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Medien? Aber klar!

Foto: Rathner, Bildungshaus St. Hippolyt

Der bekannte Pädagoge und Autor Jan-Uwe Rogge hielt im Bildungshaus St. Hippolyt einen Vortrag über den Umgang mit Medien in der Familie. Er trat für eine entspannte Handhabung ein und gab praktische Tipps für den Alltag.

Kinder und Jugendliche leben in einer von Medien geprägten Umwelt: Das Fernsehen fasziniert ebenso wie die weite Welt des Internet am Handy, Computer oder Tablet. Wir Erwachsene sind von den Angeboten, die über die Medien zu unseren Kindern kommen, nicht immer angetan. Außerdem scheinen die Kinder mitunter regelrecht in der virtuellen Welt zu versinken, eine solche Faszination üben die digitalen Möglichkeiten aus.  Daraus resultieren nicht selten Verunsicherung der Eltern und Konfliktpotenzial zwischen den Eltern und ihrem Nachwuchs.

Dr. Jan-Uwe Rogge ist seit mehr als 30 Jahren als Familienberater tätig. Er promovierte zum Thema Kindermedien und schrieb bereits im Jahr 1985 ein Buch über das Thema, noch mit einem Schwerpunkt auf Fernsehen und Videospielen. Die Angst vor neuen Medien kann er aber noch weiter zurückverfolgen: Im Jahr 1782 habe es eine Lese-Sucht-Debatte gegeben, die tatsächlich in der Forderung gipfelte, man solle Kindern das Lesen verbieten. In den Jahren 1890 bis 1920 sei die Frage öffentlich diskutiert worden, ob Kino süchtig machen könnte. In den 1950-er Jahren seien Comics in vielen Familien verpönt gewesen.

Jan-Uwe Rogge hielt am 25. Jänner 2017 im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten einen Vortrag zum Thema „Medien? Aber klar!“. Er ortete die gleichen Fragen, die man sich schon vor Jahrhunderten und Jahrzehnten gestellt hat, auch im Umgang mit Smartphone und Internet und trat gleichzeitig für einen entspannten Umgang mit Medien innerhalb der Familie ein. Im Letzten gehe es dabei um die Eltern, die den Umgang mit Medien vorleben, und nicht so sehr um die Kinder. „Medien sind wichtig, sogar der US-Präsident twittert“, sagte Rogge mit einem Schmunzeln. Kinder müssten den Umgang mit Medien erst lernen – und Fehler machen gehört dazu. Sie bräuchten Eltern, die dabei ein Vorbild sind und sie begleiten, so Rogge. Medien sind auch ein Beziehungsthema: Kinder fordern ihre Eltern gerne heraus und tes­ten Grenzen aus. Wenn ein Kind merkt: „Damit bringe ich Mama auf die Palme!“, wird es dieses Wissen mitunter auch einsetzen.

Auf die Frage nach der Dauer von Medienkonsum antwortete der Pädagoge: „Ich weiß es nicht.“ Das wichtigste sei, immer nach den Gründen zu fragen: Warum nützt mein Kind das Smartphone? Warum sitzt es am liebsten stundenlang vor dem Computer? Es gebe zwei Gruppen von Nutzerverhalten: Die erste findet Medien spannend, hat außerdem aber viele Freunde, spielt gerne, ist gerne draußen. Das Computerspiel ist immer wieder auch uninteressant. Die zweite, wesentlich kleinere Gruppe sieht Medien als Ersatz für eine Umwelt, die zu wenige und falsche Anregungen bietet. Medien-Missbrauch sei eigentlich der Ausdruck von anderen Bedürfnissen. Wichtig ist es daher, so Rogge, Alternativen zur virtuellen Welt zu bieten: Naturerlebnis, Spiel, Freunde, Sport usw. „Verbote helfen nicht“, ist Rogge überzeugt. Zwar sollte es Konsequenzen aus Regel-Verletzungen geben, aber kein generelles Verbot.
Einen konkreten Tipp hat der Erziehungsexperte noch für den Familienalltag: Eltern könnten ihrem Kind Kupons (z. B. 30-Minuten-Kupons) für eine Woche geben, die dann vom Kind eingelöst werden können. So kann das Kind den Überblick behalten und auch einmal ein längeres Spiel spielen. Patricia Harant