Aarhus und Paphos – die Europäischen Kulturhauptstädte 2017

Aarhus in Dänemark und Paphos auf Zypern sind die Europäischen Kulturhauptstädte im heurigen Jahr. Im dänischen Aarhus lautet das Jahresthema dazu „Umdenken“ und im zyprischen Paphos heißt das Motto „Freiluftfabrik“.

Es gehe darum, heute offen, anders und besser zu handeln und zu denken, als wir es gestern getan haben – heißt es seitens der dänischen Stadt Aarhus zum Jahresmotto „Umdenken“. Ihre Zeit als Europäische Kulturhauptstadt will die zweitgrößte Stadt Dänemarks vor allem dazu nutzen, um aus dem Schatten der Hauptstadt Kopenhagen zu treten. Bis zu zehn Millionen Besucher erwarten Aarhus und die umliegende Region Midtjylland für dieses Jahr. Und man will vor allem mit verantwortungsvollem Zukunftsdenken und mit Kunst beeindrucken. Künstler aus der ganzen Welt wurden aufgefordert, sich in ihren Arbeiten den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Neu nachdenken will man in Aarhus in diesem Jahr aber auch über die Bedeutung von Städten und Wohnräumen, von Sommerhäusern und Volksmusik.

Auch über die Religion will man nachdenken. Zum Beispiel im Kunstmuseum von Randers, einer gut eine halbe Autostunde von Aarhus entfernt gelegenen Kleinstadt. „Die sieben Todsünden“ heißt die Ausstellungsreihe, die das Museum gemeinsam mit anderen Häusern in der Region rund um Aarhus realisieren will. Jedes Museum dort hat sich eine Todsünde als Thema genommen und versucht, sie in die Gegenwart zu übertragen. „Wir wollen darüber nachdenken, welche ethischen Werte heute und künftig gelten“, sagt Lise Jeppesen, die Museumsdirektorin von Randers.
Es erwarten die Gäste, so Programmdirektorin Rebecca Matthews, eine kreative „Tour de force“ mit Neu­inszenierungen, Eröffnungen, kleinen und großen Begebenheiten und Festivals“. „Die Kunst kann dazu beitragen, ein stärkeres Profil einer Region zu schaffen, die es wert ist, dass sie besucht wird, dass man in ihr studiert und mit ihr Handel treibt.“

Paphos lockt mit Kultur unter freiem Himmel

Eigentlich pflegen Europäische Kulturhauptstädte sich im allerbesten Lichte zu zeigen. Mit viel Geld und ausgeklügelten Programmen versuchen die Veranstalter, dem erhofften internationalen Publikum ihre Stadt auf das Nachhaltigs­te zu präsentieren. In Paphos wird das heuer anders sein. Die zyprische Stadt hat – als Folge der internationalen Finanzkrise – 2017 das schmalste Budget (8,5 Millionen Euro) aller bisherigen Kulturhauptstädte und setzt deshalb unter dem Motto „Open Air Factory“ als Freiluftfabrik vor allem auf ihr antikes Erbe. Das Konzept basiert auf der tausende Jahre alten Tradition, als Kultur „unter freiem Himmel“ statt fand.

Wo der Apostel Paulus gegeißelt wurde

Paphos blickt auf eine lange und reiche Geschichte zurück. Archäologen belegen, dass die Stadt schon in der Bronzezeit existiert haben könnte. Nach der Legende soll hier in der Nähe Aphrodite, die Göttin der Liebe, dem Meer entstiegen sein. Hier hat der Apostel Paulus gepredigt – an ihn erinnert die in Teilen noch erhaltene Paulussäule, an der er gefesselt und gegeißelt worden sein soll. Auch Franz von Assisi hat  vermutlich seine Reise ins Heilige Land über Zypern vorgenommen. Seit Beginn seines Bestehens ist der Orden der Franziskaner auf Zypern ansässig. Ruinen aus griechischer, römischer und byzantinischer Zeit zeugen von der jahrtausendalten Geschichte der Stadt. Besucher können sie im archäologischen Park der Stadt ansehen. Etwas außerhalb – in Nea Paphos – haben so schon lange vor Christus ptolemä­ische Herrscher ihre letzte Ruhestätte gefunden. Lange Zeit nach den Grabbestattungen der Könige, dienten diese Stätten weiterhin als Grabstätten – aber nicht mehr für Könige sondern für Persönlichkeiten aus der Oberschicht. Die UNESCO erklärte 1980 die Ruinen von Paphos zum Weltkulturerbe. Römische Häuser aus dem 2./3. Jahrhundert
n. Chr. bestechen durch ihre wertvolle Bodenmosaikkunst. Archäologie bildet nur einen der Schwerpunkte im Kulturprogramm von Paphos. Die Stadt wirbt mit 300 Veranstaltungen zu Kino und Musik, Literatur, Tanz und Theater, Fotografie und Umwelt. Einer der meistbesuchten Orte wird dieses Jahr wohl das mittelalterliche Kastell direkt am Hafen von Paphos sein.

