Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

Geistliche Berufung – Gottes Ruf hören und ihm folgen

Berufung ist der Ruf Gottes an jeden Menschen – doch manchmal ruft Gott Menschen zu einer engeren Nachfolge. Kirche bunt fragte in der Diözese Menschen, wie sie ihre Berufung erfahren haben.

Am Sonntag, 7. Mai 2017, begeht die katholische Kirche den 54. Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Seit mehr als 50 Jahren wird damit weltweit am vierten Sonntag der Osterzeit daran erinnert, dass die Sorge um den Nachwuchs und um geistliche Berufungen eine gemeinsame Sorge von Bischöfen, Pries­tern und Laien darstellt. In Österreich wird der Weltgebetstag traditionell mit zahlreichen vom Canisiuswerk initiierten Veranstaltungen, Gottes­diens­ten und Wallfahrten begangen. So lädt das Priesterseminar der Diözese St. Pölten am 7. Mai zu einer Fußwallfahrt mit Weihbischof Anton Leichtfried nach Maria Taferl ein. Treffpunkt ist um 8.30 Uhr an der Schiffsstation Marbach/Donau. Um 10 Uhr findet in der Basilika der Wallfahrtsgottesdienst statt.

Der Weltgebetstag steht heuer unter dem Motto ,,Sei mutig“. Und Mut braucht man gewiss, wenn man seiner Berufung folgt. Gott ruft – und das oft auf sehr unterschiedliche Weise: durch Menschen, durch Zufälle oder vielleicht durch einen inneren brennenden Wunsch. Diesen verspürte z. B. auch Pater Andreas Tüchler. „Ich habe meine Berufung schon in meiner Kindheit gefühlt“, erzählt der junge Pater. Bereits im Kindergarten in Bad Traunstein habe er Pfarrer „gespielt“. Als junger Mann erlernte Tüchler zunächst den Beruf des Malers und Anstreichers. Das Interesse und der Wunsch nach einem geistlichen Beruf aber blieb in all den Jahren wach. Und mit 22 Jahren schließlich trat Andreas Tüchler in das Benediktinerstift Seitenstetten ein. Dort ist er heute u. a. als Gastmeister und Abtsekretär tätig und unterrichtet daneben Religion an  der NMS Allhartsberg.

Auch Christoph Hofstätter aus Hofamt-Priel entschied sich im zweiten Bildungsweg für seine geistliche Berufung. Der heute 36-Jährige erlernte zunächst den Beruf des Tischlers und dann den des Technischen Zeichners. Mit 27 Jahren schließlich begann er das Theologiestudium – zunächst mit dem Ziel, Religionslehrer zu werden. „Für mich war es aber immer eine Option, Priester zu werden. Ich habe immer dieses innere Brennen gespürt und das hat mit der Zeit nicht nachgelassen, sondern sich eher noch verstärkt“, erklärt Hofstätter seinen Eintritt in das Priesterseminar St. Pölten. Derzeit absolviert der Seminarist in der Pfarre Langenhart ein Praktikum. Am 29. Juni wird er zum Diakon geweiht.

Auch Sr. Maria Johanna von der Menschwerdung vom Karmel Maria Jeutendorf spürte schon als Jugendliche, dass sie einen besonderen Zugang zu Gott hatte. „Er war mir so vertraut und nahe. Ich spürte auch, dass er etwas mit mir ,vorhat‘“, und es war mir klar, dass es für ein Leben genügen könnte nur auf Ihn zu schauen.“ Bis Sr. Maria Johanna in den Karmel eintrat, dauerte es noch einige Jahre. Doch in diesen wuchs ihre Beziehung und ihr Vertrauen zu Jesus Christus. „Ich begriff, dass es Gott absolut gut meint mit mir und ich konnte meine Ängste vor einem Leben im Kloster loslassen. In einer großen inneren Klarheit habe ich dann die Berufung zum kontemplativen Leben erkannt und bin mit 26 Jahren in den Karmel von Maria Jeutendorf eingetreten.“

