Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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Schörlpädagogik für die Familie

Während den Namen Montessori fast jeder kennt, wissen nur wenige, dass Margarete Schörl, eine Ordensfrau der
„Englischen Fräulein“ in Krems, die Vorschulpädagogik nach 1945 wesentlich beeinflusste. Kindergartenpädagogin Anna Ruschka, Wiederentdeckerin Schörls in ihrer Heimat, erklärt, welche Ideen Schörls auch für Familien Bedeutung haben.

Sie hat die um 42 Jahre ältere Maria Montessori noch persönlich kennen gelernt, wurde von ihr inspiriert und entwickelte doch eine eigenständige Pädagogik für den von ihr geleiteten Kindergarten – Margarete Schörl, Ordensfrau der Englischen Fräulein in Krems. Das von ihr entwickelte „Raumteilverfahren“ wird in den meisten modernen Kindergärten umgesetzt und viele ihrer Ideen fanden Eingang in christlich geführte Kinderbetreuungseinrichtungen. In Erinnerung an die engagierte Ordensfrau und Pädagogin wird nun auch eine Büste vor der Bundesbildungsanstalt für Sozial- und Elementarpädagogik (BASOP/BAfEP) in St. Pölten errichtet.

Dass Schörls Ansichten über die Entwicklung des Kindes auch für Familien interessant sind, davon ist Anna Ruschka, Sonderpädagogin im Praxiskindergarten  der BAfEP, überzeugt. Sie gab vor fünf Jahren gemeinsam mit Dr. Doris Kloimstein einen Anstoß zur Wiederentdeckung Schörls in ihrer Heimat. Das aktuelle EU-Projekt „Selber denken macht gescheit“ soll auch die Bedeutung dieser Reform­pädagogik für die Familie herausarbeiten.

Zentrales Ziel von Mater Margarete Schörl war die Eigenständigkeit des Kindes – dies beinhaltete auch die Hinführung zu einer immer größeren  sozialen     „Mitmenschlichkeit“. Sein Mensch-Sein drücke das Kind mit dem Wunsch „Alleine! Selber!“ aus. Es bittet die Erwachsenen, ihm das Denken und Tun nicht abzunehmen, sondern Grunderfahrungen selber machen zu dürfen, was im Gegensatz zu Anordnungen und Gehorsam steht. „Die Kinder brauchen eine fruchtbare Langeweile, um selbst kreativ zu werden“, betonte Schörl. Die Kreativität entwickle sich, so Schörl, wenn Kinder von Dingen des Alltags sowie ansprechendem Spielmaterial umgeben sind. Sie empfahl möglichst „unstrukturiertes“ Spielmaterial wie Wasser, Ton, Sand, Papier, Schachteln, Kleber usw. Kinder sollen aus dem Material selber ihre „Welt erschaffen“ und sich auch das Spiel selbst organisieren, z. B. für das Malen eine Unterlage und Papier holen, die Stifte bereit legen usw.

Die Hauptaufgabe der Eltern sah Schörl vor allem darin: da sein, sich Zeit nehmen für das Kind, zuhören und zuschauen und so wahrnehmen, was das Kind beschäftigt und was es braucht. Notwendig sei auch die Führung der Eltern, aber auf eine indirekte Art – dem Kind Wegweisung gebend und es unterstützend, immer bereit „zurückzutreten zugunsten der Aktivität des Kindes“.

Das oberste Prinzip in der Begleitung von Kindern war für die Ordensfrau die Liebe. „Ein verletztes Kind gibt die Verletzung weiter. Es braucht Worte, die heilen: ,Ich habe mich auf dich gefreut. Gut, dass du da bist‘“, meinte Margarete Schörl. Die Liebe drücke sich auch so aus: „Nicht urteilen – sondern helfen.“ ph


 

Zum Gedenken

Gedenkmesse am 27. 9. um 17.30 Uhr mit Diözesanbischof DDr. Klaus Küng im Maria Ward Haus, Lilienhof, in St. Pölten. Um 19 Uhr Kamingespräch mit HR Dir. i. R. Christine Gubitzer, weiteren Zeit­zeugInnen sowie den TeilnehmerInnen am EU-Projekt und allen an der Pädagogik M. Margarete Schörls Interessierten.

Festakt mit Enthüllung der Büste zum 105. Geburtstag von M. Margarete Schörl. Ort: Bundesbildungsanstalt für Sozialpädagogik und Elementarpädagogik in St. Pölten, Dr. Theodor Körner-Straße 8. Mit Direktor Mag. Friedrich Gonaus, Dipl.-Päd. Ing. Hildegard Schaup, Bürgermeister Matthias Stadler und Landesrätin Barbara Schwarz.

Workshop „Auf den kreativen Spuren von M. M. Schörl – Selber denken macht gescheit, selber malen macht ausdrucksstark“. Referentinnen: Anna Ruschka und Elfriede Lechner, Kindergartenpädagoginnen. Zielgruppe: ElementarpädagogInnen, ElternbildnerInnen und alle an Schörls Pädagogik interessierten Eltern, Tagesmütter, Großeltern, Pflegeeltern … Am 28. 9., 14 Uhr, im Maria Ward Haus in St. Pölten.

Anmeldung für die jeweilige Veranstaltung erbeten unter Tel. 0664/412 45 54, .