Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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Klostergärten: Abbilder der Schöpfung

Foto: Stift Seitenstetten

Die Gärten der Stifte und Klöster in Niederösterreich laden ein zum Staunen und Verweilen! Kirche bunt stellt einige Gärten in einer Serie vor.

Zu Klöstern hat immer ein Garten gehört“, sagt Altabt Berthold Heigl vom Stift Seitenstetten. Abgegrenzte, umfriedete Bereiche, die Abbilder der Schöpfung im Kleinen sind. Schon die Regel des heiligen Benedikt besagt, dass sich alles Notwendige innerhalb der Klostermauern befinden soll. „Im Laufe der Zeit wurden aus Erfahrung spezielle Kenntnisse entwickelt, von Heilkräutern bis zur ganzen Vielfalt der Schöpfung. Klös­ter waren immer Vorreiter.“ So wissen zum Beispiel wenige, dass im Klos­tergarten bereits 1621 Kartoffeln angebaut wurden – im Großteil Europas begann der Anbau erst etwa hundert Jahre später! Sogar Anwendungen und Rezepte aus dieser Zeit finden sich im Stiftsarchiv.

Im Stift Seitenstetten gibt es zwei Gartenanlagen: im Westen den baro­cken Hofgarten neben dem alten Meierhof, der 1996 zur Tausendjahrfeier Österreichs revitalisiert wurde, und an der Ostseite einen Park innerhalb der Klausur mit jahrhundertealtem Baumbestand. Dieser ist ein eher stiller Bereich zur Erholung des Konvents.

Während der Renovierung von Stift und Meierhof (1985-93) stellte sich die Frage: Was soll mit dem Barockgarten geschehen, der vergessen und verträumt zwischen den beiden Gebäudekomplexen liegt? Der damalige Abt Berthold erinnert sich an „schöne Fügungen“: Ursula Haller, eine Hobbygärtnerin und Spezialistin für his­torische Rosen, hat Überlegungen zur Revitalisierung angestellt. Sie hat dazu sogar die alten Pläne des Barockgartens im Archiv des Stiftes entdeckt und ein Konzept entwickelt mit dem Fokus Rosengarten.
Im Ostarrichi-Milleniumsjahr 1996 sollten die Klöster eigene Schwerpunkte setzen – wofür es Förderungen von Land und Bund gab. Das Stift Seitenstetten brachte die Revitalisierung des Hofgartens als Projekt ein. Zu Ostern 1996 konnte der Garten schließlich eröffnet werden.

„Auch bei der Revitalisierung von Klostergärten war Seitenstetten Vorreiter in Österreich“, sagt Altabt Berthold und macht auf den Unterschied zur Renovierung von Gebäuden aufmerksam: „Das Gebäude verfällt wieder, der Garten wird noch schöner!“
Auch der Hofgarten birgt mehrere Gärten in sich, die im Laufe der Jahre dazugekommen und gewachsen sind. Da ist zuerst der nach Originalansichten, so genannten Veduten aus dem Stifsarchiv rekonstruierte Schaugarten, wie er  mit seiner symmetrischen Anlage zur Barockzeit üblich war. Daneben liegt der Nutzgarten, der immer auch schon zur Versorgung des Stiftes mit frischem Obst und Gemüse sowie verschiedenen Kräutern gedient hat. Bei der NÖ Landesausstellung „Feuer und Erde“ 2007 war das Stift Seitenstetten ein Partner mit der Station „Rast im Garten“ mit Jausengarten, Plaudergarten, Urlaubsgarten und Schulgarten, die alle bis heute bestehen und gedeihen.

Altabt Berthold dreht jeden Abend im Hofgarten seine Runden. „Der Garten ist mein Lieblingsprojekt und Hobby. Die Liebe zur Natur wurde mir in die Wiege gelegt.“ Auf seine Ini­tiative wurde im Garten ein Rosenkranz-Labyrinth mit Buchskugeln und Lourdes-Rosenstöcken angelegt. „Ich gehe immer den Labyrinthweg nach innen, ein Weg zur Mitte, um zu mir zu kommen.“
Zum 900-Jahr-Jubiläum des Klosters 2012 wurde nach altem Vorbild ein weiterer Garten angelegt: ein hortus conclusus mit traditionellen Klosterkräutern. Dieser „verschlossene Garten“ ist auch ein Symbol für die Jungfräulichkeit Mariens. Die  ursprünglichen, alten Klostergärten wurden als „Paradiesgärtlein“ angelegt: 22 Beete mit insgesamt ca. 250 verschiedenen Pflanzen sind in Walahfrid Strabos (ca. 808 – 849) Werk „Buch über die Kulturen und Gärten“ genau beschrieben. Demnach soll im Garten zu jeder Zeit etwas Blühendes, etwas Duftendes, etwas Heilendes und etwas Essbares vorhanden sein.

Benediktinische Gastfreundschaft

Altabt Berthold hat von Anfang an Wert darauf gelegt, dass der Hofgarten frei zugänglich ist: „Das ist ein Ausdruck unserer benediktinischen Gastfreundschaft.“ So kommen zu den beliebten Gartentagen jedes Jahr über 10.000 Besucher. Der Leiter des Hofgartens, Stefan Kostenhofer aus Weist­rach, bietet regelmäßig Gartenakademien zu verschiedenen Fachthemen an und hat die Anlage auch für Schulen geöffnet. Mich freut, wenn man sieht, dass es ein Ort ist, wo die Menschen sich wohl fühlen“, sagt Altabt Berthold. „Ich habe im Garten noch nie ein trauriges Gesicht gesehen.“ Markus Riccabona

Die nächsten Termine: Am 6. August gibt es im Historischen Hofgarten ab 13.30 Uhr eine Führung. Und am 7. August wird dort ab 20 Uhr zur Vollmondnacht geladen.