Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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Der Heilige Abend in der Familie

Weihnachten ist das Familienfest schlechthin. Jede Familie hat ihre eigenen lieb gewordenen Traditionen, die das Fest auszeichnen. Viele einzelne Elemente des Festes stammen ursprünglich aus dem Gottesdienst.

Seinen Inhalt hat das Weihnachtsfest in der Geburt Jesu, die die Kirche mit einem Got­tesdienst am 25. Dezember sowie in der Christmette und bei der „Kindermette“ feiert. Es ist noch nicht so lange her, dass Weihnachten zu dem wichtigen Familienfest  wurde, das es heute ist. Erst seit dem 19. Jahrhundert wird Weihnachten im Kern zuhause gefeiert und erhielt seinen starken familiären Akzent. Zu dieser Zeit entstand auch der Fokus auf die Familie als „kleine Kirche“, als Haus­kirche, und damit die Verbreitung von häuslichen Feierformen und Andachten. Diese orientieren sich stark am Got­tesdienst in der Kirche.

Das Weihnachtsevangelium

Bis heute bildet das „Weihnachts­evangelium“ für viele Menschen ein wesentliches Element der Familienfeier am Heiligen Abend. Dabei handelt es sich um eine Bibelstelle, die aus der Christmette stammt: Lk 2,1-20. Hier zeigt sich, dass die  familiäre Feier sich aus diesem nächtlichen Gottesdienst heraus entwickelt hat. Aufgrund des jährlich wiederkehrenden Rituals des Hörens hat sich der Bibeltext bei vielen Menschen unvergesslich eingeprägt: „In jenen Tagen erließ Kaiser Augus­tus den Befehl…“.
Meist ist es ein Erwachsener, der das Evangelium vorträgt, oft der „Vorsteher der Feier“. Das „Gotteslob“ von 1975 schreibt: „Der Vater liest das Evangelium von der Geburt des Herrn…“.

Gebete waren früher in der Familie selbstverständlicher als heute; trotzdem zählen sie zum Grundbestand der Feier des Heiligen Abends, die ja eine Art häuslichen Gottesdienst darstellt. Zu den Gebeten zählen auch Segenswünsche, die man sich gegenseitig zuspricht (z. B. der Wunsch „Frohe Weihnachten“, siehe Box links), die Haussegnung mit Weihwasser und Weihrauch sowie das Vater­unser, Fürbitten und Rosenkranz.

Das Fest der Lieder

Lieder gehören zu Weihnachten wie zu kaum einem anderen Fest – auch in der Familie. Zusätzlich zu alten Kirchenliedern entstanden im 19. Jahrhundert Weihnachtslieder, die neben dem Inhalt des Weihnachtsgeschehens (z. B. „O du fröhliche“) zunehmend den Weihnachtsabend an sich in den Mittelpunkt stellten: „O Tannenbaum“, „Morgen, Kinder wird’s was geben“ oder „Kling, Glöckchen“. Das 20. Jahrhundert erweiterte das Lied­repertoire neben neuen geistlichen Liedern auch um weihnachtliche Schlager und Popsongs.
In vielen Familien wird das Lied „Stille Nacht“ gleichsam als Höhepunkt der Feier gesungen. Zu den beliebtesten Instrumenten, die am Heiligen Abend zum Einsatz kommen, zählen Klavier und Flöte (das Instrument der Hirten).

Die Krippe im Zentrum

Einen zentralen Platz nimmt neben dem Christbaum die Krippe ein, „denn sie zeigt uns: Der Sohn Gottes wurde Mensch wie wir“, wie es im „Gotteslob“ heißt. „Krippe“ meint zunächst nur die Futterkrippe, in die das Jesuskind nach seiner Geburt gelegt wurde, meistens aber auch die gesamte Szenerie. Die Krippe als Futterkrippe verdeutlicht das Paradoxon der göttlichen Geburt in Armut besonders anschaulich.
Anfänge einer Verehrung der Krippe sind in Betlehem selbst schon in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten zu finden. Aus der Kirche in die Familie kamen figürliche Nachbildungen der Krippe erst nach 1600, wobei sie zu­nächst nur in höheren gesellschaftlichen Schichten zu finden war.

Damit die Feier des Heiligen Abends zum ureigensten Ritual der Familie wird, gehören noch viele für die Familie typische Elemente dazu: Essen und Trinken, die Geschenke, das Erzählen und Vorlesen, das gemeinsame Spielen, das Denken an verstorbene Familienmitglieder, die besondere Rolle der Kinder sowie auch der gemeinsame Kirchgang.  ph

 

 

