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Weihnachten – mit Seele und Leib

Foto:  KNA/Matthias Greve

Weihnachten ist nach Ostern „nur“ das zweitwichtigste christliche Fest, aber es ist stärker als alle anderen Feste mit Emotionen, Geschenken und auch einem reichhaltigen Brauchtum verbunden. Die Seele darf beim Feiern nicht zu kurz kommen.

Nicht allen fällt es leicht, in dem komplexen Gemenge aus Erwartungen, Wünschen und Idealvorstellungen eine dem Fest gemäße Stimmung zu entwickeln. Die vierwöchige Adventzeit ist wohl ein gutes Maß für die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest. Liegen schon im September Lebkuchen in den Regalen und werden zu Allerheiligen die ersten Christbäume beleuchtet, dann haben sie sich zu Weihnachten schon überlebt und damit auch keine symbolische Bedeutung mehr.
Manche wollen, dass Weihnachten ein „perfektes“ Fest ist, und sind dann, wenn das Fest da ist, völlig ausgepumpt; oder es genügt eine Kleinigkeit, die schief läuft, und die Stimmung „kippt“. Auch überzogene Erwartungen, dass Weihnachten ein Fest des Friedens und der Familie ist, schlagen leicht in das Gegenteil um. Weniger kann mehr sein. Da stellt sich wohl auch die Frage, ob ein Fünf-Gänge-Menü neben den Geschenken das Wichtigste am Weihnachtsfest ist. Ein Blick auf die Krippe könnte da nachdenklich machen. Schon das Aufstellen der Krippe kann ein Erlebnis für Kinder sein. Und man kann dabei ruhig fragen, wo Jesus heute geboren würde – in einer Kirche, in einem Hotel oder in einer Flüchtlingsherberge…
Für das Wesentliche sollte auch zu Hause Zeit sein: einem der anwesenden Kinder das Weihnachtsevangelium vorlesen lassen; miteinander ein paar Weihnachtslieder singen; Gebete und kurze Gedanken zum Fest.
Weihnachten heißt: Gott wird Mensch. Der Evangelist Johannes sagt es so: „Das (göttliche) Wort hat Fleisch angenommen.“ Sich auf Weihnachten besinnen kann auch heißen: Wie gehe ich mit dem Wort um? Kann ich dem anderen zuhören? Halte ich Stille aus? Und wie nutze ich mein Handy – als Kommunikationsmittel, oder entziehe ich mich damit gerade der Kommunikation oder gar jeder Wahrnehmung der Umwelt?
Adventkalender sind nicht nur dazu da, die Zeit des Wartens zu verkürzen. Tägliche kleine Anregungen helfen dazu,  das eigene Leben immer wieder auf die Geburt Jesu hinzulenken. Gute Adventkalender mit Texten und Impulsen gibt es auch für Erwachsene. Ein Adventkalender, der dem kommenden Wort den Weg bereitet und das Ohr öffnen kann, steht im Inter­net unter: www.dioezese-linz.at/site/
bibelwerk/downloads/impulstexte/aufatmen. Die täglichen Impulse für  die Advent- und Weihnachtszeit können auch als Newsletter abonniert werden.    schl-

 

Musik, Düfte, Licht, Wärme   
 
In Weihnachtsstimmung komme ich über Musik – Musik kann Menschen berühren und für das Weihnachtsereignis öffnen. Ich habe für jeden Sonntag im Advent eine Play-Liste mit Weihnachtsliedern.
Weihnachten ist eine Zeit, die man mit der Familie verbringen sollte; eine Zeit der Rückschau auf das vergangene Jahr, auf Ereignisse, die uns bewegt, gelenkt und verändert haben. In meiner Heimat Bosnien bäckt man traditionell ein Brot mit Motiven, die die Ereignisse aus dem vergangenen Jahr schildern und die die Dankbarkeit für das vorige Jahr äußern. Düfte beeinflussen stark die Weihnachtstim-mung; Duft nach Tee, Spekulatius, Orange, Duft nach Kuchen, die meine Mama machte, als ich Kind war, kommt mir in jedem Advent immer wieder in Erinnerung. Besonders mag ich die Roratemessen mit ihrer starker Stimmung mit Kerzen im Dunkel, das ist eine starke Symbolik, die die Menschen berührt. Weihnachtsstimmung sollte man kreativ gestalten – zum Beispiel mit den Kindern gemeinsam etwas basteln, das die Weihnachtsbotschaft ausdrückt.

Nicht jedem geht es gut zu Weihnachten. Ich selber betreue in der Dompfarre eine afrikanische Familie und ich werde sie besuchen und einige Geschenke mitbringen. Ich habe für sie Jacken gesammelt, weil sie in den letzten Wochen oft verkühlt sind.
Mag. Dr. Marijan Orsolic, Pfarrhelfer in der Dompfarre St. Pölten und Religionslehrer