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Gebet um Einheit im Jubiläumsjahr der Reformation

© epdUschmann / FlickR CC by-SA 2.0. Link zur Lizenz

Vom 18. bis 25. Jänner beten Gläubige in aller Welt um die Einheit der Christen. Die „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“ steht heuer im Zeichen des Gedenkens an den Beginn der Reformation und Glaubensspaltung vor 500 Jahren. Das Thema lautet: „Versöhnung – die Liebe Christi drängt uns“.


Zwei Akzente stehen heuer in der Weltgebetswoche im Vordergrund: „Zum einen soll es um die Feier der Liebe und Gnade Gottes gehen, der den Menschen allein aus Gnade rechtfertigt.“ Damit werde zugleich dem Hauptanliegen der Kirchen, die durch die Reformation Martin Luthers geprägt sind, Rechnung getragen, betont der Weltkirchenrat. Zum anderen „soll der Schmerz angesichts der tiefen Spaltungen, die aus der Reformation folgten, benannt und Schuld offen bekannt werden“. So werde „die Möglichkeit eröffnet, Schritte auf dem Weg der Versöhnung zu gehen“. In die Vorbereitungen der ökumenischen Arbeitsgruppe ist auch das Apostolische Schreiben „Evangelii gaudium“ („Die Freude des Evangeliums“) von Papst Franziskus eingeflossen.

Die Ökumene-Weltgebetswoche steht heuer auch in Rom im Zeichen von 500 Jahre Reformation. Höhepunkt ist die Abschlussvesper mit Papst Franziskus in der Basilika St. Paul vor den Mauern am 25. Jänner, dem Fest der Bekehrung des Apostels Paulus. Mit der Erarbeitung der Texte für die diesjährige Feier hatten der Vatikan und der Weltkirchenrat (ÖRK) die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) beauftragt. Die Woche steht ganz im Zeichen des Gedenkens „500 Jahre Reformation durch Martin Luther“. Der 500. Jahrestag der Veröffentlichung der 95 Thesen durch Martin Luther wird als „Schlüsselereignis der Reformationsbewegung“ bezeichnet, „die das Leben der Kirche des Westens über Jahrhunderte prägte“. Die „Konzentration auf den Kern des christlichen Glaubens, Jesus Christus und sein Werk der Versöhnung“ soll es der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche, Baptisten, Methodisten, Mennoniten u. a. ermöglichen, sich an den Feiern zum Gedenken der Refor­ma­tion zu beteiligen.

Ende konfessioneller Polemik

Zugleich wird auf das 2013 erschienene Dokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ der lutherisch-katholischen Dialogkommission verwiesen. „Heute können wir konfessionelle Polemik von den theologischen Einsichten der Reformation unterscheiden, und das ermöglicht es Katholiken, Luthers Anfragen für die Kirche heute zu hören und ihn als ‚Zeugen des Evangeliums‘ anzuerkennen“, so der Text, der in allen Diözesen der Weltkirche als Grundlage für die Durchführung der Gebetswoche für die Einheit der Christen dient.

Großereignisse wie das Luther-Jahr haben immer eine gewisse Tendenz zur Vermarktung. Da ist die „Luther-Socke“ mit dem eingewobenen Schriftzug „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ noch vergleichsweise originell. Es gibt aber auch „Luther-Bier“ und den Reformator als Playmobil-Figur. Dass auch die evangelische Kirche Produkte dieser Art vertreibt, ist für den evangelischen Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann nicht hinnehmbar. Eine gewisse Mitschuld treffe dabei den Reformator selbst, der „sein stillschweigendes Einverständnis zu der bildpolitischen Vermarktung gab“. Kaufmann stellt eine Vorbildrolle Luthers für die Gegenwart in Frage. An seiner Gestalt werde jedoch deutlich, „welche Rolle Religion politisch und gesellschaftlich spielen kann, im Guten wie im Schlechten“.

Im Gedenkjahr 2017 legt das Augsburger Fugger- und Welsermuseum einen Schwerpunkt auf die Kritik Martin Luthers am Wirtschaftssystem seiner Zeit. Der Reformator hat vehement gegen die Ablassgeschäfte und Monopole der Augsburger Fugger und anderer Handelsgesellschaften protestiert. Zum 500-Jahr-Gedenken des Reformationsbeginns geht auch ein „Pop-Oratorium“ auf Tournee. Auf „Luther – Das Projekt der tausend Stimmen“ bereiten sich bis zu 20.000 Sänger vor. Die Lutherstadt Wittenberg bereitet sich auf den Ansturm von rund 500.000 Besuchern in diesem Jahr vor. Ein Ausstellungs-LKW wird „Reformationsstädte“ in 19 Ländern Europas besuchen. Drei „nationale Sonderausstellungen“ in Berlin, auf der Wartburg und in Wittenberg widmen sich der weltweiten Wirkung des Reformators Martin Luther. Zu den Attraktionen in Wittenberg zählt auch das Panorama des Künstlers Yadegar Asisi über die Zeit der Reformation. Eine Sonderschau in Eisenach informiert unter dem Titel „Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer“ über Luther aus katholischer Sicht.
Ein erster ökumenischer Höhepunkt wird am 9. Februar sein – da stellen die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) in Stuttgart ihre soeben revidierten jeweils eigenen Bibelübersetzungen zur Diskus­sion. „Erinnerungen heilen – Jesus Christus bezeugen“ ist das Motto eines Versöhnungsgottesdienstes von EKD und DBK am 11. März in Hildesheim. Im Zeichen der Re­for­ma­tion steht auch der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag vom 24. bis 28. Mai in Berlin und Wittenberg. Das Jubiläumsjahr endet am 31. Oktober 2017, der in Deutschland einmalig bundesweit ein Feiertag ist. Schl-

 

Ökumenische Gottesdienste in der Diözese St. Pölten
                                            . .
Waidhofen/Thaya: 20. 1., 19 Uhr, r.-k.Pfarrkirche
Mitterbach: 20. 1., , 18.30 Uhr, evangelische Kirche Mitterbach
(zusammen mit den röm.-kath. Pfarren Mariazell und Gußwerk)
Maria Anzbach: 20. 1., 19 Uhr, Heim St. Louise (Meierhöfen)
Krems-Lerchenfeld: 20. 1., 19 Uhr, r.-k. Pfarrkirche
Absdorf: 20. 1., 19 Uhr, r.-k.Pfarrkirche
Zwettl: 21. 1., 18 Uhr, r.-k. Stadtpfarrkirche
Horn: 22. 1., 16 Uhr, ev. Georgskirche
Mautern: 22. 1., 17 Uhr, Ökumenische Vesper, r.-k. Pfarrkirche
Kleinzell-Salzerbad: 22. 1, 8.30 Uhr – ökumenischer Gottesdienst in der Emmaus-Kapelle
St. Pölten, Landhauskapelle: 22. 1., 18 Uhr: ökumen. Gottesdienst (Ökumen. Arbeitskreis NÖ West und KAV St. Pölten)
Lilienfeld: 26. 1., 19 Uhr, Kapitelsaal des Stiftes Lilienfeld
In Maria Taferl wird in allen regulär stattfindenden Gottesdiensten in besonderer Weise um die Einheit der Christen gebetet, ebenso im Pfarrverband Arbesbach-Großgerungs bei den Gottesdiensten am 21. und 22. 1.

 

Anm.: Foto auf dieser Seite und in der Printausgabe von © epdUschmann / FlickR CC by-SA 2.0.