Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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Ständige Erreichbarkeit - Ein Segen?

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Die Neuen Medien bestimmen immer stärker und mehr das Leben von Menschen aller Generationen – besonders das Smartphone wird zusehends zum ständigen Begleiter.

Nur mehr eine halbe Stunde… – bitte, Mama!“ Seit Jahren ist es eines der heißest diskutierten Themen in der Kindererziehung: Der Kampf um die vor dem Bildschirm zugebrachte Freizeit. Während man in den 1980-er-Jahren wegen zu vieler Fernsehstunden debattierte, findet die Diskussion inzwischen vor allem rund um die Benutzung des Smartphons statt.

Das Smartphone – seit 2007 erlebt dieses Kommunikationsmittel mit „Touchfunktion“ enormen Aufschwung. Da das Gerät auch internetfähig ist, wurde es in kürzester Zeit weltweit begehrt. Seine Vorteile sind unbestritten: Das Gerät vereinfacht die Kommunikation und ermöglicht das Beantworten brennender Fragen zu beinahe jedem Thema z. B. durch „Googeln“ in Sekundenschnelle. Viele Menschen verwenden „Apps“ als Lebens- und Organisationshilfe. Oft blenden sie dabei aus, dass sie sich – beispielsweise durch die Verwendung eines Navigationssystems am Handy – ständiger Überwachbarkeit und Standortortung aussetzen.

Dass auch die durch Smartphones ermöglichte ständige Erreichbarkeit nicht nur praktisch ist, darauf verweisen beispielsweise Experten, die sich mit dem Burnout-Syndrom beschäftigen. Vielmehr sei diese Erreichbarkeit eine Dauerbelastung, so der Nobelpreisträger und Biochemiker Thomas Südhof, die auch „zu chronischem Stress, der den Menschen und sein Gehirn verändert“ führe.

Ein besonderes Phänomen von Smartphones, Tablet und Co. ist der „Second Screen“. „Second Screen“ bedeutet, zwei Bildschirmen gleichzeitig Aufmerksamkeit zu schenken. Dabei schauen die Betroffenen nicht nur fern (oder sitzen im Kino), sondern verwenden nebenbei auch noch eines ihrer internetfähigen Geräte wie eben das Smartphone. Diverse Fernsehsender nützen diesen Trend bereits für ihre Zwecke: Zu manchen Filmen stellen sie kos­tenlose „Apps“ zur Verfügung (wie etwa der ORF zum Pregau-Krimi-Vierteiler). Diese sollen die Zuschauenden zu intensiver Auseinandersetzung mit dem Gesehenen – schon während der Ausstrahlung –  anregen.

Erwachsene als Vorbilder


Viele bemühte Eltern wissen um die Herausforderung, ihren Kindern einen vernünftigen und verantwortungsbewussten Umgang mit den internetfähigen Geräten beizubringen. Allerdings vergessen Erwachsene oft auch, dass gerade sie als Vorbilder gefragt sind. Das Gerät in der Freizeit öfter auszuschalten, wäre gerade für Familien wichtig. Eltern, die sich bewusst Zeit für ihre Kinder nehmen, mit diesen in die Natur gehen oder ein analoges Spiel spielen, erhöhen damit nicht nur die Möglichkeit auf gemeinsame Erinnerungen außerhalb der virtuellen Welt und ein entspannteres Familienklima: Vielmehr ist das bewusste Abdrehen und Nichtbenützen wie auch die Weitergabe eines reflektierten Umgangs mit den neuen Geräten auch für die kindliche Entwicklung essentiell. Dies macht die durch die Drogenstelle der deutschen Bundesregierung in Auftrag gegebene Studie BLIKK deutlich. Diese zeigt u. a. auf, dass Säuglinge Fütter- und Einschlafstörungen entwickeln können, wenn Eltern parallel zu deren Betreuung digitale Medien benützen. Oder dass Kinder unter sechs Jahren, die täglich länger als dreißig Minuten vor einem Bildschirm sitzen (also zum Beispiel am Tablet malen), Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren, in der Sprachentwicklung zurückliegen und zu unruhigem Verhalten neigen. Auch bei älteren Kindern zeigen sich Konzentrationsstörungen und sogar Übergewicht als Folge von zu viel vor solchen Geräten verbrachter Zeit. Ergebnisse wie jene können zum bewussten Umgang mit digitalen Medien anregen und dazu, diesen jungen Generationen vorzuleben. Sarah Triml

 

Erklärt

Smartphone. Das ist mehr als nur ein Mobiltelefon mit Standardfunktionen wie Anruf oder SMS, da es auch über Eigenschaften verfügt, die auch ein Computer besitzt.

App. Eine App ist ein Anwendungsprogramm (Computerprogramm), das die Funktionen eines Smartphones erweitern kann.

Tablet. Das ist ein tragbarer, flacher Computer in besonders leichter Ausführung – mit einem Touchscreen aber ohne Tastatur.