Was mich trägt

Aus dem Glauben Lebens­hilfe geben:

Hedi Großmann, Pensionistin, 82 Jahre, langjährige Sekretärin der Katholischen Frauenbewegung und ehrenamtliche Mitarbeiterin der Emmausgemeinschaft St.Pölten im Porträt.

Es ist lange her. Hedwig Großmann erinnert sich noch sporadisch an all die Jahre hinter ihr. Wir treffen uns in einem Café. Sie denkt zurück an die Jugendzeit in Heidenreichstein, als sie das Geschäft
ihrer Tante übernommen hat. „Ich wollte aber nicht auf Dauer im Geschäft stehen“, erinnert sie sich. „Kirche war mir stets wichtiger.“ Sie sattelte um.


Im Seminar für kirchliche Berufe in Wien fand sie ihre Erfüllung. Ein Beitrag in einer Zeitung und der damalige Kaplan Johannes Oppolzer hatten sie darauf aufmerksam gemacht. Nach der Ausbildung bot man ihr zwei Möglichkeiten an: Als Religionslehrerin oder im Sekretariat der Katholischen Frauenbewegung in St. Pölten zu arbeiten. 1961 übernahm sie letzteres.


Es kam das Konzil und 1972 die Diözesansynode. „Wir hatten viele Möglichkeiten, unsere Vorstellungen umzusetzen“, erzählt sie. „Die Arbeit in den Pfarren war mir dabei am wichtigsten.“ Hedi Großmann besuchte Dekanate und Pfarren, regte Frauenrunden an und bot Unterstützung an. „Wir wollten kein Vereinsdenken und auch keine Mitgliedschaft“, weist sie hin. Die Frauen- und Mütterrunden wurden offen für alle und die diözesanen Konferenzen waren praxisnah ausgerichtet: „Lebenshilfe aus dem Glauben – das wollten wir geben“, betont Hedi. Pfarr­arbeit, soziales Engagement und das Los der Randgruppen standen für sie an erster Stelle. Das Haus der Frau, die Emmausgemeinschaft, das Mutter-Kind-Heim wurden mitbegründet oder unterstützt. Großmann konnte auf manche Errungenschaften zurückblicken, als sie 1989 in Pension ging.


Fast übergangslos arbeitete sie bei der Emmausgemeinschaft in St. Pölten weiter: ehrenamtlich, aber mit fast voller Stundenzahl. Das soziale Engagement war ihr ans Herz gewachsen. Sie war bei den Dienstagrunden, hat mit den Männern die Freizeit mitgestaltet, hat Hilfslieferungen nach Rumänien und Tschechien organisiert und eine Selbstbesteuerungsgruppe mit aus der Taufe gehoben. Sie hat mitgeholfen, die Emmausgemeinschaft „Emauzy“ in Richnov in Böhmen aufzubauen und stand mit Bischof Fridolin Zahradnik in engem Kontakt.
Nun genießt Hedi ihre Pension, gibt sich Büchern hin, liebt den guten Kontakt zu Nachbarn und Freunden. „Der Kontakt mit Menschen ist mir wichtig geblieben.“