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Mit Sr. Ida „TAUfrisch“ unterwegs

Foto: Sarah Triml

Mit ihren 23 Jahren ist Sr. Maria Ida Vorel gegenwärtig die jüngste Schwester der Franziskanerinnen von Vöcklabruck. Als „Kind ihrer Zeit“ ist sie in den Neuen Medien zuhause und lässt andere durch den Blog „TAUfrisch unterwegs“ an ihrem Leben teilhaben.

Voll positiver Energie, mit buntem Schal, einem strahlenden Lächeln und augenzwinkernd entspannt: So präsentiert Sr. Ida sich und ihr Leben als junge Klosterschwester der Franziskanerinnen von Vöcklabruck auf dem Blog „TAUfrisch unterwegs“ (https://taufrischunterwegs.wordpress.com/). Derzeit lebt und arbeitet die 23-Jährige im „Haus Lea“ des Ordens, einem Ort für Frauen in Notsituationen, und besucht parallel dazu einen sozialpädagogischen Lehrgang.

Welchen Zugang zum Glauben haben dir deine Eltern vermittelt? Sind diese religiös?

Sr. Ida: Ich wuchs nicht religiös auf, aber der Familienzusammenhalt war sehr stark und Werte, die sich mit christlichen decken, standen im Vordergrund. Obwohl meine Mutter damals ohne Bekenntnis war, wurde ich als zweijähriges Kind getauft. Da meine Eltern während meiner Kindheit viel arbeiteten, beaufsichtigten mich zwei Schwestern der Halleiner Franziskanerinnen, die in der Pfarre unseres damaligen Wohnorts tätig waren. Sie waren wie Omas für mich, was prägend war. Zehn Jahre lang mi­nistrierte ich dann und be­suchte sieben Jahre lang Klos­terschulen. Der ständige Kontakt zu Ordensfrauen prägte meinen Weg im Glauben sehr.

Wie entstand die Idee, ins Kloster zu gehen?

Sr. Ida: Während meiner Lehrzeit suchte ich nach einem „billigen“ Urlaub. Diesen fand ich bei den Franziskanerinnen von Vöcklabruck in Form von „Kloster auf Zeit“, wobei man für  Kost und Logis täglich drei Stunden mithilft. Anfangs stellte ich klar: „Ins Kloster geh’ ich nicht!“ Aber während des zehntägigen Aufenthalts spürte ich: Das ist mein Weg. Mich begeisterten dieser Wechsel aus Gemeinschaft, Gebet, Arbeit und geistlichem Leben sowie die vertiefte Gottesbeziehung. Da ich noch ein Jahr bis zum Lehrabschluss hatte, dachte ich allerdings: „Wird schon werden... Du verliebst dich schon noch! Du bist zwar verrückt, aber so verrückt, ins Klos­ter zu gehen? Wer tut denn das?“ Aber die Beziehung zur Gemeinschaft vertiefte sich und so ging es tat­sächlich ab ins Kloster.

Du bist aktive Nutzerin der Neuen Medien. Empfindest du diese manchmal auch als Fluch?

Sr. Ida: Da ich in meinem Alltag oft nur wenige Gleichaltrige sehe, ist die österreichweite Verbindung mit anderen jungen Ordensleuten sehr wichtig. Auch klosterexterne Freundschaften bedeuten mir viel. Dennoch schaffe ich es, das Handy bei Exerzitien zehn Tage abgedreht zu lassen – ohne es zu vermissen. Generell aber halte ich Öffentlichkeitsarbeit für extrem wichtig. Ich denke, dass wir als Ordensleute auch im Internet präsent sein müssen. Hier können viele Menschen erreicht werden.

Wie entstand die Idee, einen Blog zu machen?

Sr. Ida: Diese entstand wäh­rend meines Noviziats-Praktikums in den USA. Da informierte ich meine Freunde per wö­chen­t­lichem Newsletter. Aufgrund der großen Dateigröße der Fotos war das aber umständlich, weshalb ich während eines dreimonatigen Müns­ter­-Auf­enthalts mit dem Blog begann. Meine Intention war nicht, diesen öffentlich werden zu lassen, doch eine Mitschwester teilte ihn auf Facebook. Anfangs war ich damit überhaupt nicht glücklich, da ich nun weniger private Details schreiben konnte. So änderte ich auch den Namen auf „TAUfrisch unterwegs“: Eine Kombination aus dem franziskanischen Tau, dem Unterwegssein und „frisch“, das für die Ordensjugend steht. Ich würde gerne öfter schreiben, habe aber einfach nicht die Zeit dazu. Damit der Blog entspannendes Hobby bleibt, mache ich mir keine Vorgaben. Es muss nicht zwingend monatlich ein neuer Eintrag entstehen.

Welche Zielgruppe hast du vor Augen?

Sr. Ida: Alle Menschen, die ein vollkommen seltsames Bild von Orden haben. Es ist mein Ziel, das Ordensleben im Forum Internet, das einfach das Forum unserer Generation ist, realistisch darzustellen. Deshalb schreibe ich nicht nur lustige Sachen, sondern genauso auch erns­te. Ich versuche religiöse Gedankenspiele mit meinem alltäglichen Leben zu verbinden.

In deinem Blog finden sich Berichte darüber, dass du als Nonne in der Öffentlichkeit auffällst. Ohne dass es bei den Franziskanerinnen eine strenge Kleidervorschrift gäbe, hast du dich bewusst für die Ordenstracht entschieden. Gibt es Momente, in denen du lieber in der Masse „untergehen“ möchtest?

Sr. Ida: Ja, diese Momente gibt es deshalb, weil ich durch das Ordenskleid ansprechbar bin. Oft ist das kein Problem für mich, aber manchmal werde ich verbal angegriffen, beispielsweise aus dem Nichts für die Kirchensteuer verantwortlich gemacht. Das ist anstrengend, aber zumeist entstehen daraus sehr interessante Gespräche. Grundsätzlich habe ich mich dafür entschieden, da die Tracht ein sichtbares Zeichen ist. Wenn ich Bus fahre, dann weiß ich: Ich falle auf, aber irgendetwas löst es in den Menschen aus, ein „Boah, es gibt noch junge Menschen, die glauben, die sich für diesen Weg entscheiden!“ Ich bin überzeugt, dass ich so anderen Mut mache, zu ihrem Glauben zu stehen.

Du hast die Gelübde zur Armut, ehelosen Keuschheit und zum Gehorsam abgelegt. Vermisst du es, selbstbestimmt über dein Leben entscheiden zu können? Was verstehst du unter „Freiheit“?

Sr. Ida: Das ist für mich Glaubensfreiheit, die Freiheit, miteinander diesen Weg zu gehen. Natürlich reicht es auch mir manchmal. Doch ich glaube, diesen Punkt erreicht man auch in einer Beziehung, in der Familie, am Arbeitsplatz. Dann geht es um Treue und darum, sich zu fragen, zu erinnern, warum man etwas tut. Irgendwann sieht man nämlich nur mehr das Schlechte. Das ist in einer Gemeinschaft genauso. Profess legt man nicht einmal ab, man trifft jeden Tag neu die Entscheidung: Ich will diesen Weg gehen. Ich will es versuchen.
Interview: Sarah Triml