Interview mit Bischof Schwarz

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Von der Reformation zum Hochbarock

Foto: Diözesanmuseum St. Pölten

Der Thesenanschlag Martin Luthers 1517 sowie das Geburtsjahr von Kaiserin Maria Theresia 1717 sind die Eckdaten eines zweihundertjährigen Zeitraumes, in dem die europäische und auch die österreichische Geschichte und Gesellschaft nachhaltig geprägt wurden. Das St. Pöltner Diözesanmuseum widmet seine diesjährige Sonderausstellung dieser Epoche und der „Entstehung der niederösterreichischen Sakrallandschaft“.

Es war die Periode großer Entdeckungen, wissenschaftlicher und philosophischer Fortschritte sowie theologischer, sozialer und kultureller Umbrüche und daraus folgender Konsolidierungen. In religiöser und kirchenpolitischer Hinsicht war diese Zeit geprägt von radikalen Umwälzungen und Erschütterungen, für die die Begriffe Reformation, Gegenreformation und Konfessionalisierung stehen. Die vom Diözeseanarchiv unterstützte Ausstellung thematisiert diesen Zeitabschnitt unter dem Aspekt kirchlicher und religiöser Erneuerung sowie deren im regionalen Raum fassbaren Niederschlag in der sakralen Kunst und der vom Herrscherhaus geförderten Volksfrömmigkeit, die im österreichischen Barockkatholizismus ihren weitreichenden Höhepunkt erfuhr.

„Mit dem spätgotischen, um 1480 geschaffenen Andreasaltar des Diöze-sanmuseums ist ein einzigartiges Zeugnis spätmittelalterlicher Volksfrömmigkeit am Vorabend der Reformation erhalten“, erklärt Dr. Wolfgang Huber, der Direktor des Museums. „Er illust-riert die mittelalterliche, durch gute Werke beförderte und daher von Luther kritisierte Erlösungsvorstellung und bietet einen idealen Einstieg in grundlegende, zur Glaubensspaltung führende religiöse Praktiken.“ Anhand seiner Darstellungen können die folgenschweren Auffassungsunterschiede katholischer und protestantischer Theologie anschaulich erläutert werden. Damit wird zum Abschnitt Protestantismus im Raum der späteren Diözese mit den Zentren St. Pölten, Loosdorf-Schallaburg und Horn übergeleitet und an Hand vor allem archivalischer Quellen und Dokumente das in weiten Teilen von der Reformation geprägte 16. Jahrhundert behandelt.
Mit der vom Konzil von Trient (1545-1563) propagierten und durch das Auftreten der Jesuiten geförderten institutionellen und spirituellen Erneuerung wird von katholischer Seite auf die reformatorischen Bestrebungen reagiert. Diese ersten Erneuerungsversuche leiteten gegen Ende des Jahrhunderts die Epoche der kirchlichen Konsolidierung ein. War sie anfangs mit der Reformpolitik des Passauer Generalvikars und späteren Wiener Bischofs Kardinal Melchior Khlesl eng verbunden, wurde sie anschließend mit der massiv gegen den Protestantismus gerichteten und letztlich siegreich gebliebenen Gegenreformation abgeschlossen.

„Pietas Austriaca“

Die theologischen Konsequenzen und die vom Konzil erneuerte Liturgie hatten wesentliche Einflüsse auf das religiöse Leben aller Schichten, wirkten typenprägend auf die Neuformulierung kirchlicher Architektur und sakraler Kunst und waren aufs engste mit den vom Herrscherhaus geförderten Formen barocker Frömmigkeit verbunden. So ist diese Epoche von einer spezifischen, auf der Gegenreformation basierenden „Pietas Austriaca“ gekennzeichnet, deren Fundament die  Annahme und Verwirklichung katholischer Glaubensgrundsätze und Tugenden bildet. Sie äußerten sich in einer verpflichtenden Eucharistie-, Kreuz- sowie Marien- und Heiligenverehrung, die große Auswirkung auf den religiösen Alltag und die Volksfrömmigkeit hatte. Das wieder eingeführte Wallfahrtswesen und die Bruderschaften hatten regen Zulauf.

Zusammen mit dem nun forcierten, den erneuerten liturgischen Anforderungen entsprechenden Kirchenbau, den zu repräsentativen Anlagen ausgebauten Klöstern und den wieder aktivierten sowie neu entstandenen Wallfahrtsorten entwickelte sich eine für Niederösterreich charakteristische, durch zahlreiche Kleindenkmäler bereicherte, barocke Sakrallandschaft. In dem zum St. Pöltner Diözesanmuseum gehörenden Wallfahrtsmuseum Maria Langegg als zweitem Ausstellungsort wird der Großteil des Kapitels Wallfahrtswesen gezeigt, in St. Pölten werden die mit der barocken Frömmigkeit verbundenen Aspekte des Pilgerns anhand der Via Sacra und der bedeutenden Gnadenorte Maria Taferl und Sonntagberg thematisiert. Be

 

Die Ausstellung

Von der Reformation zum Hochbarock. Zur Entstehung der niederösterreichischen Sakrallandschaft.

Öffnungszeiten Diözesanmuseum:
6. Mai bis 31. Oktober 2017. Di. – Fr., 9 – 12 und 14 – 17 Uhr; Sa., 10 – 13 Uhr; Montag geschlossen. So. und Feiertag (nur im Juli und August), 10 – 13 Uhr; Führungen nach Vereinbarung.
Domplatz 1, 3100 St. Pölten; Tel. 02742/324 331; www.dz-museum.at
Öffnungszeiten Wallfahrtsmuseum:
8. April – 31. Oktober 2017, Donnerstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr.