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Wallfahrtskirche mit 900-jähriger Geschichte

Foto: Markus Haslinger/extremfotos.com

Neukirchen am Ostrong südwestlich von Pöggstall ist einer der ältesten Marienwallfahrtsorte des Waldviertels. Die Pfarr- und Wallfahrtskirche wird heuer 900 Jahre alt. Das an Kunstschätzen reiche Gotteshaus ist als Wallfahrtskirche um knapp 550 Jahre älter als das nur wenige Kilometer entfernte Maria Taferl.

Es lohnt sich allemal, in der kleinen Ortschaft Neukirchen am Ostrong vorbeizuschauen. Die inmitten des Friedhofs gelegene Kirche „Mariä Himmelfahrt“ – übrigens eine von insgesamt 35 Pfarrkirchen in der Diözese St. Pölten, die dieses Patrozinium tragen – ist einfach etwas Besonderes. Im Inneren ist noch heute die Baugeschichte des 900 Jahre alten Gotteshauses abzulesen. Die qualitätvolle und vorbildlich restaurierte Einrichtung trägt wesentlich zu der erhebenden Atmosphäre dieses Sakralraumes bei. Der Pöggstaller Herbert Neidhart hat sich intensiv mit den kunsthistorischen Schätzen der Kirche auseinandergesetzt und zum Jubiläum einen neuen Kirchenführer über die Pfarr- und Wallfahrtskirche verfasst.

Neukirchen liegt auf einer weithin sichtbaren Anhöhe östlich des Ostrongs auf einer Seehöhe von 721 Metern. „Urkundlich belegt ist vor 1121 ein Tausch von Zehenten zwischen Bischof Heinrich von Freising und Bischof Ulrich von Passau“, schreibt Neidhart. Der Freisinger Bischof, der aus der Grafenfamilie der Peilsteiner stammte, widmete diese Güter zur Kirche Niwenchirc(hen), welche er auf eigenem Grund und Boden errichtet und bereits 1117 geweiht haben soll.

Bereits im Jahr 1262 soll hier jene Gnadenstatue, die der Legende nach aus dem versunkenen Schloss Ysper stammte, aufgestellt worden sein, durch die auch die Wallfahrtseigenschaft der Kirche begründet wurde. Eine von mehreren Legenden berichtet, dass die Wallfahrtskirche ursprünglich auf dem Nussendorfer Anger hätte erbaut werden sollen. Holzspäne, dort wo die Wallfahrtskirche heute steht, die man so angeordnet vorgefunden hat, dass sie den Grundriss eines Gotteshauses darstellten, sollen die Leute schließlich überzeugt haben, hier die Kirche zu errichten.

Ursprünglich war der Bau eine romanische Saalkirche mit einem westseitig vorgebauten Turm. Im 14. Jahrhundert wurde der gotische Chor errichtet, das Langhaus und der Turm wurden erhöht. Die Arndorfer ließen um 1400 eine Familiengruft und die St. Bernhardin-Kapelle errichten. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstand die nördliche Seitenkapelle. Eine große bauliche Umgestaltung folgte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die ihren Abschluss mit dem Anbau der Seitenschiffe und der Einwölbung der Mittelschiffe fand.

Der „Letzt’ Goldene Samstag“

Die Wallfahrt in Neukirchen muss im 15. Jahrhundert besonders bedeutsam gewesen sein und in der ganzen Region große Beliebtheit erlangt haben, was auch zum Ausbau der Kirche führte. Wie eine Notiz aus der Zeit um 1430 berichtet, war der Zustrom der Wallfahrer damals so groß, dass man im Ort drei Backstätten errichten musste, um die vielen Wallfahrer mit Brot versorgen zu können. Während der Reformation kam die Wallfahrt gänzlich ab. Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts setzten die Wallfahrten wieder ein. In dieser Zeit wurden auch verschiedene „Mirakel“ (Wunder) erzählt und aufgezeichnet.

Durch das Aufblühen des Wallfahrtsortes Maria Taferl (ab 1660) verlor die Wallfahrt nach Neukirchen allerdings stark an Bedeutung. Um dem Wallfahrtswesen im Ort neuen Auftrieb zu verleihen, führte man 1750 die „Drei Goldenen Samstage“ ein. Das sind die ersten drei Samstage nach Michaeli (29. September). Sie wurden als lokale Feiertage gehalten bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs hinein. Jetzt wird nur mehr der „Letzt‘ Goldene Samstag“, der letzte dieser drei Samstage, als großer Wallfahrtstag und Kirtag gefeiert.

„Wirkliche Pfarre“ seit 1891

Im Jahr 1784 wurde Neukirchen am Ostrong selbstständige Lokalie mit allen pfarrlichen Rechten. Bis dahin gehörte es zur Pfarre Münichreith. 1891 wurde die Lokalie zur „wirklichen Pfarre“ erhoben, liest man im Kirchenführer. Damit wurde die Wallfahrtskirche zur Pfarrkirche. Im Pfarrgebiet leben heute laut Diözesanschematismus 593 Katholiken. Als Seel-sorger ist seit 1994 sowohl für Neukirchen wie auch für Münichreith GR Zbigniew Mazurczak zuständig. Das Jubiläum „900 Jahre Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt“ wird in Neukirchen am Ostrong am
5. Juni mit der Sternwallfahrt des Dekanates Maria Taferl eröffnet (siehe Kasten rechts), zu der auch heuer wieder hunderte Wallfahrer erwartet werden. F. Bertl

 

Neukirchen a. Ostrong

Jubiläumsjahr
Sternwallfahrt des Dekanates Maria Taferl um geistliche Berufe und Eröffnung des Jubiläums mit Bischof Klaus Küng am Pfingstmontag, 5. Juni um 14.30 Uhr. Treffpunkte: Arndorf (13.30 Uhr), Prinzelndorf (13 Uhr), Mayerhofen (13 Uhr).

Hauptfest am 15. August um 11 Uhr  mit Diözesanbischof Klaus Küng (Drei-Tages-Fest, 13. bis 15. 8.).

Abschluss des Jubiläumsjahres am letzten Goldenen Samstag, 14. Oktober, um 9 Uhr.