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Drängender Advent

Foto: Von Grubernst -Eigenes Werk/wikimedia.org

Rund um die großen Feste im Jahreskreis ist die Liturgie der Kirche besonders ausdrucksstark, wie im Ruf nach dem Erlöser in den vom Alten Testament inspirierten „O-Antiphonen“ an den letzten Tagen im Advent.

Die letzten Tage des Advents vom 17. Dezember an sind in der Liturgie in besonders intensiver Weise auf Weihnachten ausgerichtet. Die adventliche Schlichtheit schlägt sich auch im liturgischen Kalender nieder. Es gibt so gut wie keine Gedenktage, mit Ausnahme des heiligen Johannes von Krakau am 23. Dezember.

In den liturgischen Texten steht die Erwartung des Herrn im Vordergrund. Sie künden von der Messiashoffnung Israels und der Völker, aber auch davon, wer dieses Kind tatsächlich ist, das Maria geboren hat.
Jeder Tag hat seine eigenen Schriftlesungen. In den Tagesevangelien geht es um die Verheißung des Immanuel (18. Dez., Mt 18,23) und die Ereignisse vor der Geburt Jesu nach dem Lukasevangelium.
Im Stundengebet haben Laudes und Vesper täglich eigene Antiphonen. Die Magnificat-Antiphonen vom 17. bis zum 23. Dezember sind als „O-Antiphonen“ bekannt. Diese können auch in der Messe als Ruf vor dem Evangelium verwendet werden. Sie beginnen im lateinischen Original mit dem Ausruf „O …“ und sind tiefe Meditationen über die Sehnsucht nach dem, der alle Sehnsucht der Menschen erfüllt.

Flammende Rufe nach dem Erlöser

Die erste dieser Antiphonen beginnt mit den Worten: „O Weisheit aus des Höchsten Mund“ („O Sapientia“). Die ewige Weisheit umfasst und trägt Anfang und Ende, sie wirkt in der Welt und schafft Ordnung und Heil.
Alle sieben „O-Antiphonen“ sind zweigliedrig aufgebaut. Der einleitende Ruf ist jeweils gezielt auf Jesus Christus gerichtet, ohne seinen Namen zu nennen – „Weisheit aus des Höchsten Mund“, „Adonai, du starker Gott“, „Wurzel Jesse“ und zuletzt „Gott mit uns, Immanuel“ (vgl. GL 222; 792).
Wegen der vielfältigen alttestamentlichen Bezüge wurden diese Antiphonen auch als „Israelgebet der Kirche“ (Egbert Ballhorn) bezeichnet. Mit dem dringlichen Ruf „Komm!“ beginnt der zweite Teil, der zugleich die Erlösungsbedürftigkeit und -sehnsucht der Menschen und der ganzen Schöpfung aufzeigt.