Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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Auf den Spurren der Bibelschmuggler

Im heurigen Jubiläumsjahr der Reformation fanden viele ökumenische Veranstaltungen statt. So legte eine Pilgergruppe aus der Diözese St. Pölten eine Etappe auf dem „Weg des Buches“ zurück, der an jene Zeit erinnert, als lutherische Bibeln und Andachtsbücher in die österreichischen Länder geschmuggelt wurden.

Die protestantischen Kirchen gedenken heuer des 500. Jahrestages des Beginns der Reformation im Jahr 1517. Für die katholische Kirche schrieb der Linzer Bischof Manfred Scheuer ein Grußwort zum Jubiläums­jahr, das am 31. Oktober 2017 offiziell endet: „Wir blicken gemeinsam nicht nur auf eine schwierige und leidvolle Zeit der Konflikte zurück, sondern auch auf die vergangenen fünfzig Jahre des Dialogs und der Wertschätzung. Grund genug, um das Gedenkjahr 2017 in ökumenischer Gemeinschaft zu begehen.“

Unter der Leitung der Pilgerbegleiter Marianne und Stefan Kimeswenger ging eine Pilgergruppe aus der Diözese St. Pölten eine Etappe auf dem im Jahr 2008 von der evangelischen Kirche A.B. eingerichteten „Weg des Buches“, der an jene Zeit erinnert, als auf Schmugglerpfaden protestantische Bücher in die österreichischen Länder geschmuggelt wurden.

Der Weg führt in 29 Teilstrecken durch die schönsten Gegenden Österreichs, durch das Salzkammergut, das Dachsteingebiet, die Niederen Tauern, die Kärntner Nockberge und die Gegend um den Weißensee. Heuer, im Gedenkjahr „500 Jahre Reformation“, wurde der Weg bis Triest verlängert.

Im Gegensatz zu katholischen Pilgerwegen hat der „Weg des Buches“ kein markantes äußeres Ziel. Im evangelischen Verständnis ist eher der Weg das Ziel – als Glaubens-, Gemeinschafts- und persönliche Erfahrung. Wer im Sinne des Erfinders den Weg geht, hat einen Bibelleseplan dabei, der auf die Stationen des Weges abgestimmt ist.

Von Bad Ischl nach Hallstatt

Die 15-köpfige Pilgergruppe aus der Diözese St. Pölten begann ihre Etappe mit einer Andacht in der katholischen Kirche von Bad Ischl und ging dann auf den Spuren der Bibelschmuggler über Bad Goisern nach Hallstatt. Einen Einblick in die Zeit der Gegenreformation gewährte ein Besuch im Landlermuseum in Bad Goisern, das über die Geschichte und Kultur der im 18. Jahrhundert nach Siebenbürgen zwangsweise ausgesiedelten Protes­tanten informiert. Auch eine Begegnung mit evangelischen Christen stand auf dem Programm. „Es ist ein Weg, der neben den landschaftlichen Schönheiten des Salzkammergutes die wechselvolle Ge­schichte der Reformation und die Spiritualität einer langen Bibelschmuggler-, aber auch Bibellese-Tradition in sich trägt“, erzählt Pilgerbegleiter Stefan Kimeswenger aus St. Valentin, der auch im kommenden Jahr wieder eine Pilgerung auf dem „Weg des Buches“ anbieten wird. „Geschichte und Gegenwart des Protestantismus in Österreich sind hier nebeneinander präsent und erfahrbar“, lautet das Resümee von Stefan Kimeswenger.

Wenig bekannte Geschichte

Für die Einrichtung des „Weges des Buches“, der evangelische Pfarr- und Stadtgemeinden verbindet, erforschten katholische und evangelische Christen ein für viele unbekanntes Stück regionaler und österreichischer Geschichte. Der „Weg des Buches“ verläuft sowohl auf bestehenden Wanderwegen als auch entlang alter Schmugglerpfade, auf denen Händler zur Zeit der Gegenreformation und des Geheimprotestantismus aus Deutsch­land neben Stoffen, Gewürzen und anderen Handelswaren auch lutherische Bibeln, Gesang- und Gebetsbü­cher im Geheimen nach Österreich brachten. Wer mit dieser „heißen Ware“ erwischt wurde, musste mit Gefängnisstrafe oder sogar Vertreibung rechnen.

Diese damals von den habsburgischen Landesherren verbotenen Bü­cher spielten für das Glaubensleben der Geheimprotestanten, die ungeachtet der gegenreformatorischen Repressalien an ihrer Überzeugung festhielten, eine wichtige Rolle und wurden oftmals innerhalb der Familie über viele Generationen weiter vererbt. Deshalb finden sich auch heute noch in einigen evangelischen Familien Bü­cher aus der Zeit des Geheimprotestantismus, die in etwa bis zum Erlass des Toleranzpatents durch Kaiser Josef II. (1781) dauerte.

Unterwegs auf dem „Weg des Buches“ kann man auch Orte besuchen, an denen die Protestanten sich heimlich versammelten, wie z. B. in der Kalmooshöhle, und wo sie ihre verbotenen Lutherbibeln erfindungsreich versteckten. Andachten wurden geheim und an abgelegenen Orten im Wald oder in den Bergen abgehalten. Daran erinnern zahlreiche Gedenkstätten am „Weg des Buches“.


 

Mehr zum Thema

„Das Buch zum Weg“ von Rudolf Leeb (Hrsg.) erhellt die kirchen-, kunst- und kulturgeschichtlichen Hintergründe am „Weg des Buches“. Edition Tandem, 208 Seiten, Preis € 19,50.
Pilgerbegleiter Stefan Kimeswenger lädt ein zur nächsten Pilgerung am „Weg des Buches“ von 25. bis 27. Mai 2018. Nähere Informationen unter Tel. 0650/ 7055712 und per E-Mail unter .