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Marienfrömmigkeit in einem jungen Kleid

Foto: Stift Zwettl

Maiandachten haben eine vergleichsweise kurze Geschichte. Die zugrunde liegende Glaubenshaltung gehört dagegen zum Grundbestand kirchlicher Überlieferung und ist so alt wie das Christentum selbst.

Im kirchlichen Festkreis haben die einzelnen Monate für gewöhnlich keine besondere liturgische Prägung. Zwei Monate sind jedoch besonders hervorgehoben: der Mai als Marienmonat und der Oktober als Rosenkranzmonat und als Monat der Weltkirche. Der Mai überschneidet sich zumindest teilweise mit der Osterzeit. Spätestens nach den Eisheiligen erreicht der Frühling seinen Höhepunkt. Nicht zuletzt gilt der Mai auch als Monat der Verliebten.

Maiandachten gab es schon im Mittelalter, etwa im Rheinland. Ihr Hauptinhalt war aber nicht so sehr die Gottesmutter Maria, sondern die Verehrung des Kreuzes und das Gedenken an die Erlösung durch die Auferstehung Jesu. Vielerorts waren sie zugleich Bittandachten um eine gute Witterung.

Umso mehr mag es erstaunen, dass Maiandachten offiziell erst vor zwei Jahrhunderten Eingang in die Liturgie gefunden haben. So gewährte Papst Pius VII. 1815 und 1822 einen Ablass auf die Teilnahme an Maiandachten. Es war eine Zeit religiöser Erneuerung nach der Aufklärung und der politischen Neuordnung Europas. Überhaupt war das 19. Jahrhundert in der Kirche von einem Erstarken der Marienfrömmigkeit geprägt, nicht zuletzt durch die Verkündung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis Marias durch Papst Pius IX. am 8. Dezember 1854. Bald danach waren Maiandachten „als bedeutendste marianische Andachtsform der Epoche“ überall eingeführt, vermerkt das „Lexikon für Theologie und Kirche“. Tägliche Maiandachten wurden in Wallfahrtsorten und Städten zur Regel. Die „Maipredigten“ dienten auch der Glaubensunterweisung, und nicht wenige Geistliche brachten ihre Predigten im Druck heraus. Heute sind die Maiandachten oft „hi­nausgewandert“ in die Filialkirchen und Ortskapellen, in die Natur und zu den Menschen.

Marias einzigartiger Glaube

Marienverehrun ist so alt wie die Kirche selbst. Maria ist „voll der Gnade“, wie der Engel Gab­riel bei der Verkündigung der Geburt Jesu sagt (Lk 1,28) – eine Seligpreisung, die vor allem ihre Erwählung durch Gott als Mutter des Erlösers Jesus Christus zum Ausdruck bringt. Vor allem der Evangelist Lukas hat durch seine breit ausgestalteten Erzählungen um die Geburt Jesu viele Anstöße für die Marienverehrung gegeben. Maria ist aber nicht bloß punktuell im Leben Jesu gegenwärtig. Sie geht mit ihm, bleibt bis zum Kreuz – und sie ist auch zu Pfingsten, in der Geburtsstunde der Kirche, bei den Aposteln.

Eines der schönsten Worte Marias findet sich im Johannesevangelium beim ersten Wunder Jesu, der Hochzeit zu Kana: „Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2,5). Darin wird ihr Glaube spürbar, sich in allen Lebenssituationen an Jesus zu wenden und von ihm das Unmögliche – wie eben die Wandlung von Wasser in Wein – zu erhoffen. So ist es nur konsequent, wenn der Katechismus der katholischen Kirche über die Marienverehrung sagt: „Was der katholische Glaube von Maria glaubt und lehrt, gründet auf dem Glauben an Chris­tus, es erhellt aber auch den Glauben an Chris­tus“ (Nr. 483).
In Maria ist nicht das Heil. Aber sie ist Tür, Weggefährtin, Vorbild und Begleiterin. Theologen und Beter, Mystiker und Dichter sind nicht müde geworden, Marias einzigartige Aufgabe in der Heilsgeschichte auszudeuten. Blumen und Blüten symbolisieren Maria in ihrer Gnadenfülle, so wird sie als die schönste aller Blumen, als Rose ohne Dornen besungen. Schlager