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Die spannende Suche nach den Vorfahren

Foto: Patricia Harant

Wer sich mit Familienforschung zu beschäftigen beginnt, wird erstaunt sein, wie viel man über seine Vorfahren, aber auch über die Geschichte der Region herausfinden kann.

Die Lebensgeschichte des Vaters, der Mutter und der Großeltern, wo sie aufgewachsen sind, wie sie gelebt haben, was sie geprägt hat – all das ist auch ein Teil der eigenen Lebensgeschichte. Viele spannende Begebenheit wissen die „Alten“ zu erzählen: Liebesgeschichten, lustige Anekdoten, Tragödien. Bei vielen Menschen erwacht dann einmal das Interesse, noch weiter in die Vergangenheit vorzudringen: Wie lebten meine Vorfahren drei oder mehr Generationen zurück?

Die Suche beginnt

Das Interesse an Familienforschung erwacht oft durch Erzählungen oder bei der Beschäftigung mit privaten Erinnerungsstücken wie alten Fotos, Briefen oder Dokumenten. Meistens beginnt man, in der eigenen Familie nachzuforschen und sich die wichtigsten Daten der Familienmitglieder zu notieren. Das wiederum führt dazu, dass ein Stammbaum angelegt wird, um alle Namen und Daten übersichtlich erfassen zu können. Denn wer es beispielsweise schafft, vor den Großeltern acht Generationen zurück zu erforschen, kommt immerhin auf 1.024 direkte Vorfahren. Es gibt zum Glück eigene Computerprogramme, die dabei helfen, einen Stammbaum zu gestalten.
Da es staatliche Standesaufzeichnungen in Österreich erst seit 1938 gibt, führt der Weg des Ahnenforschers fast immer zu den Kirchenbüchern, den Matriken, in denen die kirchlichen Handlungen der Taufe, Trauung und des Begräbnisses festgehalten wurden.

In den Matriken forschen

Die verpflichtende Führung von Mat­riken wurde durch das Konzil zu Trient im Jahr 1563 beschlossen, die Führung von Sterberegistern erst 1614. Trotzdem sind erhaltene Pfarrmatriken vor 1600 eher selten.
In den Hochzeitsbüchern finden sich die meisten Informationen: Elternnamen, Herkunftsorte, Berufe usw. Dieses Daten-Gerüst lässt sich dann mit Hilfe von Tauf- und Sterbebüchern erweitern. Zu den interessanten Informationen, die man hier findet, zählen Namen der Taufpaten und Hebammen, Berufe, Anzahl der Kinder und Geschwister, Todesursachen u. a. Die 1770 in den habsburgischen Ländern eingeführten Hausnummern sind eine wichtige Information, wenn es darum geht, bei häufigen Namen die richtige Familie zu identifizieren.

Matrikenbücher werden in den einzelnen Pfarren geführt, aber das Diözesanarchiv St. Pölten verwahrt mittlerweile aus Sicherheitsgründen einen Großteil der Pfarrarchive. Außerdem hat das Diözesanarchiv im Rahmen eines Projektes sämtliche Matrikenbücher der Diözese von deren Anfängen bis 1938 digitalisiert und diese auf der Plattform www.matricula-online.eu zur Verfügung gestellt. Die Kirchenbücher können heute nur mehr digital gelesen werden. Der Datenschutz verbietet es allerdings, bestimmte Daten vor Ablauf einer Frist von 100 Jahren im Internet zu veröffentlichen. Einträge, die in diese Zeit fallen, sind daher nicht einsehbar.

Das Diözesanarchiv hält noch weitere Informationsquellen für die Ahnenforscher bereit: Eheverkündbü­cher etwa oder Kommunikantenverzeichnisse, Beichtregister, Seelenbeschreibungen, Kirchenstuhl- und Zehentregister. Wer sich für Grundeigentümer in der Zeit von 1810 bis etwa 1870 interessiert, wird im Franziszeischen Kataster fündig, dem ers­ten vollständigen Liegenschaftskatas­ter Österreichs (www.genteam.at).

Familiennamen sprechen

Interessant ist auch die Herkunft des Familiennamens, der nicht nur die Familienmitglieder untereinander verbindet, sondern auch eine Verbindung zur Vergangenheit schafft. Ungefähr seit dem 15. Jahrhundert führen alle Personen einen solchen Zu-Namen. 
Familiennamen können auch aus anderen Sprachen stammen: slawische, ungarische und italienische sind besonders häufig. Kein Wunder – war doch die österreichisch-ungarische Monarchie ein Vielvölkerstaat. Ein großer Teil dieser Fremdnamen stammt aus dem Tschechischen, wobei z. B. Namen mit der Endung „-sky“ auf Ortsnamen zurückgehen (Vranitzky ist jemand aus Vranice).

Einblicke in die Geschichte

Familienforschung ermöglicht nicht nur Einblicke in die eigene Familiengeschichte, sondern öffnet auch den Horizont. Bei der Recherche berührt man Weltgeschichte, man begegnet verschiedenen Staatsformen in Österreich, vom Absolutismus über die Diktatur Metternichs, Monarchie, Erste Republik, Ständestaat, NS-Diktatur bis zur Zweiten Republik.
Kennzeichnend für die österreichische Geschichte ist außerdem die Vielfalt an Sprachen. Der Verein „Familia Austria“ erwähnt als Beispiel für den Stellenwert der Sprachenvielfalt die Universitäten in Österreich-Ungarn im Jahr 1913: Es gab eine Universität mit tschechischer Vorlesungssprache, zwei mit polnischer Vorlesungssprache, eine dreisprachige (Deutsch, Rumänisch, Ruthenisch), eine mit kroatischer Unterrichtssprache, eine deutschsprachige Universität auch mit italienischen Vorlesungen sowie drei mit deutscher Unterrichtssprache und zwei mit ungarischer Unterrichtssprache. Das heißt, es gab eine universitäre Ausbildung in der Muttersprache vieler Volksgruppen.
Der Ahnenforscher streift auch Kirchengeschichte. Viele Pfarren haben eine wechselvolle Vergangenheit. Wer zum Beispiel in St. Pölten-Harland sucht, muss wissen, dass die Gläubigen dort vor 1953 zu Pyhra und vor 1784 zur Dompfarre gehörten. ph