Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

Wie einem Bettler begegnen

Foto_ alexkich - fotolia

In vielen Städten gehören bettelnde Menschen zum Stadtbild dazu. Eine Begegnung mit ihnen löst oft Irritation und Unsicherheit aus. Die Caritas setzt sich für einen differenzierten und sachlichen Umgang mit dem Phänomen Betteln ein.

Einem Bettler zu begegnen ist meistens eine unangenehme Erfahrung, auch wenn sich die bettelnde Person zurückhaltend und unaufdringlich verhält. Beim Passanten verursacht die Begegnung oft Irritation und Unsicherheit, manchmal auch Mitleid. Bettler gehören in vielen Städten zum Stadtbild dazu. Doch wie soll man mit ihnen umgehen? Soll man „spenden“, weil es sich um arme Menschen handelt, oder finanziert man mit seinen Almosen ein nicht wünschenswertes bis illegales System? Die Frage nach dem Umgang mit Bettlern löst vielfach hitzige Debatten mit vielen Für- und Wider-Argumenten aus.

Das Gesetz unterscheidet verschiedene Formen

Das Gesetz unterscheidet zunächst einmal verschiedene Arten des Bettelns. Verboten ist Betteln „in aufdringlicher oder aggressiver Weise“, in „gewerbsmäßiger Weise oder als Beteiligter an einer organisierten Gruppe“ sowie das Betteln mit Kindern. Eine Straftat stellt natürlich auch die Ausbeutung von Bettlern durch Menschenhändler dar. Erlaubt ist hingegen das „stille“ Betteln im „kein Hindernis bildenden Sitzen oder Stehen“.

Seit 2016 dürfen Städte in Niederösterreich in definierten Bereichen jede Form des Bettelns, also auch die „stille“ Form, untersagen. St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler sieht solche sektoralen Verbote skeptisch, würde sich das Betteln dadurch nur an andere Orte verlagern und der Nachweis, dass es sich um organisierte Bettlerei handle, könne oft nicht erbracht werden, so Stadler in einem NÖN-Interview. Vielmehr müsse das Problem an der Wurzel angepackt werden.

Eine der sehr oft geäußerten Befürchtungen ist jene, dass die bettelnde Person Teil einer „Bettlermafia“ sei. Auch die gesetzliche Regelung verbietet ja das Betteln als Beteiligter einer organisierten Gruppe. Doch fällt darunter schon die Organisation innerhalb einer Familie oder eines Bekanntenkreises? Die Gefahr willkürlicher Bestrafung und Vorverurteilung ist groß, weil jede Form des Kontakts und der Verständigung zwischen bettelnden Menschen so interpretiert werden kann, dass diese Beteiligte einer „organisierten Gruppe“ sind. Bettelnde Menschen sind oft gut organisiert, um überhaupt An- und Abreise, Unterkunft und Verpflegung möglich zu machen.

Ein Passant, der einem Bettler oder einer Bettlerin begegnet, kann meist nicht entschei- den, um welche Form des Bettelns – ob legal oder nicht – es sich handelt. Er sieht nur den Menschen vor sich, dem er respektvoll oder ablehnend begegnen kann. Wichtig ist es, zu einer klaren Haltung zu finden: Will ich helfen? Wenn ja, in welcher Form? Möchte ich lieber einer Organisation spenden? Bei Belästigung sollte jeder und jede klare Grenzen setzen. Ein bettelnder Mensch ist ein Mensch mit Würde. Und Betteln ist eine Folge von Armut und Not. Wer diese beiden Tatsachen bedenkt, wird sich respektvoll verhalten und, wenn angesprochen, zumindest einen freundlichen Gruß schenken. ph


 
Caritas-Aktion

Die Caritas der Diözese St. Pölten setzt sich für einen differenzierten und sachlichen Umgang mit dem Phänomen des Bettelns ein und bietet Gemeinden und Pfarren mit Vorträgen, Diskussionsveranstaltungen und Workshops Informationen und Dialog zu dem Thema an. Unter dem Motto „Armut muss Platz haben“ werden Hintergrundinformationen sowie häu- fig gestellte Fragen und Vorurteile besprochen. Die Angebote sind kostenlos.

Nähere Informationen und Anmeldung bei Christian Köstler, Tel. 0676/83 844 315 oder E-Mail:

Ein Info-Folder zum Thema steht unter www. caritas-stpoelten.at zum Download bereit.