Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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Ein Zeichen für die gelebte Nächstenliebe

Foto: Planitzer

Mit einem Fest wollen sich die Diözese St. Pölten und die Caritas bei den vielen Freiwilligen bedanken, die einen Gutteil der Hilfe für Flüchtlinge leisteten und leisten. Das Dankfest am 17. Juni im Stift Melk (ab 9.30 Uhr) steht unter dem Motto „Wir tun etwas für Österreich“. Erwartet werden rund 400 Mitarbeiter aus dem Bereich der Pfarren und der Caritas.

Ja, wir sind froh, dass wir hier leben dürfen“, sagt Majed Alkhadr in gutem Deutsch. Seit fast genau einem Jahr hat der 30-Jährige gemeinsam mit seiner 25-jährigen Frau Hala und seinen Söhnen Fuad (7) und Mourad (3) in Matzleinsdorf bei Melk ein neues Zuhause gefunden. Die kleine Familie stammt aus Homs, einer der am stärks­ten umkämpften Städte Syriens. Majed und seine Familie hatten dort ein gutes Leben – ein Haus und Arbeit. Der Krieg zerstörte alles, weshalb die Familie im Herbst 2015 sich zur gefährlichen und teuren Flucht entschied. Über das Mittelmeer ging es zunächst nach Griechenland und dann weiter nach Kroatien, wo die Erstaufnahme der Familie verzeichnet wurde. Eine Tatsache, die Majed und Hala rund ein Jahr später fast zum Verhängnis wurde. Denn der Familie, die inzwischen über mehrere Stationen am 13. Juni 2016 nach Matzleinsdorf gekommen war und sich schnell gut eingelebt hatte, drohte die Abschiebung ins Erstaufnahmeland Kroatien.

Ein ganzer Ort kämpfte im Herbst  2016 für den Verbleib der Familie und machte damit österreichweit Schlagzeilen. Mit Erfolg: Majed, Hala und ihre Kinder durften bleiben. Demnächst soll ihr Asylantrag behandelt werden. Die Eheleute sind voll Hoffnung, dass alles gut gehen wird, denn sie haben alle schon gut Deutsch gelernt, Majed engagiert sich zudem als ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Roten Kreuz in Melk, der älteste Sohn Fuad besucht den Kindergarten und kommt im Herbst in die Schule.

Aus Fremden, die kamen, wurden Freunde

Zu den wichtigsten Ansprechpersonen für Hala und Majed gehörten von Anfang an Gabi und Karl Zeinzinger. „Als Pater Lukas gefragt hat, wer die Familie betreut, haben wir zugesagt“, erzählt das in der Pfarre engagierte Ehepaar. „Ich finde, dass es wichtig ist, dass die Integration nicht nur in großen Einheiten passiert, sondern vor allem auch in kleinen Einheiten, wo vieles einfacher geht. Nur wenn es ein gutes Miteinander gibt, dann funktioniert es und dann wird es unseren Kinder auch gut gehen“, sagt Gabi Zeinzinger, die auch Pfarrgemeinderätin ist, zu ihrem Engagement. Und ein gutes Miteinander gibt es – das zeigt nicht nur der Einsatz der vielen Menschen für die syrische Familie, als ihr die Abschiebung drohte, sondern auch die liebevolle Begleitung. So erhält das Ehepaar dreimal die Woche Deutsch-Unterricht. Karl Zeinzinger: „Als sie kamen, waren sie vier Fremde, heute sind sie für uns vier nette Freunde.“

2.400 Flüchtlinge in 126 Pfarren

So wie in Matzleinsdorf gibt es viele Engagierte in der Diözese St. Pölten, die Flüchtlinge aufgenommen und betreut haben bzw. nach wie vor betreuen. Nach einer Aussendung der Diözese St. Pölten wurden im Herbst 2016 in 126 Pfarren in der Diözese über 2.400 Flüchtlinge betreut. Die Zahl ist inzwischen weniger geworden, weiß Chris­tian Köstler, Leiter der Pfarrcaritas. „Viele Flüchtlinge sind wieder weggzogen, manche zurück in ihre Heimat, andere nach Wien oder in andere größere Städte in Österreich“. Chris­tian Köstler, der in der Sache unermüdlich im Einsatz war, betont: „Es war vielfach in den Pfarren, wo zuerst etwas für die Flüchtlinge getan wurde.“

Diesen vielen Engagierten will die Diözese St. Pölten und die Caritas am 17. Juni mit einem Fest im Stift Melk danken. Die vielen ehrenamtlichen Helfer würden ein „Zeichen für gelebte Nächstenliebe und für das unersetzliche Engagement, füreinander und für unsere Zukunft“ setzen, sagt Bischof Klaus Küng. Caritasdirektor Hannes Ziselsberger betont: „Viele Menschen in unserer Diözese stellen sich der Aufgabe, Schutzsuchende willkommen zu heißen und unterstützen sie im Alltag oder beim Erwerb der deutschen Sprache und bei der Vermittlung unserer Werte. Sie tun dies in erster Linie für unser Land und die künftige Gesellschaft in unserem Land.“

Pfarren, Gemeinden und Verein „Willkommen Mensch“

In vielen Pfarren geschah die Hilfe für Flüchtlinge in Kooperation zwischen Pfarre, Gemeinde und dem Verein „Willkommen Mensch“. So etwa auch in Gföhl/Jaidhof, wo derzeit sieben Familien aus Syrien und dem Irak betreut werden. „Jede Familie hat einen Paten und erhält zweimal die Woche einen Sprachkurs“, erzählt Mag. Gabriela Auferbauer, die selbst eine Flüchtlingsfamilie aufgenommen hat und betreut. Jeder Flüchtling hat inzwischen das A1-Sprachkursniveau erreicht, die Hälfte sogar A2. „Die Flüchtlinge sind bei uns voll integriert und sie sind bei jedem Fest dabei“, sagt Auferbauer. Es gebe ein grundsätzlich gutes Miteinander.

Das ist auch in vielen anderen Pfarren so – wie z. B. in der Pfarre Gresten, wo es seit Februar 2016 wöchentlich einen Sprachkaffee für Flüchtlinge gibt. Neben dem Spracherwerb dient das Treffen vor allem auch als Ort der Begegnung und als Ort, an dem allfällige Fragen bezüglich Behördenwege, Schule oder Kindergarten geklärt werden. Dazu gibt es gemeinsame Unternehmungen wie Wanderungen und Spaziergänge in der nahen Umgebung oder Ausflüge, wie z. B. nach Purgstall zu einem Kegelnachmittag oder zum Sommerfest nach Lunz am See mit gemeinsamer Bootsfahrt. Beim Dankfest sollen Initiativen wie solche in Matzleinsdorf, Gföhl/Jaid­hofen oder Gresten vor den Vorhang geholt und Erfahrungen ausgetauscht werden. Vor allem aber ist es ein Fest des Dankes und ein Tag der Stärkung.

Das Dankfest findet am 17. Juni ab 9.30 Uhr im Stift Melk statt. Die Anmeldung ist bis 11. Juni möglich: www.caritast-stpoelten.at/dankfest; E-Mail; ; Tel. 0676/83 844 7792.