Was mich trägt

In der Trauer Hoffnung geben. Anton Halbartschlager, 68 Jahre, verheiratet, vier Kinder, Pensionist, Pfarre St. Leonhard am Walde im Porträt.

„Eineinhalb Stunden zur Kirche gehen und ebenso lange wieder zurück war früher normal“, erinnert sich Anton Halbertschlager. Seit Jahrzehnten ist er als Vorbeter – vor allem bei Begräbnissen – in der Pfarre St. Leonhard am Wald aktiv. Sein Land um den Bergbauernhof, den er mit seiner Frau im Nebenerwerb bewirtschaftet hat, ist verpachtet. Er selbst ist nach vielen Jahren Schichtarbeit in einem Metall­betrieb ebenfalls in Pension. Vorbeter ist er geblieben, weil ihn Freunde ermuntert haben, dies nicht aufzugeben. Sie finden ihn unersetzlich. Vor allem seine Art und Weise, wie er Menschen verabschiedet und auf ihrem letzten Weg begleitet. Früher, bevor die Friedhofshalle gebaut wurde, waren die Verstorbenen zuhause aufgebahrt, erzählt Halbartschlager. Die Verabschiedungen von dort waren sehr ergreifend.

Halbartschlager leitet auch die abendlichen Betstunden für die Verstorbenen. Beim sogenannten „Nachtwachen“ ist er bestrebt, immer Betrachtungen mit einzubauen. „Das spricht besonders viele an – auch mich“, stellt er fest. Und es ist ihm dabei immer stärker zur Gewissheit geworden, dass dieses Leben nicht ein Ende sein kann. Das spüren auch die Trauernden. Den aktiven Vorbeter freut es, wenn sich die Angehörigen der Verstorbenen mit Vorschlägen an den Vorbereitungen beteiligen. Wenn man einen guten Freund auf seinem letzten Weg begleiten muss, kann das sehr emotional werden. „Da versagt einem fast die Stimme“, schluckt er.
Übernommen hat er diese Aufgabe von seinem Vater und seinem Nachbarn Anton Scheiblauer, die ebenfalls Vorbeter und ihm große Vorbilder waren. Am Anfang hätten noch die Knie gezittert, erinnert er sich. „Diese Blöße wollte ich mir nicht geben.“ Damit war der Bann gebrochen. Mut hat ihm auch die Katholische Männerbewegung gemacht, die damals Vorbeterschulungen angeboten hat.  Anton Halbartschlager war drei Perioden im Pfarrgemeinderat und ist auch Kommunionhelfer, „weil es sonst zu wenige gegeben hätte“, weist er hin. Heute hofft der langjährige Vorbeter, dass sich für diesen Dienst auch Jüngere finden, die sich diese Aufgabe ebenfalls zutrauen. Hans Pflügl