Pfarrgemeinderäte – mit Herz und Seele dabei

Am 19.März ist es wieder soweit: In der Diözese St. Pölten werden über 5000 Pfarrgemeinderäte gewählt – sie bringen sich mit ihren Begabungen ein und prägen so oft die Zukunft ihrer Pfarre.

Auch heuer hofft die Diözese St. Pölten auf viele „gute Kandidatinnen und Kandidaten, die wieder neuen Schwung und neue Ideen“ in die jeweilige Pfarre einbringen. Gleichzeitig will man natürlich auch, dass viele der „altbewährten Mandatarinnen und Mandatare bleiben“. Mag. Peter Haslwanter vom Bereich Pfarre der Pastoralen Dienste und somit Hauptverantwortlicher verweist auf den Slogan der PGR-Wahl „Ich bin da.für“. „Die Christinnen und Christen mit ihren Begabungen sind der Reichtum der Kirche, die Pfarrgemeinderatswahl will dieses Potential heben und für fünf Jahre ehrenamtliches Engagement fruchtbar machen“, sagt Haslwanter und weist damit auf die wichtige Rolle der Pfarrgemeinderäte hin. Sie entscheiden gemeinsam mit dem Pfarrer und der Pastoralassistentin bzw. dem Pastoralssistenten, wie es mit der Pfarre in Zukunft weitergehen soll.


Fünf bis sechs Sitzungen pro Jahr stehen auf dem Programm und hin und wieder gibt es – wie z. B. vor kirchlichen Hochfes­ten oder Pfarrfesten – meist etwas mehr zu tun. Er, so Peter Haslwanter, sei sich bewusst, dass für viele Menschen – mit all den Verpflichtungen, die man so hat – es heute oft nicht so einfach ist, sich für ein Engagement freizumachen. Doch er ist überzeugt, dass das Engagement im Pfarrgemeinderat für die Pfarre und für einen selbst sehr erfüllend sein kann –  „Wenn man sieht, dass man etwas für die Pfarre bewirken kann.“


Kirche bunt hörte sich unter einigen Pfarrgemeinderäten um, wie sie ihr Engagement erleben und wie sie dieses mit ihrem Berufs- und Privatleben vereinbaren können. Einig waren sich die meisten: Das Engagement als Pfarrgemeinderat ist mit den anderen Aufgaben und Herausforderungen des Alltags gut vereinbar – egal, ob man nun Angestellter, Landwirt, Unternehmer, Pensionist oder Student ist.


Barbara Berger ist seit 2012 Pfarrgemeinderätin in der Pfarre Zwentendorf. Die 36-jährige Angestellte betont: „Für mich ist mein Engagement in der Pfarre sehr gut mit meinem Beruf vereinbar.“ Viel hänge auch von einem selber ab, wie viel man sich engagieren kann und will, so Barbara Berger. Sie sei an der Mitgestaltung von Familienmessen beteiligt und helfe auch gerne aus, z. B. beim Pfarrkaffee oder bei der Begleitung der Sternsinger. Letztlich rechne sie nicht, wie viel Zeit sie für die Pfarre aufbringt: „Mein Engagement gibt mir sehr viel – ich bin einfach gerne in dieser Gemeinschaft.“

Ähnlich sieht es Albert Mörzinger. Der 48-jährige Landwirt ist in der Pfarre St. Martin im Waldviertel engagiert – nicht nur als Pfarrgemeinderat, sondern u. a. auch als Pfarrkirchenrat und im Kirchenchor. St. Martin sei eine intakte Pfarrgemeinde, die gut in den Pfarrverband integriert sei und in der einiges weitergehe, sagt Mörzinger. So sei 2014 der Friedhof und 2015 die Außenfassade der Kirche samt Dach saniert worden. Derzeit ist die Innensanierung der Pfarrkirche in Planung . Er habe, so Mörzinger, dabei einige organisatorische Aufgaben übernommen. „Ich führe nicht Buch über die Stunden, die ich mich engagiere, aber es kommen schon einige zusammen. Ich bin aber mit Herz und Seele dabei, weil wir so eine gute Gemeinschaft sind.“

Der 55-jährige Prokurist Hubert Strasser aus Rohrenreith im Waldviertel schätzt, dass er rund 200 Stunden jährlich für sein Engagement in der Pfarre Großgöpfritz aufwendet. Strasser ist allerdings nicht nur im Pfarrgemeinde- und im Kirchenrat vertreten, sondern er ist u. a. auch Kommunionhelfer und Lektor oder Verfasser der Berichte für die Pfarrhomepage. Trotz seines großen Einsatzes betont der Prokurist, dass sein ehrenamtliches Engagement mit seinem Berufs- und Familienleben „absolut vereinbar“ sei. „Es ist einfach schön, wenn man sieht, dass man gemeinsam so viel bewirken kann“, sagt Strasser und verweist u. a. auf die Sanierung des Pfarrheims – die die Pfarrgemeinde im Alleingang finanziert und realisiert hat.