An die Notleidenden denken

Nicht nur die Familienangehörigen werden zu Weihnachten bedacht, oft auch die Armen und Notleidenden. Der Gedanke, bei großen Feiern auch diejenigen nicht auszuschließen, denen es nicht gut geht, ist für viele kirchliche Feste typisch, besonders aber für Weihnachten, und er ist schon in der Bibel grundgelegt. In früheren Zeiten wurden Überreste des Essens weitergegeben, es gab auch eigene „Tafeln“ und Geschenke für Bedürftige. Das „Weihnachtsmahl mit den Armen“ der Gemeinschaft Sant’ Egidio, das am 25. Dezember an vielen Orten der Welt – oft sogar in den Kirchen – gehalten wird, ist ein heutiges Beispiel dafür.
Neben das materielle Beschenken der Armen tritt auch das geistliche Gedenken im Gebet. Es gibt hie und da auch noch den Brauch, am Heiligen Abend eine Kerze ins Fenster zu stellen, ursprünglich – nach dem Zweiten Weltkrieg – gedacht als Zeichen, dass man die Kriegsgefangenen fern der Heimat nicht vergisst. Auch das Beschenken der Tiere am Heiligen Abend („Maulgabe“) gehört hier dazu.

 

Das „Glöckchen“ läuten

Der Raum, in dem der Christbaum steht, wird üblicherweise verschlossen, und erst wenn ein Glöckchen läutet, darf die Tür geöffnet werden. Dieses Signal – manches Mal auch in Form von Kirchengeläut von der CD – markiert den Übergang von der besinnlichen Feier zur Bescherung: „Das Christkind war da.“ Wie das besonders gestaltete Weihnachtszimmer den kirchlichen Festraum abbildet, so erinnert das „Glöckchen“ an die Kirchenglocken, die in der Nacht die Gläubigen zum Gottesdienst in der Christnacht rufen.

 

„Frohe Weihnachten“ wünschen

Die Wünsche für ein frohes oder gesegnetes Weihnachten sind eigentlich Segenswünsche und damit Gebete. Der Wunsch „Frohe Weihnachten“ leitet sich aus der Verkündigung des Engels bei den Hirten ab: „Fürchtet euch nicht, denn ich verkündige euch eine große Freude.“ (Lk 2,10) Es ist nicht so sehr eine äußerliche Fröhlichkeit gemeint, sondern eine innere Freude über die Geburt des Retters.

 

Der Christbaum und sein Schmuck

Weihnachten ohne Christbaum: Das ist zumindest in unseren Breiten undenkbar. Man könnte meinen, dass dieser Braucht „uralt“ sein muss, weil er so tief verwurzelt ist, doch dem ist nicht so. Letztlich erhielt er als Symbol der bürgerlichen Kleinfamilie erst im 19. Jahrhundert seine Gestalt. Der Christbaum zeichnet sich durch die Lichter, das Grün im Winter und den Schmuck aus. Seine Geschichte beginnt am Ende des 16. Jahrhunderts in deutschen Zunftstuben, wo ein Baum mit Äpfeln, Oblaten, Nüssen und Brezeln geschmückt wurde, den die Kinder nach Weihnachten „plündern“ durften. Im 18. Jahrhundert haben der Adel und gehobene städtische Schichten den Brauch übernommen, der sich dann bald auch in anderen gesellschaftlichen Gruppen verbreitete.

 

Ideen für den Ablauf der Andacht

Gebet:  Nun ist endlich Weihnachten. Wir haben voll Sehnsucht und Vorfreude auf diesen Tag gewartet. Großer Gott, du bist Mensch geworden in Jesus Christus. Wir freuen uns über das Kind in der Krippe. Zu ihm kommen wir mit unseren Freuden und Nöten. Öffne unsere Herzen für das Wunder der Weihnacht: Du, großer Gott, ein Kind!

Lied (vor dem Adventkranz): Wir sagen euch an den lieben Advent (neues GL 223, altes GL 115).

Weihnachtsevangelium: Den biblischen Text (Lk 2,1-20) finden Sie auf Seite 13 der „Kirche bunt“, eine kindgerechte Nacherzählung auf Seite 22.

Lied: O du fröhliche (GL 238, altes GL 817)

Fürbitten (mit der Antwort „Christus, erhöre uns“):
- Du wurdest in einem Stall geboren, weil in der Herberge kein Platz war. Wir bitten dich: Steh allen bei, die nicht in Frieden leben können und die auf der Flucht sind.
-  Wir denken an die Menschen, Freunde und Verwandte, die heute nicht bei uns sind. Schenke ihnen deinen Segen!
-  Du bist als Licht in die Dunkelheit der Welt gekommen. Mache auch in unserem Leben hell, was dunkel ist, und schenke uns Frieden, Zuversicht und Liebe.
-  Herr, wir denken heute auch besonders an unsere Verstorbenen. Lass sie bei dir leben!
-  Oft suchen wir die Freude nur in materiellen Dingen und im Konsum. Schenke uns heute die Freude über die Geburt Jesu Christi.

Jesus hat uns gelehrt, wie wir beten sollen. So beten wir gemeinsam das Vater unser.

Lied: „Stille Nacht, heilige Nacht“ (GL 249, altes GL 145)

Wir beschenken einander, weil Gott uns reich beschenkt hat.
Abkürzung GL: Gotteslob