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Durch Leid und Tod zur Auferstehung

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche, die auch „Heilige Woche“ genannt wird. Sie ist geprägt vom Mitvollzug der Ereignisse vom Einzug Jesu in Jerusalem bis zum letzten Mahl mit seinen Jüngern, seiner Kreuzigung und Grablegung. Den Höhepunkt bildet aber die Auferstehung, die in der Nacht zum Ostersonntag gefeiert wird.

In der allerersten Zeit der Kirche gab es kein anderes liturgisches Fest als den wöchentlichen Tag der Auferstehung Jesu. Doch schon in der apostolischen Zeit bekam auch die jährliche Feier der Erlösung mit Fasten, Lesungen und Gebet und einem an­schlie­ßenden freudigen Gedächtnis- und Agapemahl einen festen Platz. Erst im vierten Jahrhundert begann man, die Feier  auf mehrere Tage aufzuteilen. Bis heute ist die Liturgie der „Drei Österlichen Tage vom Leiden und Sterben, von der Grabesruhe und der Auferstehung des Herrn“ von dieser Praxis bestimmt. In ihr wird das Erlösungsgeschehen in Jesus Christus als gegenwärtiges Heilsereignis begangen.
Nachfolgend Gedanken zu den Tagen der Karwoche:

Eucharistie – Zeichen der Hingabe
Das Zerbrechen des Brotes beim letzten Abendmahl ist auch ein Zeichen, das auf den nahen gewaltsamen Tod Jesu hinweist. Im Orient werden noch heute wie zur Zeit Jesu die frischgebackenen zähen Brotfladen nicht geschnitten, sondern zerbrochen, ja geradezu auseinandergerissen. Jesus, der das Brot zerbricht, ja zerreißt, um es an die Jünger austeilen zu können, wird selbst im Tod zerbrochen werden, um dann in der Eucharistie unerschöpflich verteilbar zu sein.
Bischof Egon Kapellari

So tief steigt Gott herab
Der Evangelist Johannes erzählt nicht die Einsetzung des Altarsakramentes, sondern statt dessen die Fußwaschung. Wir können Eucharistie nicht verstehen in ihrer Tiefe, wenn wir sie nicht lesen von der Fußwaschung her. Und das heißt: Der Überstieg des Menschen zu Gott, die Anbetung Gottes ist das Annehmen und Wahrnehmen des Abstieges Gottes und die Bereitschaft, diesen Abstieg mit ihm zu wagen und zu tun.
Bischof Klaus Hemmerle

Erlösung durch das Leiden, nicht vom Leiden
Christus ist nicht gekommen, das Leiden zu erklären. Er ist gekommen, es bis zum Rand mit seiner Gegenwart zu erfüllen. Er ist gekommen, es mit seiner Gegenwart zu beleben, die aus ihm eine Art Sakrament macht, ein sichtbares Werkzeug seiner Gnade. Jedes Leiden hat am Geheimnis des Karfreitags teil. Zum Kalva­rienberg muss man die Augen er­heben, wenn man den Sinn des erlösenden Leidens erkennen will.
Kardinal Léon Joseph Suenens

Das Kreuz auf sich nehmen
Der Kreuzestod ist das einmalige Opfer Christi, des „einzigen Mittlers zwischen Gott und den Menschen“ (1 Tim 2,5). Doch weil er sich in seiner menschgewordenen göttlichen Person gewissermaßen mit jedem Menschen vereinigt hat, bietet sich allen die Möglichkeit‚ sich mit diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise zu verbinden. Jesus fordert seine Jünger auf, ihr „Kreuz auf sich“ zu nehmen und ihm nachzufolgen (Mt 16,24), denn er „hat für [uns] gelitten und [uns] ein Beispiel gegeben, damit [wir] seinen Spuren“ folgen (1 Petr 2,21).
Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 618

Hinabgestiegen in das Reich des Todes
Der Karsamstag ist der Tag der Verborgenheit Gottes, wie man in einer antiken Predigt lesen kann: „Was ist geschehen? Heute herrscht auf der Erde eine große Stille, große Stille und Einsamkeit. Große Stille, weil der König schläft … Gott ist dem Fleische nach gestorben und hinabgestiegen, um das Reich der Unterwelt zu erschüttern“ (Predigt über den Karsamstag, PG 43,439). Im Glaubensbekenntnis bekennen wir, dass Christus gekreuzigt wurde unter Pontius Pilatus, gestorben ist und begraben wurde, hinabge­stiegen ist in das Reich des Todes und
am dritten Tage auferstanden ist von den Toten.
Papst Benedikt XVI.

Durch die Taufe österlich leben
Die Taufe, deren ursprüngliche und volle Zeichenhaftigkeit im Untergetauchtwerden hervortritt, ist das wirksame Zeichen für den Hinabstieg des Täuflings ins Grab, für das Sterben mit Christus, um zu einem neuen Leben zu gelangen: „Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben“ (Röm 6,4).
Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 628

 

Die Karwoche

Chrisam-Messe. Am Morgen des Gründonnerstags oder schon am Mittwoch der Karwoche wird in der jeweiligen Domkirche die Chrisam-Messe gefeiert, in der die heiligen Öle geweiht werden. Sie bringt die Verbundenheit zwischen dem Bischof und seinen Priestern zum Ausdruck.

Gründonnerstag. Mit der Abendmahlfeier beginnt die eigentliche Feier der „Drei Österlichen Tage vom Leiden und Sterben, von der Grabesruhe und der Auferstehung des Herrn“. Was Jesus an diesem Abend vor seinem Leiden sagt und tut, erhält besonderes Gewicht: die Fußwaschung, die Jesus an den Jüngern voll­zieht, die Einsetzung der Eucharistie, Jesu Gebet am Ölberg und schließlich die Auslieferung an seine Gegner.

Karfreitag. Am Karfreitag steht das Kreuz, die Passion Jesu, im Mittelpunkt. Das an diesem Tag gebotene Fas­ten soll für die innerliche Begegnung mit dem großen Geschehen bereit machen.
Die Kar­freitagsliturgie umfasst drei Hauptteile: Wortgottesdienst – Erhebung und Verehrung des heiligen Kreuzes – Kommu­nion­feier. Den Wortgottesdienst beschlie­ßen die gro­ßen Fürbitten. Karfreitag und Karsamstag sind die einzigen Tage im Jahr, an denen die Kirche keine Eucharistie feiert.

Karsamstag. Der Kreuzestod und die Grabesruhe Jesu prägen den Karsamstag. Es ist der Sabbat der Juden. Am Karsamstag ruht tat­sächlich alles, abgesehen vom Stundengebet. Diese ganz andere Form des Gottesdienstes, des Ruhens von allem Feiern, des Betens in der Erfahrung der Gottesferne gilt es auszuhalten, bis in der Osternacht das Osterlob wieder den Tote erweckenden Gott preist.