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„Nächstenliebe betrifft jeden“

Foto: Karl Lahmer

Mit 1. Jänner 2018 treten in der Caritas der Diözese St. Pölten interne Umstrukturierungen in Kraft: Neben dem neuen Bereich „Personal und Wirtschaft“ wird auch der Bereich „Solidarität, Kommunikation und Soziales“ geschaffen, dessen Leiter wird Christoph Riedl-Daser. Der 39-Jährige stammt aus Maria Anzbach, leitete in der Diözese St. Pölten drei Jahre das Büro der Katholischen Jungschar und war fünf Jahre KJS-Bundesgeschäftsführer. Seit 2009 ist er im ORF als Religionsjournalist tätig und moderiert dort bis Ende November die Fernsehsendung „Orientierung“.

Kann man sagen, dass Sie mit Ihrer neuen Aufgabe an Ihre Wurzeln zurückkehren?

Christoph Riedl-Daser: Ja, das kann man sagen. Ich bin zwar in Wien geboren, aber als ich 16 Jahre alt war, sind meine Eltern mit mir nach Maria Anzbach übersiedelt. So bin ich in meinen Jugendjahren in die Diözese
St. Pölten hineingewachsen und habe sehr schnell bei der Jungschar angeknüpft. Dort war ich zunächst ehrenamtlich aktiv und habe dann ab 1999 hauptamtlich die Büroleitung der Jungschar in der Diözese übernommen und dann nach drei Jahren die Bundesgeschäftsführung der Jungschar Österreichs.


Sie waren seit 2007 im ORF tätig und haben u. a. die sehr anerkannte Sendung „Orientierung“ moderiert – warum haben Sie sich für diesen Wechsel zur Caritas St. Pölten entschieden?

Riedl-Daser: Ich musste nicht wechseln, das war eine freie Entscheidung. Mir geht es um Solidarität und Nächstenliebe! Ich möchte mich im Rahmen meiner Tätigkeit bei der Caritas für solidarisches Handeln stark machen. Viele Dinge, die Menschen beschäftigen und berühren, haben mit Solidarität zu tun. Mein neu geschaffener Bereich heißt ja auch „Solidarität, Kommunikation und Soziales“.


Und was kann man sich da genau vorstellen?

Riedl-Daser: Der Bereich umfasst alles, wo Spenderinnen und Spender die Arbeit der Caritas mit Zeit-, Geld- oder Sachspenden unterstützen können: zum Beispiel die Inlandshilfe, die Auslandshilfe oder auch die Pfarrcaritas – also überall dort, wo wir die Not der Menschen lindern wollen. Gemeinsam mit meinem Team, das aus 40 Leuten besteht, werden wir über das Angebot der Caritas informieren – und wir werden den vielen Geschichten der Angst und Ausgrenzung unserer Zeit andere Geschichten entgegensetzen, nämlich jene von Solidarität und Nächstenliebe. Was mich umtreibt, ist auch das Thema: Was ist solidarisch und was nicht? Dass es Unternehmen gibt, die ihre Gewinne so parken, dass sie kaum Steuern zahlen müssen – dann ist das zwar legal, jedoch unsolidarisch. Das sind Rahmenbedingungen, mit denen ich mich nicht abfinden möchte.


Was sind Ihre konkreten Ziele?

Riedl-Daser: Ein mittelfristiges Ziel ist für mich, dass der Slogan ,Caritas & Du‘ die Menschen wirklich anspricht und dass jeder fühlt: Dieses „Du“ bin ich! Die Nächstenliebe ist kein Auftrag an einen exklusiven Kreis, sondern betrifft jeden. Ob man Zeit schenkt – zum Beispiel vor Ort in der Pfarre jemanden besucht oder mit einem Kind lernt – oder eben Geld spendet, das hat immer etwas mit einem selbst zu tun. Dutzende Male steht in der Bibel: Fürchtet euch nicht! Ich verstehe das als Auftrag an jeden von uns: Fürchte dich nicht Haltung zu haben, in die Welt zu gehen und den ersten Schritt auf den Nächsten zuzumachen. Das ist für mich ein Leitmotiv. Interview: Sonja Planitzer