große Vielfalt auf, wie der Bildband „Babys in den Kulturen dieser Welt“ zeigt.

Bad und Massage

Während das Baden und Anziehen im Westen relativ rasch vor sich gehen, nimmt man sich dafür in anderen Ländern mehr Zeit. Bekannt ist die indische Babymassage, die sich an das Waschen des Kindes an­schließt. Auch in Afrika findet man solche Babymassagen, und auch Behandlungen, die wir vielleicht als Gymnastik bezeichnen würden. Die Dogon-Mutter in Mali etwa wäscht ihr Neugeborenes morgens und abends. Sie legt ihre Baby bäuchlings auf ihre Schenkel und massiert den ganzen Körper mit einem Traubenöl. Sie achtet darauf, dass die Schulterblätter gedehnt und die Beine gestreckt werden. Erst dann wäscht sie ihr Kind mit lauwarmem Wasser.

Gut eingewickelt

In vielen Kulturen werden Babys fest in ein Tuch eingewickelt. Auch in der westlichen Welt verschwand das Wickeltuch erst langsam nach dem Zweiten Weltkrieg, und wird in den letzten Jahren wieder entdeckt. Fest verschnürt zu kleinen Paketen, sind die Babys geschützt vor Kälte und Insekten. In heißen Regionen der Erde dagegen bleiben die Kinder zumeist nackt. Aber auch die Inuit-Mutter trägt ihr nacktes Baby in den ersten Wochen seines Lebens in ihren warmen Kleidern mit sich herum. Ihr Anorak ist extra weit, damit sie das Baby von ihrem Rücken an die Brust nehmen kann, um es zu stillen.

Das Tragen des Babys

Kinder, die noch nicht gehen können, müssen getragen oder in einem Wagen geschoben werden. In den meisten Regionen der Welt ist natürlich vor allem ersteres der Fall. Zum Tragen gibt es Tragebeutel aus Antilopenfell, netzartige Taschen, deren Trageriemen um die Stirn gelegt wird, Tragegeschirr aus Rinde, Weidenkörbchen und Tücher. Eng an seine Mutter gekuschelt, kann sich das Kind geborgen und sicher fühlen, als wäre es noch im mütterlichen Bauch. In Ruanda bezeichnet deshalb das gleiche Wort den Tragesack für das Kind und die Plazenta.
In manchen Kulturen werden die Kinder überwiegend auf der Hüfte getragen, nicht am Rücken, denn so können sie jederzeit gestillt werden. Wenn Nomaden mit ihren Herden weiterziehen, werden die Babys manchmal auch Tieren anvertraut: in speziellen Satteltaschen zum Beispiel, in die man fest gewickelte Säuglinge stecken kann. Ein Leben ohne Windeln können sich europäische Eltern kaum vorstellen. Und doch ist das in vielen Kulturen der Fall. So sollen viele afrikanische Mütter an der Bewegung und Atmung ihrer Babys erkennen, wann sie ihr Geschäft verrichten müssen. Manche Babys dieser Erde werden in Moos gewickelt oder tragen praktische Hosen mit Schlitz.

Gute Nacht, Baby

In fast allen Kulturen werden Babys in den Schlaf gewiegt. Und auch Wiegenlieder sind universell – man findet sie bei den Pygmäen in Zentralafrika ebenso wie bei den Inselbewohnern Ozeaniens. Viele Kinder schlafen ohnehin sanft geschaukelt im Tragetuch ein, wenn sie müde werden. Es gibt einfache Wiegen, die etwa aus einer Stoffbahn hergestellt werden, aber auch sehr kunstvoll gestaltete. In manchen Gegenden der Welt schweben die Babs hoch über dem Boden, um sie vor Tieren zu schützen.

Das Baby stillen

In vielen Kulturen wird das Baby gestillt, wenn es das Bedürfnis danach hat, zu jeder beliebigen Stunde des Tages. Oft darf es im ersten Lebensjahr oder sogar in den ersten Lebenswochen von anderen Speisen kosten. Das Abstillen erfolgt meist dann, wenn das Kind bereits eine abwechslungsreiche Ernährung bekommt. In allen Kulturen gibt es auch abergläubische Vorstellungen und hygienisch bedenkliche Praktiken rund um die Babypflege. Überall auf der Welt sind die Menschen aber bemüht, Techniken und Geräte zu erfinden, um ihre Babys bestmöglich versorgen zu können – und das mit erstaunlichem Einfallsreichtum.

 

 

Tag des Lebens        

In vielen Ländern Europas wird am 1. Juni der Tag des Lebens gefeiert, der daran erinnern soll, dass das Leben ein Geschenk und in jedem Augenblick wertvoll ist – von seinem Anfang bis zum Ende. Initiiert wurde der Tag des Lebens vom Verein „aktion leben“. Die katholische Kirche lädt rund um diesen Tag zu einer „Woche des Lebens“ ein.
Seit einigen Jahren verteilt „aktion leben“ in Pfarren und Einkaufszentren in ganz Österreich gegen eine Spende Überraschungs-Päckchen mit Inhalten renommierter Unternehmen. Mit dem Erlös der Kampagne „Die Überraschung des Lebens“ unterstützt „aktion leben“ Frauen, die aufgrund ihrer Schwangerschaft in Not geraten.

 

Buchtipp           

„Babys in den Kulturen der Welt“ heißt ein schöner Bildband der beiden Mütter und Autorinnen Béatrice Fontanel und Claire d’Harcourt. Sie begaben sich auf eine ethnologische Weltreise und sammelten in Zusammenarbeit mit Fotoagenturen und Ethnologen erstaunliches und berührendes Material über den Umgang mit Säuglingen und Kleinkindern in verschiedensten Kulturen.
Babys in den Kulturen der Welt, 280 Seiten, gebunden, Verlag Gerstenberg, ISBN 978-3-8369-2957-8, Preis 37 Euro.