Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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Unter 30 und gerne im Dienst Gottes

Fotos: zVg

Warum leben junge Menschen heute in Gemeinschaften, die sich zum Dienst an Gott berufen fühlen? Was bewegte sie zu diesem Schritt, welche Unsicherheiten begleiten sie und wie verbringt man als Frater oder Gemeinschaftsmitglied seinen Sommer? „Kirche bunt“-Praktikantin Sarah Triml hat bei zwei jungen Berufenen nachgefragt.

Frater Christoph Fischer, 23, Stift Seitenstetten: Priester werden, das war schon seit frühen Kindertagen mein Ziel, wobei ich damals natürlich noch keine Ahnung hatte, was es bedeuten würde, so zu leben. Mein Wunsch blieb über die Jahre hinweg erhalten und bestand auch in der Oberstufe weiter. Als ich in der 6. Klasse Gymnasium war, sprach mich mein Heimatpfarrer an, ob ich nicht zum Weltjugendtag nach Madrid reisen wolle. Da die Vor– und Nachtreffen der Gruppe im Stift Seitenstetten stattfanden, lernte ich das Kloster erstmals ein wenig kennen. Nach dem Weltjugendtag kam ich regelmäßig zu den Jugendvespern des Stifts und verbrachte im Sommer 2012 eine ganze Woche hier. Ich konnte mich aber noch nicht entscheiden, ob ich Weltpriester oder Teil einer klösterlichen Gemeinschaft sein wollen würde. So trat ich nach der Matura 2013 in das Priesterseminar Linz ein, von wo aus ich nach Horn für das Propädeutikum, ein Einführungsjahr, geschickt wurde. Währenddessen wurde mir schnell klar, dass ich mein Leben lieber in einer Gemeinschaft verbringen wollen würde, weshalb ich bereits ein Jahr später in Seitenstetten als Postulant aufgenommen wurde.

Warum ausgerechnet das Stift Seitenstetten? Seitdem ich es kennengelernt habe, empfinde ich ein Gefühl von Geborgenheit, wann auch immer ich es betrete. Meine Einkleidung fand schließlich im September 2014 statt. Nach dem Noviziat legte ich am 2. Februar 2016 auf drei Jahre meine zeitlichen Gelübde ab und studiere seither katholische Fachtheologie und Religionspädagogik in Salzburg.

Auch wenn ich hin und wieder zweifle, ob mein Weg als Priesteramtskandidat der richtige ist – gerade wenn etwas nicht so läuft, wie man es selbst gerne hätte – bin ich doch überzeugt, zu einem höheren Zweck hier zu sein. Außerdem spüre ich, wenn ich von Salzburg nach Seitenstetten zurückkomme: Hier bin ich zuhause.
Natürlich habe ich im Sommer Ferien als Student, doch als Ordensmann beschränkt sich mein Urlaub auf drei Wochen pro Jahr. Ich verbringe in den Ferien also sehr viel Zeit in Seitenstetten und genieße den klösterlichen Alltag (vier Gebetszeiten, kleinere Aufgaben im Haus, aber auch Lektüre und Arbeiten für das Studium) ohne die Pendelei nach Salzburg. Doch auch dieser wird immer wieder unterbrochen: Jährlich finden zu Beginn der Sommerferien Exerzitien in unserem Kloster statt. Im Regelfall gibt es für uns Benediktiner mit zeitlicher Profess außerdem eine Ausbildungswoche. Kleinere Ausflüge, baden gehen, wandern oder grillen gehören aber auch zum Ferienprogramm. Das Besondere an den Schulommerferien ist, dass es in unserem Haus sehr ruhig ist und das ist auch mal ganz gut.

 

Tatjana Fleck, 29, Gemeinschaft Ancillae Domini: Damals, vor ziemlich genau zehn Jahren, war ich in den Ferien eigentlich nur zu Besuch in der Gemeinschaft Ancillae Domini und dachte gar nicht daran, dass das eventuell auch einmal für mich interessant sein könnte. Doch der Mensch denkt, Gott lenkt. So war es dann auch bei mir. Ich schaute öfters vorbei, machte Exerzitien und durch ein intensiveres geistiges Leben zu Hause und die Prägung durch die Pfadfinderarbeit bei der Katholischen Pfadfinderschaft Europas spürte ich immer mehr, dass der liebe Gott ein großes Abenteuer für mich bereit hält und vielleicht auch diesen Weg hier für mich bestimmt haben könnte. Und so sollte es dann auch kommen –  im Herbst 2009 begann ich meine erweiterte Kandidatur, machte in Würzburg noch meine Ausbildung zu Ende und trat im Juli 2011 dann ins Noviziat ein.

Nun könnte man sich fragen, warum gerade bei den Ancillae Domini eintreten? In unserer Gemeinschaft leben wir als gottgeweihte Frauen in der Welt und haben so den Dienst und die Hingabe an Gott und unseren Nächsten gewählt. Das hat für mich eine ganz besondere Bedeutung: zum einen ganz für den lieben Gott zu leben, zum anderen aber auch ganz für den Nächsten. So können wir das wahre Glück und die wahre Zufriedenheit erfahren. Eine jede von uns an ihrem Platz – egal ob im Studium, am Arbeitsplatz, in der Pfarre oder in der Jugendarbeit… Und es kommt eben nicht darauf an, dass wir große Werke vollbringen, sondern einzig und allein, mit welcher Hingabe und Liebe wir die Dinge tun.

Der Sommer ist eine der aktivsten Zeiten bei uns im Jahr: Jede von uns ist unterwegs mit jugendlichen und erwachsenen Pfadfindern –  in den verschiedensten Ländern und Gegenden. In diesem Jahr verschlägt es uns z.B. ins Waldviertel, nach Frankreich und Italien, nach Portugal und auch nach Südamerika. Aber auch am Hof in Kleinwolfstein, unserem Zentrum, wird´s nicht langweilig: Unser großer Garten bringt eine große Ernte mit sich und die Neustadtler Ministranten, viele Familien und einzelne Gäste nutzen die schöne und ruhige Lage sowie die geistige Atmosphäre unseres Hofes für ihre Ferien. Im August werde dann auch ich mit einer Gruppe von jungen Frauen und einem Priester als geistige Begleitung in Portugal unterwegs sein. Als Pfadfinder wollen wir zu Fuß, nur mit dem Allernötigsten im Rucksack, das Land erkunden und schließlich im Jubiläumsjahr zur Mutter Gottes von Fatima pilgern. Gerade in diesen Tagen wollen wir uns ganz der Fügung des Himmels überlassen und sind bereit für ein Abenteuer mit dem lieben Gott!