Mit den Enkeln heute in Kontakt sein

Wenn Großeltern und Enkel weit voneinander entfernt leben, dann können der Computer und das Internet helfen, am Leben der anderen teilzuhaben. Karl-Heinz Fleckenstein lebt mit seiner Frau Louisa in Jerusalem, seine Enkel in Wien.

 Wir Großeltern von heute sind nicht mehr so, wie man sich Opa und Oma wie im Märchenbuch vorstellt: Die Oma mit Stopfzeug in der Hand, der Opa auf dem Schaukelstuhl sitzend, der den Kindern Ratschläge erteilt. Meine Frau Louisa schickt ihren Enkeln regelmäßig Nachrichten über das Handy. Wir planen mit ihnen, gemeinsam ein Konzert von „cardiac move“ zu besuchen.

Noch lange fühlen wir uns nicht als „Auslaufmodell“, meine Frau Louisa und ich. Der „zweite Frühling“ liegt noch vor uns, der in vollen Zügen mit unseren Enkelkindern genossen werden will. Obwohl wir in Jerusalem von unseren Enkeln in Wien weit entfernt sind, können wir trotzdem emotional eng mit ihnen verbunden bleiben.
Eine der einfachsten Formen der Kommunikation ist das Telefon. Das erlaubt uns, Fotos und SMS-Nachrichten zu senden, zu empfangen und am Leben unserer Kinder und Enkel teilzunehmen: wenn die drei Monate alte Naomi von der Krabbelphase zur Aufstehphase übergeht und sich das erste Mal am Tischbein hochzieht. Wenn uns der dreijährige Elias sein ers­tes Gemälde mit dem Titel „Blaues Meer“ zeigt oder wenn er mit seiner Schwes­ter im Feuerwehrauto durchs Wohnzimmer „braust“. Als Großeltern senden wir unseren Enkeln Fotos von unserem täglichen „Nordic Walking“ und erhalten Bilder von ihrer Geburtstagsfeier.
Auf Facebook schauen wir uns häufig Bilder und Links von den Enkelkindern an. Da geht uns das Herz auf, wenn wir sehen, wie Elias seinem kleinen Schwesterchen mit einer Bürste den schütteren Haarflaum kämmt und diese über die ungewöhnliche Prozedur zu weinen beginnt. Doch der große Bruder küsst ihr die Tränen weg und meint dabei: „Ist das nicht fein!“
Auch wenn über Computer zu kommunizieren nicht dasselbe ist wie ein hautnaher Kontakt, so finde ich es trotzdem gut, an der Entwicklung unserer Enkel teilzuhaben. Sie hören die Stimme von uns Großeltern. Sie wird ihnen zunehmend vertrauter. Wir können per Skype sogar miteinander spielen: Elias versteckt seinen „Stoffhundi“ in seinem Indianerzelt. Dann suchen wir mit Hilfe von Papas Handykamera in allen Winkeln des Wohnzimmer danach, bis wir ihn endlich gefunden haben. Bingo!

Die Highlights des Jahres
Manchmal verpassen wir am Abend Papas Anruf per Skype. Dann hören wir die leicht enttäuschte, fragende Stimme unseres Enkels: Oma? Opa? Oma? Opa? Sofort kommt dann unser Rückruf. Natürlich sind die Momente, die wir konkret mit den Familien unserer Kinder erleben, Highlights des Jahres. Wir freuen uns schon lange im Voraus, die Enkel endlich wiederzusehen. Vielleicht verbringen wir – so Gott will – unseren nächsten Urlaub zusammen mit ihnen.   Dr. Karl-Heinz Fleckenstein