Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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P. Martin – Künstler im Benediktiner-Habit

Foto: F. Bertl

Er gehört zum Stift Seitenstetten wie die Obstbäume zum Mostviertel: der Priester, Ordensmann, Kustos und Künstler aus Leidenschaft – Pater Martin Mayrhofer. Für den Kunstschaffenden im Benediktiner-Habit ist eigentlich das ganze Jahr Weihnachten, denn in der heurigen Adventzeit entstehen schon die Werke für das nächste Fest.

Man sieht nur mit dem Herzen gut; das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. „Dieses Wort von Antoine de Saint-Exupéry kommt einem in den Sinn bei der Betrachtung der Werke von P. Martin Mayrhofer. Er versteht es, mit der Liebe zum Detail, dem Betrachter die Augen des Herzens zu öffnen für die Schönheit der Schöpfung“, sagte einmal der frühere Seitenstettner Abt Berthold Heigl sehr treffend über den Mostviertler. Auch wenn man das „Reich“ des Künstlers im Ordensgewand bereits kennt: es ist immer wieder ein ergreifendes Gefühl, das einen überkommt beim Gang hinauf über die Jahrhunderte alten Holzstiegen in den ersten Stock des Stiftsmeierhofs. „P. Martin“ – ein unscheinbares Türschild weist den Weg, ehe man eintaucht in diese unverwechselbare Atelier-Atmosphäre. Holzgeruch, frische Späne von der letzten Arbeit, Werkzeuge hier, Werkzeuge dort, Staffeleien, Holzskulpturen, Bilder, Entwürfe, Skizzen und – zwischen Hobelbank und Werkzeugwand auf einem Hocker: der Benediktiner-Habit. In der Werkstatt legt der 76-Jährige das Ordensgewand ab. Es ist Vormittag beim „Kirche bunt“-Besuch. Erst gegen Mittag streift er es wieder über, da ist Chorgebet.


Apropos Hobelbank – bevor P. Martin vor vielen Jahren in die großzügigen Räume unter den alten Gewölben im Meierhof „künstlerisch“ einziehen durfte, „da stand die Hobelbank lange genug neben dem Bett in meinem Zimmer im Stift“, erinnert er sich zurück. Das Zeichentalent des geborenen Loosdorfers fiel schon den Lehrern am Gymnasium auf („Die Zeichnungen lassen sich jetzt noch herzeigen.“). Mit der Bildhauerei kam er in der Kaplanszeit in Mauer-Öhling erstmals in Berührung. Heute hängen Werke seines damaligen Lehrmeisters Hans Marschner im Stiegenaufgang zum Atelier. P. Martins erstes Schnitz-Projekt: ein Madonnenrelief. Bald entdeckte auch der damalige Abt Albert die künstlerische Begabung des jungen Mitbruders und setzte ihn 1969 als Unterstützung des schon älteren Pater Gottfried am Gymnasium im Zeichenunterricht und später als Kunsterzieher ein. Was folgte, war das Studium an der Kunstakademie in Linz. Vom Orden hatte er dafür die volle Unterstützung.

Nach Abschluss der Ausbildung 1982 begann P. Martin schon bald mit den Vorbereitungen für die große Landesausstellung in Seitenstetten 1988, und auch die künstlerischen Arbeiten des schnitzenden und malenden Benediktiners nahmen mehr und mehr zu. Seit 1984 ist er Kustos der Stiftsgalerie und der grafischen Sammlung des Klosters.
Acht große Ausstellungen hat der Kunstfachmann im „Vierkanter Got-tes“ bereits geleitet – Troger, Kremser Schmidt, Altomonte usw. –, geschätzte 150 („vermutlich waren es viel mehr“) hat er selbst ausgerichtet. An vielen Präsentationen im In- und Ausland beteiligte sich der vielseitige Künstler. Die Schaffenspalette reicht von Radierungen, Holzschnitten, Aquarellen, Ölbildern, Zeichnungen bis zu Skulpturen, Kreuzwegen und Krippen, viele kleine, aber auch große, figurenreiche für Pfarren und Privatpersonen.

Künstler, Mönch, Pfarrer

Aber P. Martin ist auch Mönch und Seel-sorger. „Das Ordensleben ist das Gerüst im Tagesablauf“, so der Benediktiner. „Ich bemühe mich immer da zu sein, außer es gibt etwas wirklich Dringendes.“ Im März vollendet er das 18. Jahr als Pfarrer vom wenige Kilometer entfernten Krenstetten. Die Pfarre liegt ihm am Herzen. Er singt auch im Chor mit – „zumindest bei den Proben. Die Leute sollen spüren, dass mir das ein Anliegen ist“. Ein Anliegen sind ihm auch die Kinder und Jugendlichen: „Ich versuche, dass sie ein bisschen einen persönlichen Kontakt zu Jesus kriegen – das ist das Um und Auf.“ Er selbst habe schon von Kind auf eine „Du“-Beziehung zu Jesus gehabt. „Meine Mutter hat das auch stets gefördert. Das will man natürlich auch im Leben umsetzen.“

Wie erlebt P. Martin Weihnachten? Weihnachten begleitet den Künstler das ganz Jahr (siehe auch rechts). Im Stift und in der Pfarre bemüht er sich, das Fest der Geburt Jesu in vollem Umfang mitzufeiern und mitzugestalten.
In der Pfarre, die sehr selbstständig arbeitet, gehören für den Priester u. a. die Krankenbesuche zur Vorbereitung auf Weihnachten. Im Stift ist für P. Martin am 24. Dezember am späten Nachmittag die Vesper ein Pflichttermin, dann die „Bescherung“ im Konvent, später das Chorgebet und die Vigil. Gegen 21 Uhr geht es dann Richtung Krenstetten zur Mette. Danach trifft er sich noch mit Pfarrmitarbeitern in kleiner Runde im Pfarrhof. Und dann? „Wartet das Bett, denn am nächsten Tag geht es weiter...“    F. Bertl