Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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Als in der Kirche jeder seinen Platz hatte...

 

Vereinzelt findet man sie noch, vorwiegend in sehr alten Gotteshäusern: die in früherer Zeit üblichen Namensschilder in den Kirchenbänken. Großteils wurden im Zuge von Kirchen-Renovierungen die alten knorrigen Stühle erneuert und dabei sind auch die Schilder mit den Namen verschwunden. Nicht so in der Mostviertler Pfarre Haidershofen an der westlichen Grenze der Diözese St. Pölten.

Betritt man die dortige Pfarrkirche, fühlt man sich in frühere Zeiten zurück versetzt. Im alten Kirchengestühl ist hier noch die Vergangenheit im wahrsten Sinn des Wortes festgenagelt. Schilder aus allen möglichen Materialien kann der Besucher hier bewundern – aus Messing oder Email, aus Eisenblech oder Aluminium, manche kunstvoll verziert, andere wieder ganz schlicht ausgeführt, mit Namen, oft auch mit Adresse, einige mit Berufs- oder Gewerbebezeichnung, andere mit Jahreszahl, wobei einige davon sogar mit „18..“ beginnen.

„Stuhllösung“ ab dem 18. Jhdt.

Wann mit der Vergabe der Kirchenstühle in Österreich begonnen wurde, lässt sich schwer feststellen. In der Kirche von St. Wolfgang am Wolfgangsee trägt das älteste Taferl die Jahreszahl 1778. Ähnliches wird auch aus Grünau im Almtal berichtet. Man nimmt daher an, dass die so genannte „Stuhllösung“ im 18. Jahrhundert ihren Anfang nahm. Der Ausdruck leitet sich ab von „sich einen Kirchenstuhl lösen“.

Bürger konnten sich so einen angemessenen Platz in der Kirche sichern und es wurde ihnen von der Pfarre das Recht eingeräumt, an den bezahlten Plätzen in den Kirchenstühlen Namensschilder anzubringen – für Kirche und Pfarre eine zusätzliche Einnahmequelle.

Wie lange „Stuhlgebühren“ oder „Stuhlgeld“ eingehoben wurden ist regionsweise unterschiedlich. Von St. Wolfgang im Salzkammergut berichtet Wolfgang Pfarl in einer Niederschrift, dass die Jahresmiete in der unmittelbaren Nachkriegszeit drei Schilling betrug und sich bis 1970 auf 20 Schilling erhöht hat. Seit 1971 seien keine Kirchenstühle mehrvergeben und auch keine Miete mehr eingehoben worden.

In der Kirche zum heiligen Severin von Köln in Haidershofen sind die Kirchenstuhlschilder jedenfalls noch eine zeitgeschichtliche Rarität und erinnern an die Gewohnheiten unserer Vorfahren. F. Bertl