Den Ruf Gottes hören

Oft ruft Gott durch Menschen, die einen ansprechen oder am Lebensweg prägen. So erging es KR Emmerich Pfeiffer, der heute den Pfarrverband Böheimkirchen-Kirchstetten-Totzenbach-Maria Jeutendorf leitet. Seine gläubige Mutter, die mit 37 Jahren an Krebs starb, und sein Onkel, der Missionar in Brasilien war, haben ihn zu seiner Berufung hingeleitet. Großen Anteil hatte aber auch der damalige Dechant in seiner Heimat – in Haselbach im Waldviertel. „Er hat mich sehr begeistert und er hat mir gesagt: ,Entweder wirst du Pfarrer oder Dechant‘“. Er hatte Recht: Heuer sind es 50 Jahre, dass Pfarrer Emmerich zum Priester geweiht wurde.
Sein Kaplan, Kingsely Uzor, erlebte seine Berufung in seiner Heimat Nigeria. „Eigentlich wollte ich Arzt werden, aber als ich als Zehnjähriger in unserem Nachbarort eine Primiz erleben durfte, da war das so ein großes und beeindruckendes Erlebnis. Es war, wie wenn ich ein zweites Mal geboren worden wäre. Ich bin nach Hause gegangen und habe meinen Vater gesagt: ,Ich werde Priester.‘ Und diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut.“
Auch Bischof Klaus Küng wollte eigentlich Arzt werden und eine Familie gründen. „Ich studierte Medizin und war für ein Gastsemester in Wien, als ein Student mich zu Besinnungstagen eingeladen hat; ich hatte vorher nur einmal in der Schule Exerzitien gemacht, übrigens gemeinsam mit meinem Schulkollegen Erwin Kräutler. Damals dachte ich mir danach, ,sowas brauche ich nicht mehr‘.

Keine „gmahte Wiesn“

Die Besinnungstage in Wien waren für den jungen Klaus Küng anders. „Sie haben mich sehr angesprochen und ich bin in der Folge zu einer tieferen Beziehung zu Jesus gekommen. In den Monaten danach versuchte ich dann, diese Glaubensbeziehung im Alltag umzusetzen. Die tatsächliche Entscheidung zur Ehelosigkeit und die Anfrage ,Wäre das nicht etwas für dich?‘ kamen später.“ Nach einer Wanderung durch Niederösterreich, die Wachau und zu verschiedenen Stiften und Ortschaften sei sein Entschluss zur Nachfolge gereift, so Küng. Es wäre keine „gmahte Wiesn“ gewesen und sei ihm nicht leicht gefallen. „Aber mit jedem Schritt habe ich nach und nach immer mehr Freude empfunden; das ist bis heute so.“


Bei Sr. Beatrice Heigl war es auch eine Frage, die sie in den Orden der Franziskanerinnen eintreten ließ. Doch zu­nächst sah es im Leben der jungen Frau gar nicht nach Ordensleben aus, denn als sie im Rahmen ihrer Ausbildung bei der Post nach St. Pölten übersiedeln musste und von ihrem Vater vorübergehend bei den Franziskanerinnen an der Dr. Karl-Renner-Promenade untergebracht wurde, war Elke Heigl, wie Sr. Beatrice mit Taufnamen hieß, eher rebellisch. „Ich wollte es den Schwestern zeigen und habe mich ganz schwarz gekleidet“. Beeindruckt habe das die Schwestern damals allerdings nicht. Irgendwann begann die junge Frau sich bei den Franziskanerinnen wohl zu fühlen, ging morgendlich zur Laudes und nahm an den Gebetsrunden teil.

„Ich habe dich gerufen…“

Ihre Entscheidung fiel, als sie an Exerzitien teilnahm und den Impuls zu Jesaja 43,1 hörte „Ich habe dich gerufen…” „Das hat mich nicht mehr losgelassen“, erinnert sich Sr. Beatrice. Und als am Ende der Exerzitien der Pater ihr seinen Segen gab und sagte „Trage deine Botschaft weiter…“ – da wusste die junge Frau, was sie wirklich wollte. Sie trat – zunächst gegen den Willen ihrer Eltern – wenige Tage nach ihrem 19. Geburtstag in den Orden ein. Heute lebt Sr. Beatrice Heigl in der Zwettler Filiale der Franziskanerinnen und ist Pas­toralassistentin im Pfarrverband Arbesbach-Groß Gerungs.

Bei Thomas Resch war es ein Gespräch, das ihn zu seiner Berufung als Diakon führte. Schon früh habe ihn seine christlich und pfarrlich engagierte Familie, die Heimatpfarre Böhlerwerk und die über die Pfarrgrenzen hinaus gehende Jugendpastoral geprägt. Entscheidend für Resch war aber in den 1980er-Jahren eine Reise nach Taize in Südfrankreich. Dort lernte er den Begründer Frere Roger persönlich kennen und sprach mit ihm über sein Anliegen, das ihm im Herzen brannte: „Ich bin auf der Suche nach meinem Platz in Gesellschaft, Staat und Kirche.“ Die Antwort Frere Rogers – „egal, was Du wirst, an dem Platz an dem du stehst und lebst, bist du als Christ berufen“ – sei für ihn, so Thomas Resch, befreiend und ermutigend gewesen. Seinen Platz hat der verheiratete Vater von vier Kindern gefunden. Seit Jahren ist er in seiner Heimatpfarre als Diakon tragend in der  Pfarrpastoral tätig und seit 2014 ist er der Referent für die Diakone der Diözese St. Pölten.     Sonja Planitzer