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Herbergsuche bei Most, Brot und Äpfeln...

In der Pfarre Oed im Mostviertel bilden neun Familien seit über fünf Jahrzehnten eine Herbergsuch-Runde, die sich Jahr für Jahr an neun Abenden immer in einem anderen Haus zu adventlichem Gebet und Gesang trifft – zum Innehalten in der „stillen Zeit“ vor dem Fest der Geburt des Erlösers. Und das traditionell in aller Einfachheit.

Man merkt, es kommt wieder Weihnachten. Der Advent ist da, die Zeit der Vorbereitung auf das große Fest. Lichterglanz in vielen Gärten, Adventmärkte landauf, landab, hektisches Treiben in den Einkaufszentren. Vielerorts aber auch Ruhe und Besonnenheit. Gerade das erleben wir in der Pfarre Oed im Mostviertel. Es ist kalt draußen. Im Vorraum des Anwesens der Familie Hackl in der Rotte Schmitzberg türmen sich die Jacken und Mäntel. In der Stube „dampft“ es förmlich. Rund 25 Personen sind heute gekommen. Es ist Zeit der Herbergsuche.

Die „Schmitzberger Herbergsuchrunde“ beginnt wieder ihre jährliche Tradition, die Jahr für Jahr an neun Abenden in neun Familien durchgeführt wird. Und das seit über 50 Jahren. Im Vorjahr wurde Jubiläum
gefeiert mit einem feierlich gestalteten Gottesdienst in der Pfarrkirche, zelebriert vom örtlichen Pfarrer Rupert Grill. Die Herbergsuch-Abende finden ohne Pfarrer statt. Organisiert von den jeweiligen Familien. „Das Erfolgsrezept unserer Gebetsrunde liegt in der Einfachheit der Gestaltung des Gebetes und der Verpflegung der Gäste“, so Roland Holm, Abteilungsleiter eines Büromöbelherstellers. Äpfel und Brot für den Hunger, Most und Schnaps zum Trinken, für die Kinder Saft.

Selbstverständlich steht das Gebet im Vordergrund, auch wenn es nicht „ewig“ dauert. Es ist sieben Uhr am Abend. Der Mostkrug, der zur Begrüßung kredenzt wurde, verschwindet jetzt vom Tisch. Nun hat der Hausherr das Sagen, er übernimmt immer die Aufgabe des Vorbeters: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes...“ Es folgen fünf Gesetzchen vom Freudenreichen Rosenkranz, dann eine Litanei. Zum Abschluss wird ein Adventlied gesungen. Spielt in der Familie jemand ein Instrument, gibt es auch instrumentale Begleitung. Ein zusätzliches Vaterunser betet die Runde, wenn im vergangenen Jahr jemand aus dem Haus verstorben ist.
Die Gestaltung des Abends obliegt der jeweiligen Familie, bei der man sich trifft. Im Grunde aber ist alles 50 Jahre lang gleich geblieben. Erst in den letzten Jahren wurden von der jüngeren Generation neue Gebetsheftchen besorgt und man versucht, auch modernere Gestaltungselemente einfließen zu lassen. Was sich aber überhaupt nicht verändert hat: Nach dem gemeinsamen Gebet das gemütliche Beisammensitzen bei Most, Schnaps, Äpfeln und Brot. Die Erwachsenen trinken ohne Ausnahme aus einem Mostkrug, der in der Runde herumgereicht wird. Gläser sind überflüssig. Auf diese Einfachheit ist man stolz in Oed. Es gibt auch keine Weihnachtsbäckerei. „Denn wenn’s beim Ersten Kekse gibt, kocht der Nächste Würstel und bald werden die ersten Schnitzel gebacken.“ Und das will hier keiner. „Uns ist ganz wichtig, es soll nicht der große Aufwand dahinter stehen“, sagt einer in der Runde. „Denn wenn jeder die Verpflichtung hat, er muss etwas Besonderes machen, mehr machen und noch mehr machen, dann hört es sich wieder auf.“

Es sind seit 50 Jahren die selben Familien, die sich immer ab dem 8. Dezember an neun Abenden treffen – manche schon in der vierten Generation. Bei jedem Gebetsabend sind Mitglieder aus allen Familien vertreten. „Weniger als 15 Leut’ waren wir nie“, erinnert sich einer der „Alten“. Oft sind es bis zu 30, die zusammenkommen. Als „Kirche bunt“ zu Besuch sein durfte, war Katharina Fuchs mit sechs Monaten die Jüngste in der Runde,  den „Altersvorsitz“ hatte der 88-jährige Franz Fuchs. Er ist seit 1966 Mesner im Ort. Vertreten sind die verschiedensten Berufe, vom Landwirt über den Eisenbahner bis zum technischen Angestellten, Mechanikermeister, der Krankenschwester, dem Straßenarbeiter oder Pensionisten. Erfreulicher Weise stets mit dabei: die jüngere Generation.

Die kuriose Sitzordnung


Eine Kuriosität der Schmitzberger Herbergsucher ist wohl die Sitzordnung in der Stub’n. Rund um den Tisch sitzen ausschließlich die „Herren der Schöpfung“. Den Frauen ist die „zweite Reihe“ vorbehalten. So ist es halt in Oed. Als Diskriminierung sehen die Damen das aber keinesfalls. Es sei halt so Tradition. „Das Schöne an unserer Runde ist, dass es sie noch immer gibt, dass sie vielen Leuten, egal ob alt oder jung, Freude bereitet und dass sie uns die Möglichkeit bietet, in dieser stressigen Vorweihnachtszeit etwas zur Ruhe zu kommen und inne zu halten“, sagt eine der Teilnehmerinnen, die schon lange dabei ist. „Da merkt man, es kommt wieder Weihnachten.“    
F. Bertl

 

 

Zur Geschichte

In der Pfarre Oed gibt es insgesamt zwei Herbergsuchrunden. Die ältere der beiden ist die Schmitzberger Herbergsuchrunde. Sie wurde vor über 50 Jahren von Maria Rosenberger und Theresia Dorn ins Leben gerufen. Der Ursprung lag in Blindberg. Am 13. Dezember 1966 fand im Hause Gruber in Blindberg die erste Herbergsuche statt. Von der Familie Gruber stammt auch die Marienstatue, die von einer Familie zur nächsten weitergegeben wird. Im letzten Haus verbleibt sie bis Mariä Lichtmess.