Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

Wenn am Zeller Altar die Schwammerl „sprießen“, dann ist Erntedank im Ybbstal

Foto: KR Karl Piaty

Bereits zum 20. Mal gestaltet Pfarrer Reinhard Kittl in Zell an der Ybbs heuer gemeinsam mit der Mesnerin seinen weit über die Pfarrgrenzen hinaus bekannten „Schwammerl-Altar“ zum Erntedankfest.

Es ist in Europa und vielleicht sogar weltweit wohl eine einzigartige Darstellung zum Erntedank: der „Schwammerl-Altar“ in der Pfarrkirche von Zell an der Ybbs. Die letzten Tage vor dem Erntedankfest tauscht Pfarrer Mag. Reinhard Kittl das Messgewand gegen wetterfeste Wanderkleidung. Er, seine Mesnerin Gertraud Schneckenleitner und eine Handvoll Freiwillige schwärmen dann aus zu den besten Schwammerlplätzen in den Wäldern rund um Waidhofen an der Ybbs. Die gesammelten Pilze sind vorerst aber nicht für den Verzehr gedacht, sie werden am Vortag des Festes liebevoll unter Anleitung des Seelsorgers von der Mesnerin in künstlerischer Kleinarbeit am sogenannten Schwammerl-Altar platziert – mit frischem Moos, das an einen Waldboden erinnert.

Bis zu 90 verschiedene Sorten

Nur essbare Pilze werden gesammelt. Der bisherige Rekord lag bei 90 verschiedenen Sorten, die den Gottesdienstbesuchern immer am letzten Sonntag im September beim Erntedankfest einen Tag lang in voller Frische präsentiert werden – in „naturgetreuer Umgebung“ und mit Bestimmungskärtchen. Der Netzstielige Hexenröhrling ist dann ebenso dabei wie der Samtfuß-Rübling, der Parasol oder die Totentrompeten. „Wir wissen immer erst am letzten Tag, ob wieder besondere Raritäten dabei sind“, so der „Schwammerl-Pfarrer“. Kittl sieht diesen Brauch als persönlichen Dank für den vielfältigen Reichtum der Gaben der Natur. Mittlerweile pilgern immer mehr „Neugierige“ aus nah und fern zum Schwammerl-Altar nach Zell an der Ybbs. „So um die 1000 werden es schon sein den ganzen Tag über.“ Am Abend nach der Erntedank-andacht wird der Altar wieder abgeräumt und die Pilze, wenn gewünscht, an die Kirchenbesucher verteilt.
Kittl ist Pilzexperte seit Kindestagen. Durch seinen Schwammerlaltar ist der leidenschaftliche „Kanzel-Prediger“ und Buchautor auch zum „Schwammerl-Pfarrer“ geworden. Sein Wissen auf diesem Gebiet vermittelt er so auf besondere Weise auch den Kirchenbesuchern. F. Bertl