Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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Freundschaften machen glücklich

Es gibt persönliche Verhaltensweisen, die dazu beitragen, dass Freundschaften entstehen und wachsen können. Welche das sind, beschreibt die Theologin Angelika Walser in ihrem Buch über die Freundschaft.

Einen Freund zu haben, dem man persönlichste Erfahrungen mitteilen kann, zählt zu den beglückendsten Erfahrungen des Lebens. Bei einem Freund kann man sein, wie man wirklich ist; man erlebt mit ihm ein Gefühl von Freiheit und die Bestätigung, eine einzigartige und unverwechselbare Person zu sein. Menschen beschreiben ihre Freundin bzw. ihren Freund als jemanden, mit dem man lachen und mit dem man auch schwierige Lebenssituationen durchstehen kann.
Papst Franziskus bezeichnet in seinem Schreiben „Amoris Laetitia“ („Die Freude der Liebe“) die eheliche Liebe – nach der Liebe, die uns mit Gott vereint – als die „größte Freundschaft“  (AL, Absatz 123) und beschreibt danach die Merkmale einer guten Freundschaft: Streben nach dem Wohl des anderen, Gegenseitigkeit, Vertrautheit, Zärtlichkeit, Festigkeit und eine Ähnlichkeit zwischen den Freunden, die sich im Laufe des miteinander geteilten Lebens aufbaut.

Verschiedene Ansprüche

Menschen haben verschiedene Ansprüche an Freundschaft: Während für den einen gelegentliche Treffen genügen, um den anderen als Freund zu bezeichnen, legt ein anderer eine „Seelenverwandtschaft“ der Definition von Freundschaft zugrunde. So kommt es mitunter auch zu großen Unterschieden, wie viele Menschen jemand zu seinen Freunden zählt: Einer denkt an einen Freundeskreis von rund 50 Personen, ein anderer kommt gerade einmal auf drei Freunde. Freundschaften einzugehen und zu pflegen, ist auf jeden Fall eine Lebensentscheidung, wobei es im Alter oft schwieriger zu sein scheint, Freundschaften zu knüpfen, als als junger Mensch.
Wer das Glück hat, einige gute Freunde zu haben, der steht auch vor der Aufgabe, diese Freundschaften zu pflegen, um sie zu erhalten. Freundschaft ist ein Teil des Lebens, der mit Zeit und Aufmerksamkeit „gedüngt“ werden will, damit er floriert. In ihrem Buch „In deiner Nähe geht es mir gut – Warum Freundschaften lebensnotwendig sind“ beschreibt die Theologin Angelika Walser, was es aus ihrer Sicht braucht, damit Freundschaften gelingen: Gegenseitigkeit in Geben und Nehmen, Verletzlichkeit eingestehen, Vertrauen riskieren, in aller Freiheit verbindlich sein, Differenz aushalten und achten lernen, Dankbarkeit, Zeit.

Besonders der Faktor Zeit macht deutlich, wie sehr Freundschaften mit einer persönlichen Entscheidung zu tun haben. Bin ich bereit, Zeit für eine Freundschaft zu investieren – zusätzlich zu den vielfältigen familiären und beruflichen Verpflichtungen? Wenn auch SMS, E-Mails und soziale Medien helfen, miteinander in Kontakt zu bleiben, so ersetzen sie doch keineswegs das persönliche Gespräch unter vier Augen und gemeinsame Erlebnisse. „Freundschaft ist kein Fast Food“, schreibt Angelika Walser „das schnell und preisgünstig lieferbar ist, wenn der Hunger groß ist.“ Freundschaften zu pflegen sei vielmehr eine Kunst, die erlernt, verfeinert und gepflegt werden will – und die viel zum Lebensglück beiträgt.     ph


 

Buchtipp:

Angelika Walser, seit 2015 Professorin für Moraltheologie und Spirituelle Theologie an der Universität Salzburg, beleuchtet das Phänomen Freundschaft unter persönlichen, theologischen und soziologischen Aspekten und beschreibt, wie man die „Kunst“ der Freundschaft einübt.
Angelika Walser, In deiner Nähe geht es mir gut. Tyrolia Verlag, 128 Seiten, Preis 14,95 Euro, ISBN 978-3-7022-3585-7.