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Bäuerin sein einst und jetzt

Foto: Foto: Bergfee – fotolia.com

Seit 1976 werden österreichweit alle 10 Jahre die Bäuerinnen befragt, wie sie ihre Arbeit und ihre Lebenssituation einschätzen. Ihre Antworten spiegeln sowohl persönliche Lebensgeschichten als auch gesellschaftliche Entwicklungen wider.

Die Rahmenbedingungen für Landwirtschaft ändern sich: Globalisierung, technische Entwicklungen, zunehmende Mobilität, veränderte Familienstrukturen und neues Rollenverständnis von Mann und Frau wirken sich auf die Arbeits- und Lebensituation der Bäuerinnen aus. Auf welche Weise das geschieht, zeigt eine Studie, die von der Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen in Aufrag gegeben wurde. 2.432 aktive Bäuerinnen, Jungbäuerinnen sowie Altbäuerinnen aus ganz Österreich haben Einblick in ihren Arbeits- und Familienalltag gegeben. Im Durchschnitt bewirtschaften die befragten Bäuerinnen eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von 21,2 ha. Zu 48 Prozent leben sie auf Bergbauernbetrieben, 72 Prozent haben Nutztiere am Betrieb.

Die Betriebe werden größer

Es zeigt sich auch bei dieser Studie, dass die Hofbewirtschaftung im Haupterwerb seit Jahren kontinuierlich abnimmt. Im Jahr 1976 waren es noch 67 Prozent Haupterwerbsbetriebe und im Jahr 2006 nur noch 39 Prozent. Auch für Bäuerinnen gewinnt die außerbetriebliche Berufstätigkeit an Bedeutung, wobei die Berufsfelder ein breites Spekturm umfassen. Hauptgründe für eine zusätzliche Berufstätigkeit sind der „Verdienst des eigenen Geldes“, „Einsatz der erlernten Fähigkeiten“ und das „zusätzliche Einkommen“. Des weiteren lässt sich an der Studie ablesen, dass die Betriebe größer werden. Der Anteil kleinerer Betriebe mit einer Gesamtfläche zwischen 6 ha und 20 ha, die an der Befragung teilnahmen, ist gesunken: von 72 Prozent (1976) auf 52 Prozent (2016). Der Anteil großer Betriebe mit über 50 ha stieg dagegen deutlich an: von 6 Prozent (1976) auf 18,2 Prozent (2016).

Erfragt wurde auch die Aufgabenverteilung am Hof. Hier zeigt sich, dass die Bäuerinnen in den 10 Jahren zwischen 2006 und 2016 in einigen Arbeitsbereichen mehr und mehr durch den Partner sowie andere Personen entlastet werden. Das kann mit der zunehmenden außerbetrieblichen Berufstätigkeit erklärt werden. Erstmals wurde 2016 auch die „Erwerbskombination“ erfragt, also die Tätigkeiten für Urlaub am Bauernhof, Seminarbäuerin, Tagesmutter usw. Hier erledigen die Bäuerinnen durchschnittlich 60 Prozent der Arbeit. Die Studie zeigt auch die hohe und vielfältige Arbeitsleistung der Bäuerin: Sie erledigt im Durchschnitt 70 Prozent der Haushaltsarbeit, 62 Prozent der Kinderbetreuung, 57 Prozent der Administration, 55 Prozent der Gartenarbeit, 49 Prozent bei der Pflege von kranken Angehörigen. Bei der Stallarbeit übernimmt sie durchschnittlich 34 Prozent.

Das Zusammenleben am Hof

Im Durchschnitt leben heute fünf Personen am Hof. Die durchschnittliche Kinderzahl ist seit 2006 leicht gesunken und liegt bei 2,6 Kindern (2006: 3 Kinder). Es leben mehr Bäuerinnen mit den Schwiegereltern bzw. einem Schwiegerelternteil als mit den eigenen Eltern zusammen, da Bäuerinnen häufiger auf den Hof des Partners ziehen, als dass sie den elterlichen Hof übernehmen. Was das Zusammenleben mit den eigenen Eltern anbelangt, sind die Aussagen in der Mehrheit positiv: 70 Prozent der Befragten empfinden das Zusammenleben generell als angenehm, darunter fallen sogar 19 Prozent, die es als sehr angenehm empfinden. Interessant ist, dass sich dieses Verhältnis umkehrt, wenn das Zusammenleben nicht mit den eigenen, sondern mit den Schwiegereltern eingeschätzt wird. Das Zusammenleben mit den Schwiegereltern wird von 42 Prozent als angenehm und von 57 Prozent als belastend empfunden. Als positiv am Beruf empfunden wird mehrheitlich, dass sich „Wohn- und Arbeitsstätte an einem Ort“ befinden und die „Naturverbundenheit“ des Berufes. 45 Prozent der Bäuerinnen machen fallweise Urlaub, lediglich 26 Prozent urlauben regelmäßig – Tendenz steigend. ph