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„Asia Bibi wird bald in Freiheit sein“

Khalil Tahir Sandhu ist Christ und Minister für Menschenrechte und Minderheiten der pakistanischen Provinz Punjab. Bei seinem Besuch in St. Pölten stand der christliche Anwalt Kirche bunt für ein Interview zur Verfügung.

Pakistan ist eines der Schwerpunktländer der Caritas Auslandshilfe St. Pölten, die dort seit Jahrzehnten Bildungs- und Ernährungsprojekte unterstützt. Ende September besuchte Khalil Tahir Sandhu (50) St. Pölten. Er ist Minis­ter für Menschenrechte und Minderheiten der Provinz Punjab,  der mit 100 Millionen Einwohnern größten Provinz Pakistans.


Kirche bunt: Herr Minister, wie ist es, in Pakistan ein Christ zu sein?
Khalil Sandhu: Pakistan hat rund 207 Millionen Einwohner und ist mehrheitlich muslimisch, die Christen stellen mit 1,5 Prozent eine Minderheit dar. Die Situation für Christen in Pakistan ist keine leichte. Es herrschen strenge islamische Gesetze, welche oft gegen Minderheiten, vor allem gegen Christen, angewendet werden. In Pakistan gelten Christen als minderwertig – für sie ist es schwer, eine gute Ausbildung und eine gute Arbeit zu bekommen.

Sie sind Anwalt und verteidigen auch Asia Bibi, deren Fall weltweit Aufsehen erregte, weil sie 2010 als erste Christin in der Geschichte Pakistans wegen Blasphemie zum Tode verurteilt wurde.
Khalil Sandhu: Ja, ich bin einer der Anwälte von Asia Bibi und vertrete sie vor dem Höchstgericht. Aber sie ist nur ein Fall von vielen. In den letzten Jahren konnte ich für 37 Menschen, die wegen Blasphemie angeklagt waren, die Freilassung erwirken. Derzeit sind allein in Punjab 223 Menschen wegen dieses Gesetzes hinter Gittern – mehr als die Hälfte von ihnen sind Muslime, aber es gibt auch viele Christen darunter. Ich verteidige 14 von ihnen.

Haben Sie Hoffnung für Asia Bibi?
Khalil Sandhu: Ja, das habe ich. Ich bin überzeugt, dass sie in zwei oder drei Monaten frei sein wird. Wir kämpfen dafür und da hilft uns auch der internationale Druck – vor allem die Botschaften und die Medienberichte sind sehr hilfreich. Sehr beeindruckend war beispielsweise, dass der deutsche Botschafter 13.000 Unterstützungsschreiben für Asia Bibi überreicht hat.

Wie unterstützt die Caritas St. Pölten Ihre Arbeit?
Khalil Sandhu: Die Caritas St. Pölten unterstützt humanitäre und Entwicklungsprojekte in Pakistan, wie z. B. Schulbildung für Kinder. Zurzeit haben wir aber auch eine Integrationskooperation zwischen Flüchtlingen und Einheimischen. Über zwei Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan leben in Pakistan, die mit besonders schwierigen Lebensbedingungen zu kämpfen haben. Mit dem Projekt versuchen wir zwischen den Flüchtlingen und den Einheimischen zu vermitteln. Das Projekt ermöglicht eine Berufsausbildung für insgesamt 600 Familien – sowohl afghanische Flüchtlinge wie auch Familien aus dem lokalen Umfeld („host community“).

Kannten Sie die Ärztin und Ordensfrau Ruth Pfau, die heuer im August starb und in Pakistan Lepra bekämpfte?
Khalil Sandhu: Ja, ich habe sie oft getroffen. Für mich war sie  schon als Lebende eine Heilige. Als sie kam, war Lepra ein großes Prob­lem in Pakistan und viele Menschen starben daran. Heute ist Lepra in Pakistan dank Ruth besiegt. Sie wird hier – über alle Religionen hinweg – sehr verehrt.

Sehen Sie eine Chance, dass sich in Pakistan die Bedingungen für Minderheiten – besonders auch für Christen – verbessern?
Khalil Sandhu: In Anbetracht der Situation sind wir guter Dinge.  Ich glaube zwar nicht, dass wir das Blasphemiegesetz ändern können, aber wir können etwas gegen den Missbrauch des Gesetzes tun und gegen falsche Beschuldigungen. Wir sind mit den muslimischen Minis­tern und dem islamischen Klerus im Gespräch  und es gibt einen guten Austausch  – das ist wichtig, denn ich bin überzeugt, dass man nur durch Dialog etwas bewirken kann. Wir konnten z. B. erreichen, dass auch die muslimischen Minister ein Dokument unterzeichnet haben, mit dem der Missbrauch des Blasphemiegesetzes gestoppt werden soll. 

Es ist bekannt, dass auch Sie bedroht werden. Woher nehmen Sie Ihre Kraft, weiterzuarbeiten?
Khalil Sandhu: Ich stehe tatsächlich an dritter Stelle auf der Todesliste der Taliban und habe dem Tod schon mehrmals ins Auge gesehen. Aus Sicherheitsgründen leben meine Frau und meine drei Söhne in London und ich werde in Pakistan von Sicherheitsleuten geschützt. Aber ich will meinen Kampf für die Minderheiten  in Pakistan fortsetzen, weil ich glaube, dass es Gott so will. Das ist mein Auftrag. Ich habe keine Angst. Sie können meinen Körper töten, aber nicht meine Träume, nicht  meine Seele und nicht meinen Glauben.

SP