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Neue Ideen, neue Wege für die Pfarre

Der Theologe Georg Plank zeigt mit seiner Initiative „Pastoralinnovation“ den Pfarren neue Wege auf, Fernstehende anzusprechen und die frohe Botschaft Jesu überzeugend weiterzugeben. Beim Pastoralen Studientag hat er seine Ideen präsentiert. „Kirche bunt“ hat bei drei Teilnehmern nachgefragt, was sie persönlich davon für ihre Arbeit mitgenommen haben.


Franz Kronister, Pfarrer von Purgstall
Das Thema „Pastoralinnovation“, das Georg Plank in seinem Buch „Rebuilt“ und beim Pastoralen Studientag vorgestellt hat, interessiert mich sehr. Diözesanweit ist mit dem Studientag ein Startschuss erfolgt; ich hoffe, es folgen noch mehr Initiativen zu dieser Thematik, z. B. in Form von Lesezirkeln und/oder diözesanweiten Treffen.
Für mich persönlich und für die Pfarre interessant finde ich verschiedene Aspekte der „Pastoralinnovation“: Im Buch wird ausführlich auf den Bereich Musik eingegangen, wie wichtig z. B. die Musik als Eingangstor in die Pfarre ist. Eine gute Band kann die Botschaft Jesu sehr überzeugend transportieren.

Wichtig ist mir auch, dass wir als Pfarre das Bewusstsein haben, dass wir nicht nur für uns selbst da sind, damit es uns selbst gut geht und wir uns in der Gemeinschaft wohl fühlen. Wir haben darüber hinaus auch einen Auftrag, nämlich auf Außenstehende und aus der Kirche Ausgetretene zuzugehen. Wir haben eine sehr gute Botschaft, die wir weitergeben sollen. Das Motto könnte lauten: Insider irritieren und herausfordern, auf Outsider zugehen! Auch Jesus ist gekommen, um das Verlorene zu suchen.

Von großer Bedeutung in diesem Zusammenhang ist auch, dass jeder Christ das Gefühl hat, mitverantwortlich für die Pfarre und die Kirche zu sein im Sinn von „Ich bin ein Teil des Leibes Christi“. Nicht nur der Pfarrer oder die Hauptamtlichen sind zuständig für das Glaubensleben, sondern jede/r Gläubige!  Was Georg Plank auch sehr gut und ins Detail gehend in seinem Buch erörtert, ist die Willkommenskultur einer Pfarre. Hier könnte ein Team dafür sorgen, dass Fremde angesprochen und willkommen geheißen werden. Es geht aber auch um praktische Details wie: Ist die Beschilderung so, dass uns auch Fernstehende finden?

Josef Pichler, Pfarrer von Groß-Siegharts
Georg Plank hat beim Studientag darauf hingewiesen, dass wir zuerst einmal die Arbeitstische abräumen müssen, um darauf arbeiten zu können. So müssen wir auch überall sonst Platz machen, wo Neues entstehen soll. Für mich heißt das zu fragen: Was wird nur noch aus Tradition gemacht und ist nicht mehr zielführend? Ich muss als Pfarrer auch nicht alles selbst machen: Was kann ich an kompetente Mitarbeiter/innen delegieren?

Der zweite Aspekt, der mich angesprochen hat, ist die Wichtigkeit, auf jene zuzugehen, die zum ersten Mal in der Kirche oder bei einer Veranstaltung sind. Auch im Rahmen der heiligen Messe kann man das machen: „Alle, die heute zum ersten Mal da sind – schön, dass ihr da seid.“
Des weiteren plane ich, eine Pfarrversammlung einzuberufen, bei der die Pfarrbevölkerung mit dem neuen Pfarrgemeinderat zusammenkommen und ihre Ideen einbringen kann. Was mir auch besonders am Studientag gefallen hat, war, dass so viele hochmotivierte Menschen zusammengekommen sind, die sich für Neuerungen in der Kirche und in der Pfarre interessieren.

 

Michaela Lugmaier, Regionalbegleiterin von Pfarren im Mostviertel West
Besonders interessant war für mich der Aspekt der Wirkung nach außen hin: Wie nehmen Außenstehende uns und unsere Pfarre wahr? Wie wirken wir auf andere? Als Beispiel dafür wurde beim Studientag u. a. die Beschilderung genannt. Durch ausreichend viele und gut sichtbare Schilder finden ja Außenstehende überhaupt erst den Weg in die Pfarre oder zum Pfarrhof/-heim bzw. zu einer Veranstaltung.
Weiters finde ich das Motto „Qualität vor Quantität“ sehr wichtig. Das bringt mit sich, dass man Dinge auf den Prüfstand stellt und darauf blickt, ob sie eigentlich noch zielführend sind. Es geht ebenso um die Unterscheidung von absolut Notwendigem und „netten“ Draufgaben. Nicht die Vorlieben, sondern vielmehr der pastorale Sinn sollte dabei im Zentrum stehen. Fragen wie „Warum tun wir das, was wir tun? Was wollen wir erreichen? Was ist unser Ziel?“ können hier hilfreich sein. Letztendlich geht es bei all dem um die zent­rale Frage: Wie können wir den Menschen erfahrbar machen, was uns ein wichtiges Anliegen ist und welche Botschaft unser Glaube für sie bereithält?

In unseren Pfarren werden viele Dinge umgesetzt. Menschen engagieren sich in vielfältiger Weise und machen doch die Erfahrung, dass manches „zurückgeht“. Mitunter ist auch Mut gefordert, sich von Liebgewordenem zu verabschieden, weil es nicht mehr greift oder ohnedies schon längst als „Belastung“ empfunden wird. Dinge loszulassen fällt jedoch nicht leicht. Das Weglassen bzw. „Ausmisten“ wird oft als Verlust und/oder „Niederlage“ in diesem oder jenem Bereich erlebt. Gleichzeitig schafft es aber – so eine zentrale Aussage des Studientages – jenen Freiraum, der für Neues, für Innovation, maßgeblich notwendig ist, damit etwas wachsen kann.

Eine solche Analyse, die das Geschehen in der Pfarre nach Zielen und Wirksamkeit prüft, ist besonders zu Beginn einer neuen Pfarrgemeinderats-Periode sinnvoll bzw. kann im Rahmen von PGR-Klausuren erfolgen. Hier sehe ich auch für meine Arbeit in der Begleitung von Pfarren eine Möglichkeit, diesen Aspekt der „Pas­toralinnovation“ in der Praxis umzusetzen.