Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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„Nicht perfekt, aber ein richtiger Schritt“

Foto: Planitzer

Sarah Triml (21) studiert Geschichte, Deutsch und Portugiesisch, stammt aus der Pfarre Hofstetten-Grünau und absolviert gerade ein Praktikum bei „Kirche bunt“. Für diese nahm sie an der Online-Umfrage zur Weltbischofssynode teil und erzählt hier von ihren Eindrücken.

Es ist Mittwoch, 5. Juli, 15.23 Uhr: Ich beginne mit der Beantwortung der deutschen Version des Online-Fragebogens. Dieser wurde im Vorfeld zur Weltbischofssynode, die im Herbst 2018 stattfinden wird, veröffentlicht. Dass gerade wir, 16- bis 29-jährige, befragt werden, liegt am Thema der Synode: „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“. Inhaltlich geht es also genau um uns: um unsere Einstellung zu Glaube, Kirche und zum Leben im Allgemeinen. War der Fragebogen zunächst nur auf Italienisch, Portugiesisch, Französisch, Spanisch und Englisch abrufbar, gibt es ihn nun unter https://survey-synod2018.glauco.it/limesurvey/index.php/147718 auch in deutscher Sprache.

Antworten finden

Doch nun zurück zum Ausfüllen des Fragebogens: Nachdem ich statistische Daten wie z. B. meinen Familienstand und mein Geburtsland angegeben habe, befinde ich mich schon auf der nächsten Seite in der Rubrik „Wie ich mich und die Welt um mich herum sehe“. Die erste Frage lautet: „In welchem Maße treffen diese Charaktereigenschaften auf dich zu?“ Einzuschätzen, ob ich die Aussage „Positives Selbstbild“ nun mit „4 – größtenteils“ oder „5 – auf jeden Fall“ beantworte, fällt mir gar nicht so leicht. Ich entscheide mich schlussendlich dennoch und befasse mich mit der nächsten Seite zum Thema „Ich und die anderen“, die uns zum Rückblick in die Kindheit einlädt.

Die vierte Seite heißt „Meine Lebensentscheidungen“. Die neue deutsche Version weist hier einen Fehler auf: Bei der Frage „Warum suchst du keine Arbeit?“ kommen nur italienische Antworten. Ich muss lächeln und krame meine Sprachkenntnisse hervor. Zum Nachdenken bringt mich auf dieser Seite allerdings, dass man versucht, Papst Franziskus’ Botschaft an die Jugend „Macht euch auf! Zieht weg!“ mit der Frage „Aus welchem Grund könntest du dir vorstellen, deine Heimat zu verlassen und in eine fremde Stadt oder ein fremdes Land zu ziehen?“ in die Umfrage zu integrieren. Da ich Franziskus’ Aufruf als Aufforderung zum Aufstehen für den Glauben oder auch als Anregung zum Nachdenken über die aktuelle Fluchtproblematik verstehe, lassen mich die beiden Antwortmöglichkeiten – „Es ist vor allem eine Möglichkeit, die eigene Situation zu verbessern“ und „Es ist in erster Linie notwendig für denjenigen, der in einem Umfeld ohne Perspektiven lebt“ – in ihrer Polarität unzufrieden zurück.

Positiv überrascht die Seite „Religion, Glaube, Kirche“. Die Frage „Gehörst du einer Religionsgemeinschaft an?“ lässt neben verschiedenen Religionsgemeinschaften auch Antworten wie „Nein und ich glaube auch an nichts Religiöses“ oder „Ja, ich glaube an ein höheres Wesen, aber ohne Bezug zu  irgendeiner Religionsgemeinschaft“ zu. Dies unterstreicht die Ernsthaftigkeit des Anspruchs, ALLE jungen Erwachsenen erreichen zu wollen. Auf der selben Seite sollen wir zu den Begriffen „Gott“, „Jesus“ oder „Berufung“ mögliche Assoziationen wie Liebe, Zweifel oder Wahrheit ankreuzen. Ich frage mich aber, ob es nicht gerade bei dem Thema Berufung sinnvoller gewesen wäre, eine offene Frage zu stellen, bei der wir als junge, eigenständig denkende Erwachsene unsere Meinung kundtun hätten können?


Anschließend folgt eine Seite namens „Internet und ich“, bei der dessen Stellenwert in unserem Alltag abgefragt wird. Hier wird jedoch nicht erfragt, welche „Apps“ man am liebsten verwendet, was meiner Meinung nach jedoch viel über Jugendliche und ihre Lebenswelten aussagen würde – vielmehr sind die Antwortenden aufgefordert, virtuelles mit „off-line“-Leben in Verbindung zu bringen und über das eigene Verhalten in diesen beiden „Welten“ nachzudenken.

Manche Fragen fehlen mir

Abschließend folgen zwei offene Schlussfragen. Wir sind aufgefordert, zum einen über uns selbst zu erzählen und zum anderen ein Beispiel zu schildern, „bei dem die Kirche junge Menschen bei ihren Entscheidungen zu einem wertvollen und erfüllten Leben begleitet hat“. Dies finde ich einerseits gut, da es positive Erinnerungen hervorruft und einen vielleicht, so wie mich, an die wunderbare Zeit der Firmvorbereitung denken lässt. Andererseits hätte ich mir auch erhofft, dass ein offenes Antwortfeld für Zweifel, Frust über eingefahrene Strukturen oder Anregungen zu möglichen Veränderungen gegeben sein würde. Dass kirchen- und gesellschaftspolitisch polarisierende Fragen zu Zölibat, Ehe oder der Rolle der Frau in Kirche und Gesellschaft sich nicht im doch recht breiten Fragespektrum befinden, finde ich ebenso schade. Ebenfalls problematisch finde ich es, dass Menschen, die keine der fünf Sprachen beherrschen, in denen der Fragebogen veröffentlicht wurde, von vornherein von der Umfrage ausgeschlossen sind.

Nach 34 Minuten bin ich nun fertig. Wenn der Fragebogen auch nicht perfekt ist, so ist er für mich doch ein Schritt in die richtige Richtung. Mein Appell an meine Generation: Jetzt liegt es an euch, den Fragebogen ebenfalls auszufüllen. Denn: Die Jugend ist generell und auch alleine schon im katholischen Bereich so heterogen. Sie ist bunt. Ich finde: Genau dieses Bild sollen die Bischöfe bei ihren Gesprächen in Rom auch vor Augen haben. Sarah Triml