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Ein „WhatsApp“ von Markus

Foto: eclipse, images/iStock

Wort zum Sonntag von KR Mag. P. Norbert Buhl OCist. Eine beliebte Form der schriftlichen Kommunikation ist heute „WhatsApp“ (eine Nachrichten-App für Smartphones): in kurzen Sätzen und in Bildern wird das Wesentliche mitgeteilt. Öfters braucht der Leser zwar eine gewisse „Hintergrundinformation“ oder er muss das Geschriebene in einem größeren Zusammenhang sehen, um die Botschaft verstehen zu können. Die heutige Evangelienstelle ist der Beginn des Markusevangeliums, welches uns das ganze Kirchenjahr begleiten wird. Es ist das kürzeste der vier Evangelien. So kann man viele Texte in einer Kurzdarstellung des Lebens und Wirkens Jesu sehen so, als ob wir eine „WhatsApp“-Meldung bekommen würden.


Letzten Sonntag war die Aufforderung Jesu, wachsam zu sein. Heute der kurze , prägnante Satz: So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden. Johannes begegnet uns immer wieder im Advent. Auffallend ist, dass er nicht so wie die übrigen Propheten im Tempel in Jerusalem auftritt und dort predigt, sondern in der Wüste. Dadurch soll angezeigt werden, etwas „Neues liegt in der Luft“, etwas „megacooles“ wie man heute sagen würde; hier wird etwas verkündet, was bisher noch nicht in dieser Deutlichkeit gesagt wurde. Die Menschen hören plötzlich die Worte des Propheten Jesaja: Bereitet den Weg des Herrn. Macht gerade seine Straßen! Vielleicht war zu dieser Zeit eine gewisse Spannung und eine Vorahnung vorhanden, dass etwas „passieren“ wird und die Menschen waren sensibel geworden.

Das riesige Römische Reich kämpft um seinen Machterhalt und propagiert Frieden. Die Wirklichkeit aber sieht anders aus. Überall gärt es, Provinzen erheben sich. Nur mit brutaler Gewalt kann Rom seinen Frieden durchsetzen. Und: In einem armen Stall wird ein Kind mit Namen Jesus geboren. Noch merkt niemand richtig, dass dieses Ereignis wie kaum ein anderes nicht nur Rom, sondern die ganze Welt verändern wird.

Bei Mt 2 heißt es, als die Sterndeuter bei Herodes waren, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Jetzt, 30 Jahre später, haben sich die Leute daran erinnert und dieses Neukommende bewusst wahrgenommen und ganz Judäa und alle Bewohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus. Was haben sie gehört und erwartet? Als Nachfolger von Johannes wird einer kommen, der mächtiger ist als er und er wird der Hoffnungsträger sein. Sie meinen zuerst:  Er wird die Fremdherrschaft der Römer beenden und die Sehnsüchte der Menschen nach Freiheit erfüllen. Später: er wird als Erlöser und Retter, als Friedensfürst, als Licht, das die Dunkelheit ein für alle Mal vertreibt, wirken.

Die Menschen gehen in die mühsame und einsame Wüste, in der normalerweise nicht das Gute wohnt. Sie gehen dorthin, um an diesem Ort auch ihre Sünden abzuwaschen. Johannes spricht von Taufe, doch ist dies nach seinen Worten nur eine „Wassertaufe“ und seine Worte können zusammengefasst werden: Ändert euch und denkt um! Wie damals es eine spannungsgeladene Zeit war, ist es heute eine große Umbruchszeit auf allen Gebieten. Doch die Botschaft Johannes’  gilt weiterhin. Noch heute, 2000 Jahre danach,  hören wir diese Botschaft. Der Advent, die etwas andere Zeit, verändert unsere Umgebung: Bäume mit Lichtern sind aufgestellt – weihnachtliche Musik ist zu hören – Adventkränze und grüne Zweige schmücken Geschäfte und Wohnungen. Doch was verändert er bei uns selbst? Der Advent ist so ein Aufruf zur Veränderung. Natürlich geht es oft nicht um weltbewegende Dinge; aber wir erleben: der Zeitgeist nagt an unserer Glaubenssubstanz. Die laute Zeit lässt uns wenig zur Ruhe kommen. Und die vielen Eindrücke rauben uns die Konzentration. In so einer Zeit wird der Ruf immer lauter: weniger Lärm, weniger Ablenkung, gepflegte Gemeinschaft, soziales Engagement, mehr die Beziehung zu Gott pflegen.

KR Mag. P. Norbert Buhl OCist ist Zisterzienser des Stiftes Lilienfeld, seit 1993 Pfarrer in Loiwein und seit 2012 Dechant des Dekanates Krems.