Interview mit Bischof Schwarz

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Mein Beruf: Religionslehrerin

Foto: zVg

Die Jobaussichten für angehende Religionspädagogen sind sehr gut, da es in den nächsten Jahren eine Pensionierungswelle in der Diözese St. Pölten geben wird. Doch wie ist der Beruf Religionslehrer/in? Für „Kirche bunt“ schreiben Chris­tine Butzenlechner und Andrea Mühlberghuber über ihre Erwartungen und Eindrücke.

Christine Butzenlechner: Nach fast zwanzig Jahren, in denen ich in der Privatwirtschaft gearbeitet habe, verwirklichte ich meinen Kindheitswunsch, Lehrerin zu werden, und inskribierte an der damaligen RPA Linz das berufsbegleitende fünfjährige Studium zur Religionspädagogin. Bereits nach zwei Jahren Ausbildung kündigte ich meine Stelle als Bankangestellte und begann zu unterrichten. Das liegt nun 15 Jahre zurück und ich habe diese Entscheidung noch keinen Augenblick bereut. In dieser Zeit habe ich an verschiedenen Schulen  unterrichtet.

Zurzeit bin ich mit zehn Wochenstunden an der PVS Mary Ward in St. Pölten und mit sechs Stunden an der Volksschule in Melk tätig. Es ist schön, die Kinder auf ihrem Glaubensweg zu begleiten, mit ihnen unterwegs zu sein – ihnen in Freud’, aber auch in schweren Stunden zur Seite zu stehen. Gerade im Religionsunterricht findet man die Möglichkeit, miteinander zu sprechen, nachzudenken und zu diskutieren, die Gemeinschaft zu fördern, zu singen, zu beten, Bibelstellen zu erarbeiten, zu feiern und zu lachen – eine Religionsstunde, in der nicht zumindest einmal herzlich gelacht wird, ist eine verlorene. Weiters ist es mir sehr wichtig, alle Sinne anzusprechen, den Kindern Augen und Ohren zu öffnen für unsere wunderbare Natur, Gottes Schöpfung zu achten und achtsam und sorgsam mit den Ressourcen der Erde umzugehen. Von meiner eigenen Lebenseinstellung her habe ich es mir zum Ziel gemacht, die Kinder Zufriedenheit zu lehren – zu lernen und vorzuleben. Ich meine, das ist eine sehr wichtige Tugend. Wenn man zufrieden ist mit sich selbst, sich selbst mag und schätzt, kann man so auch mit anderen umgehen.

Wenn ich überlege, wie Religionsunterricht in zwanzig Jahren aussehen wird, habe ich Sorgen wegen schwindender Zahlen an katholischen Kindern, vor allem im städtischen Bereich, da hier schon an vielen Schulen nur mehr eine Wochenstunde zur Verfügung steht. Als belastend empfinde ich mit zunehmendem Alter den steigenden Lärmpegel und die vermehrte Bürokratie.
Ich unterrichte noch genauso gerne wie am ers­ten Tag: damals, als ich meine ersten Stunden an der VS St. Margarethen absolvierte, ein wenig aufgeregt und unsicher; heute mit einer gewissen Routine, aber immer noch mit Freude und mit großem Engagement. Belohnt werde ich immer wieder von Neuem durch die leuchtenden Kinderaugen, die sich auf den Religionsunterricht freuen.

 

Andrea Mühlberghuber: Wie ist es zu meiner Entscheidung gekommen, Religionspädagogik zu studieren? Ich wusste immer schon, dass ich mit Menschen, vor allem Kindern und Jugendlichen arbeiten möchte. Nach meiner Ausbildung zur Kindergartenpädagogin habe ich den Schritt gewagt und mich für das Studium an der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz angemeldet. Der Slogan des Instituts Ausbildung für Religionslehrer/-innen bringt meine persönliche Motivation sehr deutlich auf den Punkt: „Was werden, wo’s ums Leben geht!“

Ja, genau deshalb bin ich so begeistert von meinem Beruf! Ich darf mit Kindern und Jugendlichen über den Sinn und Wert des Lebens sprechen. Auch darüber, wie wir mit der uns anvertrauten Welt umgehen sollen. Oft ist es eine Herausforderung, auf sehr konkrete und spannende Fragen der SchülerInnen einzugehen. Dabei reflektiere ich meinen eigenen Glauben und sehe dies als Chance an, daran zu wachsen. Ich sage immer: Man lernt nie aus. Das ist wohl unsere lebenslange Aufgabe! 

Es bereitet mir große Freude, mit den mir anvertrauten Kindern kreativ und unterhaltsam zu arbeiten, mit ihnen über unseren Glauben zu sprechen, gemeinsam nachzudenken, zu fragen, zu singen, still zu werden und lernen, „mit dem- Herzen zu sehen“. Meine Aufgabe sehe ich auch darin, sie zu fördern und sie ein Stück weiter auf ihrem Weg zu eigenständigen, ehrlichen und mutigen Menschen zu begleiten, dass sie für ihr Wort und sich selbst treu einstehen. Ich möchte ihnen von einem gütigen, barmherzigen, geduldigen, verzeihenden, liebenden, zärtlichen Gott erzählen, von einem Gott, der uns annimmt mit all unseren Gefühlen der Angst, Unlust und Traurigkeit, aber auch mit unserer Freude und unserem Übermut.

Was wünsche ich mir, wenn ich in einigen Jahrzehnten in Pension gehe, was die SchülerInnen über mich sagen? Was sie über mich sagen, bleibt ihre Sache. Aber mir ist wichtig, dass die SchülerInnen merken, dass Religion nicht altmodisch, sondern gerade in der heutigen Zeit sehr aktuell ist. Ich wünsche mir für sie, dass sie dazu stehen, ChristIn zu sein und dass Jesus in ihrem Leben eine Rolle spielt. Dass sie einen Glauben haben, der ihnen im Leben Stütze ist.