Elisabeth Allram, 54 Jahre, war zwei Perioden neben ihrer Arbeit im Familienbetrieb in der Pfarre Brunn/
Wild im Pfarrgemeinderat tätig. „Das habe ich gut mit meinem Beruf und dem Haushalt vereinbaren können“, sagt sie heute rückblickend. Bei den nächsten Pfarrgemeinderatswahlen will Elisabeth Allram dennoch nicht mehr antreten. Das nicht zuletzt deshalb, weil sie seit September Bürgermeisterin in ihrem Heimatort ist. „Das wird mir dann doch zu viel“, sagt Frau Allram und freut sich, „dass jetzt junge Kandidaten“ für den PGR nachkommen. Der Pfarrgemeinde bleibt die Bürgermeisterin dennoch als Mitarbeiterin treu: „Ich bleibe Kommunionspenderin und Lektorin.“

Auch die 23-jährige ausgebildete Sozialarbeiterin und Theologiestudentin Kathrin Schoder erlebt ihr Engagement als Pfarrgemeinderätin in der Pfarre Zeilern als „sehr gut mit ihrem Studium“ vereinbar. „Im Pfarrgemeinderat haben wir rund fünf Sitzungen im Jahr und ich engagiere mich daneben noch in der Pfarrcaritas. Wir besuchen z. B. ältere Menschen zu Hause“, erzählt die Jungpfarrgemeinderätin voll Begeisterung. Sie erlebe ihr Engagement als etwas sehr Sinnvolles, „weil ich hier Einblicke in die Pfarrarbeit bekomme und das kommt mir auch beim Theologiestudium zugute“.

Viele Pensionisten haben in den Pfarren das Amt des Pfarrgemeinderats übernommen oder tragen auf andere Weise die Pfarre. Einer von ihnen ist Anton Liedlbauer, der seit Jahren im Pfarrgemeinderat in Böheimkirchen engagiert ist. Sein Einsatz, so Liedlbauer, sei schon sehr zeitintensiv. Doch das hänge auch mit den Flüchtlingen zusammen, die die Pfarre betreut. Grundsätzlich, betont auch Anton Liedlbauer, hänge es von einem selber ab, wie viel Zeit man für sein Engagement aufbringt und wie viele Aufgaben man in der Pfarre übernimmt. Wichtig sei, so Liedlbauer, dass ein Pfarrgemeinderat nicht nur bereit ist, je nach seinen Möglichkeiten Zeit zu investieren, sondern „dass er auch eine Liebe zu den Menschen, zu der Pfarre und zur Kirche mitbringt“. Sonja Planitzer

 

Bischofswort zur Pfarrgemeinderatswahl

Liebe Schwestern und Brüder!
Am 19. März 2017 werden in allen österreichischen Diözesen die Pfarrgemeinderäte neu gewählt. Der Pfarrgemeinderat ist eine bewährte und wirksame Beteiligungsform der Getauften an der Sendung und an den Aufgaben der Kirche vor Ort. Pastoral und Seelsorge bedürfen heute der Mitwirkung vieler. Die Pfarrgemeinderäte beraten und entscheiden Fragen des pfarrlichen Lebens; damit wirken sie zusammen mit dem Pfarrer an der Leitung der Pfarrgemeinde mit.
Eine der zentralen Herausforderungen für die Pfarren und Pfarrgemeinderäte besteht darin, Sorge zu tragen dafür, dass das Wort Gottes zu allen gelangt, die Sakramente so gespendet werden, wie es dem Auftrag der Kirche entspricht, und alle zu Christus geführt werden. Es ist notwendig, allen die Gemeinschaft des Glaubens an Chris­tus anzubieten: jenen, die regelmäßig und intensiv am kirchlichen Leben teilnehmen, aber auch den vielen anderen, die zwar getauft sind, aber nicht oder nur wenig mit der Kirche verbunden sind. Auch jene, die sie aus irgendeinem Grund verlassen haben, dürfen wir nicht vergessen. Das scheint mir überhaupt ein ganz wesentlicher Aspekt zu sein: Unsere Pfarren – und daher ganz besonders die Pfarrgemeinderäte – müssen missionarisch werden, d. h. zu Pfarren, in denen das Heil jedes Menschen ganz im Mittelpunkt steht. Dazu ruft und beauftragt das Evangelium uns als Kirche.
Das diesjährige Wahl-Motto lautet „ICH BIN DA.FÜR“ und beinhaltet drei wesentliche Aspekte des Christseins: „ICH BIN DA“ ist der Name Gottes in der Bibel. Er ist in allen Nöten und Fragen mit uns. Einander und den Menschen die liebende Nähe Gottes zuzusagen ist der kostbars­te Schatz, der den Pfarrgemeinden anvertraut ist.
„ICH BIN DA für …“ Gott ist für sein Volk da. – Wofür bin ich als Christ da? Für wen sind wir als christliche Gemeinde da? Das sind Fragen, um die sich die Gespräche zur Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten in den nächsten Wochen drehen werden. Viele wären schon bereit, für andere da zu sein, aber sie haben die Kraft ihrer Berufung noch nicht entdeckt und brauchen eine behutsame Begleitung, um von Herzen sagen zu können: Ich möchte als Pfarrgemeinderat, als Pfarrgemeinderätin für die anderen da sein.
„ICH BIN dafür“ drückt aus, dass sich Gläubige für ihre christlichen Werte einsetzen. Alle getauften Mitglieder der Pfarre sind berufen und befähigt, in Wort und Tat Zeugnis ihres Glaubens zu geben und an der Seelsorge mitzuwirken. Pfarrgemeinderäte tun das in besonderer Weise. Wer KandidatInnen vorschlägt und zur Wahl geht, drückt damit aus: „Ich hoffe, dass diese Person Verantwortung in und für die Pfarrgemeinde übernimmt.“
Ich lade Sie ein, sich bei der Wahl am 19. März zu beteiligen. Wer vom Wahlrecht Gebrauch macht setzt ein Zeichen, dass ihm die Pfarrgemeinschaft wichtig und wertvoll ist. Wer wählt will, dass die Pfarre auch zukünftig eine lebendige und einladende Gemeinschaft für alle ist. Laden Sie auch Nachbarn und Bekannte zur Stimmabgabe ein, damit die zukünftigen Vertreterinnen und Vertreter der Pfarrgemeinde einen breit getragenen Auftrag erhalten. Bischof DDr. Klaus Küng