In Aarhus wird das Kulturprogramm offiziell am 21. Jänner eröffnet und in Paphos findet die feierliche Auftaktveranstaltung am 28. Jänner statt. Nähere Infos dazu und zu allen Veranstaltungen auf http://www.aarhus2017.dk und http://www.pafos2017.eu.  

Kulturhauptstädte

Aarhus liegt an der Aarhusbuch, die zum Kattegat zwischen Jütland und der schwedischen Westküste gehört. Mit rund 265.000 Einwohnern ist sie die zweitgrößte Stadt Dänemarks. Um 770 von den Wikingern gegründet, gehört Aarhus zu den ältesten Städten in Nordeuropa und soll schon 948 Bischofssitz gewesen sein. Nachdem die Reformation sämtliche Bistümer Skandinaviens mit deren Bischöfen von Rom losgelöst hatte, kamen im 19. Jahrhundert erneut katholische Missionare in das Land, das inzwischen durch die Lutherische Staatskirche geprägt war. Heute gehört Aarhus zur Diözese Jütland. Insgesamt sind rund 40.000 Menschen (Stand 2014) der rund 5,7 Millionen Einwohner Katholiken.

Paphos ist eine Hafenstadt im Südwesten der Republik Zypern. Sie ist mit rund 33.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt des griechischsprachigen Teils Zyperns. Der Ursprung der Stadt liegt im Dunkeln. Archäologisch lässt sich die Vorgeschichte von Palaia Paphos bis in die späte Bronzezeit belegen. Seit dem 15. Jahrhundert v. Chr. muss eine Siedlung bestanden haben. Seine erste historische Erwähnung erfährt Paphos durch eine Inschrift auf der Kition-Stele aus der Zeit des Assyrerkönigs Asarhaddon (680 – 669 v. Chr.), die den pa­pheischen König Ituandar als tributpflichtig aufführt. Das Christentum in Zypern ist auf das erste Jahrhundert zurückzuführen. Heute gehören zirka 77 Prozent der knapp 900.000 Einwohner der Republik Zypern (griechischer Teil) der orthodoxen Kirche an. Die römisch-katholische Kirche in Zypern ist seit 1973 durch eine Apostolische Nuntiatur, eine diplomatische Mission des Heiligen Stuhls, vertreten.

Europäische Kulturhauptstädte gibt es seit 1985. Die erste Kulturhauptstadt war Athen. Mit der Initiative sollen der Reichtum und die Vielfalt der Kulturen in Europa hervorgehoben werden. Bei Bürgern soll das Gefühl verstärken, einem gemeinsamen Kulturkreis anzugehören. Zudem wird die Weiterentwicklung der Stadt angeregt. Österreich stellte mit Graz (2003) und Linz (2009) bereits zweimal eine europäische Kulturhauptstadt. Im Jahr 2024 ist Österreich zum dritten Mal an der Reihe. Interesse, Europä­ische Kulturhauptstadt zu werden, zeigen neben den Vorarlberger Rheintalstädten Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Hohenems mit der Region Bregenzerwald auch Bad Ischl mit der Region Salzkammergut. Die Städte St. Pölten und Krems denken über eine mögliche gemeinsame Bewerbung nach. Das Bundeskanzleramt wird voraussichtlich im Sommer 2017 die Ausschreibung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024 veröffentlichen.