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Das macht glücklich

Foto: zVg

Dr. Anton Bucher, Professor für Religionspädagogik an der Universität Salzburg, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Glücksforschung. In zwei Studien, für die rund 2.600 Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren befragt wurden, ist er der Frage nachgegangen, was Kinder glücklich macht.

Sie erforschen als Wissenschaftler seit vielen Jahren, was Menschen und insbesondere Kinder glücklich macht. Was ist Glück eigentlich?

Anton Bucher: Glück ist eine subjektive Befindlichkeit und ein Gefühl, das man kurzfristig erlebt. Ich sehe einen Unterschied zwischen Glück und Zufriedenheit, die eher kognitiv erlebt wird. Wenn ich zum Jahreswechsel einen Jahresrückblick abhalte, kann ich zufrieden sein mit meinem Leben. Glück hingegen ist ein inneres Erleben, punktuell und intensiver. Man kann weinen vor Glück, nicht aber vor Zufriedenheit.


Was macht Kinder glücklich?

Anton Bucher: So wie Erwachsene auch sind Kinder bei Tätigkeiten glücklich, die sie um ihrer selbst willen tun. Wenn sie spielen und kreativ ihre Umwelt gestalten, vergessen sie Raum und Zeit – das ist der so genannte „Flow“-Effekt. Wesentlich für das Glück der Kinder sind auch die nahen Bezugspersonen, an erster Stelle Mutter und Vater. Überraschend hoch haben die Kinder auch die Bedeutung der Großeltern für ihr persönliches Glück eingeschätzt. Auch die Anerkennung von Freunden spielt eine große Rolle. Ein überraschendes Ergebnis unserer Studien zum Thema Kinder-Glück war, wie wichtig Haustiere als Glücksfaktor sind. Sie wurden sehr oft genannt. Des weiteren brauchen Kinder eine Umgebung, in der sie sich bewegen und entfalten können. Das kann in der Stadt genauso sein wie auf dem Land.

 

Was sind Störfaktoren für Kinder-Glück?

Anton Bucher: Wenn ein Kind sich ausgeschlossen fühlt, wenn es nicht mitspielen darf – dann  ist es traurig. Das gilt auch, wenn es nicht anerkannt und beispielsweise ausgelacht wird.


Wie erlebten die befragten Kinder die Schule?

Anton Bucher: Die Schule erhielt nur geringfügig bessere Werte als ein Besuch beim Zahnarzt. Viele Kinder erleben in der Schule zu häufig Frus­trationen und Angst. Es gibt hier sicher noch Potenzial für mehr Wohlbefinden – sowohl der Kinder als auch der Lehrer. In der Schule sollten sich Kinder frei, aktiv und individuell betätigen können, nicht gleichgeschaltet. Auch das Klima in der Klasse beeinflusst das Lernen. Die Stimmung des Lehrers färbt auf die Kinder ab.


Ändert sich das Glücksempfinden mit dem Heranwachsen?

Anton Bucher: Ja. Je älter Kinder werden, umso weniger glücklich sind sie. Mit etwa 11 bzw. 12 Jahren beginnt die Vorpubertät, die hormonelle Veränderungen mit sich bringt. Die Beziehung zu den Eltern wird konfliktreicher, die Zufriedenheit in der Schule sinkt. Mit dem Erreichen des Erwachsenen-Alters steigt die Glückskurve wieder. Die Glücksfaktoren sind dann wieder ähnlich denen des Kindes: Materielles macht wenig glücklich; Arbeit und Tätigkeiten, die man gerne ausführt, sowie gute Beziehungen zu nahe stehenden Menschen bescheren hingegen die meis­ten Glücksgefühle.


Hat Spiritualität etwas mit Glück zu tun?

Anton Bucher: Ja. Wenn Menschen sich verbunden fühlen mit Gott oder, allgemein formuliert, einer höheren Macht oder auch mit der Natur, dann erfahren sie Glück. Menschen, die häufig beten und regelmäßig einen Gottesdienst besuchen, sind glücklicher. Ein wichtiger Glücksfaktor ist eine Haltung der Dankbarkeit für kleine und unscheinbare Dinge. In einer Studie hat man zwei Gruppen von Menschen verglichen: Die einen führten ein Tagebuch, in das sie jeden Tag eintrugen, wofür sie heute dankbar sind. Die andere Gruppe führte Buch darüber, was sie ärgerte. Nach einigen Wochen konnte man feststellen, dass sich die Personen der ersten Gruppe besser fühlten.


Sie sind selbst Vater von sechs erwachsenen Kindern. Haben Ihre Forschungen Ihren Umgang mit Ihren eigenen Kinder beeinflusst?

Anton Bucher: Meine Kinder machten die Erkenntnisse und Statistiken der Forschung lebendig: Sie liebten es, gemeinsam etwas aktiv zu unternehmen, und sie liebten die Haustiere.


Was macht Sie glücklich?

Anton Bucher: Liebe Menschen. Meine Arbeit. Heute freue ich mich, dass wieder die Sonne scheint.    
Interview: Patricia Harant-Schagerl

 

Umfrage: Was macht dich glücklich?

Was macht dich glücklich? Wo, bei wem und bei welcher Tätigkeit bist du glücklich? Diese Fragen haben Kinder einigen Besuchern der „Langen Nacht der Kirchen“ im Rahmen eines Workshops in der Dompfarre St. Pölten  gestellt. Vier Antworten:

„Hunde.“ (Laura, 8)

„Tiere machen mich glücklich. Und Reiten.“ (Elisa, 9)

„Ich fühle mich glücklich, wenn ich mit meiner Familie zuhause bin, und wenn alle gesund sind in der Familie. Ich bin glücklich, wenn ich nach einigen Stunden des Bergauf-Gehens endlich am Gipfel angelangt bin und das weite Land vor mir sehe. Ich bin auch gerne Lehrerin, vor allem wenn Stunden gelungen sind und die Schüler mitmachen. Und glücklich bin ich, wenn ich singe! Ich bügle auch sehr gerne, das finde ich entspannend.“ (Christine, 50)

„Was mich glücklich macht? Ein Kindergesicht! Ja, ein frohes Gesicht. Und wenn ich ganz entspannt im Garten sitze und ein Problem hinter mir lassen kann.“ (Ulrike, 70)

 

Zur Person   

Der gebürtige Schweizer Anton A. Bucher (geb. 1960) lehrt Religionspädagogik an der Universität Salzburg. Er ist Vater von sechs Kindern.