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Wie geht es dem Papa in der Karenz?

Foto: zVg

Viele junge Väter wollen in Karenz gehen – im Vorjahr waren 19 Prozent aller Bezieher von Kinderbetreuungsgeld Väter. Kirche bunt hat zwei Papas gefragt, wie es ihnen in der Väterkarenz zuhause geht.

Markus Schmidinger: Haushaltstätigkeiten und Kinderbetreuung habe ich natürlich schon vorher übernommen – daher kannte ich schon alles. Der einzige Unterschied: Jetzt mache ich sie die ganze Zeit über tagesfüllend. Der Kleine ist oft bei mir, wenn ich Haus- und Gartenarbeit erledige oder koche. Vor der Karenz habe ich mir überlegt, was ich alles in den zwei Monaten erledigen könnte. Doch jetzt komme ich – so nebenbei – zu nichts von dem, was ich geplant habe.

Ich bin bei der Diözese St. Pölten angestellt, und es gab schon vor mir einige Männer, die in Väterkarenz gingen. Mein Chef hatte viel Verständnis für mich, da er selbst sich Auszeiten für seine Kinder nahm, als sie noch klein waren. Zwei Monate sind zudem organisatorisch relativ gut machbar: Es wird vor- und nachgearbeitet.

Wenn man als Vater mit Baby unterwegs ist, bekommt man viel Aufmerksamkeit – das irritiert mich ein wenig. Man merkt, dass Väter in Karenz noch nicht der Regelfall sind. Mir wird sogar unterwegs manchmal Hilfe angeboten oder ich werde an der Supermarktkassa freundlich angesprochen. Mütter bekommen solche Aufmerksamkeit nicht in der Weise, auch wenn sie noch mehr leisten.

Ich habe jetzt viel mehr Verständnis für meine Frau. Wenn sie zum Beispiel müde erzählt hat: „Der Kleine hat den ganzen Tag gequengelt“, dann habe ich das zwar verstanden, aber jetzt, da ich es selber manchmal erlebe, kann ich auch gefühlsmäßig nachvollziehen, wie es einem da geht. Auch umgekehrt hat meine Frau jetzt mehr Verständnis dafür, wie es ist, nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag nach Hause zu kommen und gleich einmal das Baby umgeschnallt zu bekommen.
Sehr schön ist auch die enge Beziehung zu meinem Sohn! Das ist eine so wertvolle Zeit für uns beide. Mein eigener Vater ist manchmal wehmütig, weil er diese Möglichkeit der Karenz nicht hatte.

Philipe Zeiliger: Ich bin bei der HYPO NOE Landesbank im Controlling tätig. Wir sind ein relativ großes und auch familienfreundliches Unternehmen. Zum Zeitpunkt meiner ersten Karenz waren schon einige andere Väter in Karenz. Daher war organisatorisch und auch kulturell soweit alles auf Schiene. Dies ist jetzt meine zweite Karenz, diesmal für drei Monate. Ich würde es bervorzugen, wenn die Eltern gleich lange in Karenz gehen, aber dafür mindestens ein halbes Jahr – für mehr Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Ich betreue zwei Kinder. Unser Tagesablauf sieht so aus: Normalerweise bekommt die Kleine Frühstück und dann die Große. Danach ist Spielen angesagt, im Haus oder im Garten. Die Zeit will bzw. muss zum Kochen genutzt werden. Vormittags werden auch Einkäufe erledigt, die Wäsche gewaschen, staubgesaugt. Für die restliche Hausarbeit schaufeln wir uns üblicherweise Zeit mit Hilfe der Großeltern oder der Urli frei. Sobald meine Frau heimkommt, unternehmen wir etwas.
Ich bin jetzt in der ersten Woche mit beiden Kindern zuhause und die Kleine war ziemlich mit Schnupfen außer Gefecht. Das war gleich eine ziemlich große Herausforderung.

Für mich am wichtigsten ist die persönliche Erfahrung des Alltags mit den Kindern und damit das bessere Verständnis dafür, was zu Hause geleistet wird. In der Arbeit ist doch auch mal Zeit für einen Kaffee und ein persönliches Gespräch, das fällt zuhause komplett weg. Dafür lerne ich unsere Kinder aber einfach besser kennen und schätze die Arbeit meiner Frau sehr hoch ein. Ich muss aber auch sagen, ich könnte es mir nicht vorstellen, zwei Jahre nur bei den Kindern zu sein. Das würde ich nicht schaffen. Das mag auch damit zu tun haben, dass noch nicht so viele Männer in Karenz sind, mit denen man sich treffen kann.