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Weihnachtliche Wegmarken

Der Advent ist heuer besonders kurz. Dicht gedrängt sind schon in der ersten Woche die Gedenk- und Festtage: Barbara, Nikolaus, Mariä Empfängnis. Diese adventlichen Feiertage können auch als Meilensteine und Anhaltspunkte in der Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft Jesu verstanden werden.

Der Advent ist für viele Menschen eine Zeit der Sehnsucht und großer Erwartungen. Am Ende steht ja Weihnachten, und da geht es nicht nur um das, was sich Menschen gegenseitig schenken, sondern vor allem um das eine Geschenk, das Gott allen Menschen gemacht hat: die Geburt seines Sohnes Jesus im Stall zu Betlehem. Mit dem 1. Adventsonntag beginnt die Vorbereitung auf das zweite große Fest der Christen, Weihnachten, an dem wir Jesus, das Kind der Jungfrau Maria, als den wahren Gottessohn begrüßen und anbeten. „‚Advent‘ bedeutete, ebenso wie ‚Epiphanie‘ (das Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Jänner), in der Zeit, als diese Feste entstanden, die Ankunft des Herrschers, seinen glückverheißenden Einzug in eine Stadt“, heißt es im Schott-Messbuch.

Zu den besinnlichen Momenten des Advents zählen die heute vermehrt wieder in vielen Pfarren liebevoll gestalteten und mit großer Beteiligung gefeierten Rorate-Messen. Der Ruf „Rorate coeli“ – „Tauet, Himmel, den Gerechten“ – geht auf den Propheten Jesaja zurück. Er bringt die Sehnsucht Isra­els nach dem Messias in einer Zeit äußerster Unterdrückung und Unfreiheit zum Ausdruck. Es gibt heute in unserer Welt viele Gründe, in diesen Ruf einzustimmen und den wahrhaften Friedensfürsten zu erflehen.

Die Dauer des Advents ist willkürlich festgelegt – auf vier Sonntage vor dem Hochfest der Geburt Jesu am 25. Dezember. So kann der Advent volle vier Wochen dauern oder – wie eben heuer – nur die drei Wochen zwischen den vier Adventsonntagen umfassen. Es gab früher aber auch andere Festlegungen, zum Beispiel auf 40 Tage analog zur Fastenzeit. Ein Relikt davon ist das Ganslessen am 11. November, dem Martinitag. An diesem wurde ähnlich wie am Faschingdienstag noch einmal ordentlich gefeiert, bevor die lange Buß- und Fastenzeit begann.

Eine Zeit der Buße und Umkehr

Bis heute ist der Advent eine Zeit der Buße, deshalb ist violett auch die liturgische Farbe. Es ist vor allem Johannes der Täufer, dessen eindringliche Mahnungen dieser Zeit den Stempel aufdrücken: Kehrt um, tut Buße, glaubt an das Evangelium! Wer sich schwer tut, Fastenvorsätze vom Aschermittwoch bis Ostern durchzuhalten, sollte es vielleicht in diesem Advent versuchen – der dauert nur halb so lang.
Die Festtage, die heuer in die erste Adventwoche fallen, bilden gleichsam einen weihnachtlichen Grundakkord. Gleich am 4. Dezember ist der Gedenktag der Nothelferin Barbara, die im Jahr 306 in Kleinasien den Märtyrertod starb. Am Tag ihres Todes soll ein Kirschzweig, den sie zuvor ins Wasser gestellt hatte, zu blühen begonnen haben. Darauf geht der Brauch zurück, an diesem Tag Kirschzweige zu schneiden, die, an einem warmen Ort in eine Vase gestellt, zu Weihnachten erblühen sollen. Die Blüten symbolisieren die Geburt Jesu – er ist für die Christen das „neue Leben“.

In Kleinasien lebte auch Bischof Nikolaus, der sich auf vielfältige Weise für Arme und Benachteiligte einsetzte und Seeleute auf wunderbare Weise vor dem Untergang rettete. Auf dem Konzil von Nicäa (325) trat er als Angehöriger der rechtgläubigen Minderheit vehement für die Wesensgleichheit von Gott Vater und Gott Sohn ein. Dass er heute Kinder mit Nüssen, Äpfeln und anderen Gaben beschenkt, geht auf jene Legende zurück, nach der er drei Goldklumpen durch das Fenster in das Haus eines armen Mannes warf. Durch diese Mitgift bewahrte Nikolaus die drei Töchter des Mannes davor, als Prostituierte verkauft zu werden.

Konkurrenz erhielt Nikolaus in der Reformationszeit durch das Christkind, weil man den „katholischen“ Heiligenkult los werden wollte. Dann geschah jedoch eine seltsame Umkehrung: Gerade in reformatorisch geprägten Ländern füllt heute der zum Santa Claus mutierte Nikolaus die Stiefel in der Christnacht, während in vielen katholischen Gebieten heute selbstverständlich das Christkind die Geschenke bringt.

In einer engen Verbindung mit der Geburt Jesu steht der große Festtag dieser Woche, das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ am 8. Dezember. Der Inhalt dieses Festes ist nicht die Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel, sondern die Auserwählung Marias schon bei ihrer Empfängnis, die Mutter des Erlösers zu werden. Dazu hat Gott in die Geschichte eingegriffen und Maria vom Beginn ihrer irdischen Existenz an von der Erbsünde, die sonst alle Menschen betrifft, ausgenommen. So war sie befähigt, den Sohn Gottes zu empfangen. Gott hat sie jedoch nicht überrumpelt. Mit den Worten „Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du es gesagt hast“ hat sie sich selbst ganz dieser Absicht Gottes anvertraut.
Papst Pius IX. hat dieses bei anderen christlichen Konfessionen umstrittene Dogma von der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“ 1854 als Glaubenslehre der katholischen Kirche verkündet. Der Weg auf Weihnachten zu, hin zur Menschwerdung Jesu, ist mit dieser Intervention Gottes eröffnet. Schlager