Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

„Vom Gegeneinander zum Miteinander“

Erstmals findet ein gemeinsamer Studientag der österreichischen Bischöfe mit Spitzen der lutherischen, reformierten und methodistischen Kirche statt. Zudem wurde Kardinal Christoph Schönborn in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt.

Vor dem Hintergrund des Martins-Jubiläums und ganz im Zeichen der Ökumene und des Reformationsgedenkens steht die Herbstvollversammlung der österreichischen Bischöfe, die am  7. November in Eisenstadt begann.
Im Zentrum der bischöflichen Versammlung steht eine hochrangige ökumenische Begegnung im Blick auf „500 Jahre Reformation“. Sie wurde im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz von Kardinal Christoph Schönborn und dem lutherischen Bischof Michael Bünker am 8. November eröffnet. Dabei präsentierten Schönborn und  Bünker eine gemeinsame katholisch-evangelische Erklärung mit dem Titel „500 Jahre Reformation – Vom Gegeneinander zum Miteinander“. Gleichzeitig lobten die Kirchen einen Ökumene-Preis aus (siehe Infobox).
In der gemeinsamen Erklärung heißt es u. a., dass die Botschaft von der freien Gnade und Barmherzigkeit Gottes und von Gottes Ja zu jedem Menschen angesichts der heutigen Herausforderungen von besonderer Aktualität sei. Und weiter: „Sie ermutigt uns, gemeinsam für Notleidende und Schutzsuchende einzutreten und die Kräfte der Menschlichkeit zu stärken. Unser gemeinsamer Einsatz für den Nächsten gibt auch dem politischen Gemeinwesen Orientierung für zukünftiges Handeln.“
In diesem Zusammenhang richteten Schönborn und Bünker einen gemeinsamen Appell an die Politik, bei der Mindestsicherung zu einem positiven bundesweit einheitlichen Ergebnis zu kommen. Es gelte, „die Armut zu bekämpfen und nicht die Armen außen vor zu lassen“, so Schönborn. Wenn die Politik keine bundesweit einheitliche Regelung zusammenbringt, müsse trotzdem gewährleistet sein, „dass Menschen in Not im Burgenland nicht anders behandelt werden als in Vorarlberg“, so Schönborn. Es brauche „gleiche Standards, wie immer die konkret erreicht werden“.
Bischof Bünker sprach sich dafür aus, die Mindestsicherung in die Bundeskompetenz überzuführen, das sei schon hinsichtlich gesamtösterreichischer Standards ein Gebot der Stunde. Er kritisierte zudem einmal mehr, dass in der derzeitigen Debatte Mindestpensionisten und Personen mit geringem Einkommen gegen Mindestsicherungsbezieher ausgespielt würden. „Ich bin davon überzeugt, dass keine Mindestpensionistin deswegen mehr bekommt, nur weil Asylberechtigte weniger an Mindestsicherung bekommen.“ Hier werde eine „Neidhaltung“ geschürt, „die unserer Gesellschaft nicht gut tut“, appellierte der evangelische Bischof an die Verantwortung der Politik.
Bei der Wahl des Vorsitzenden und des Generalsekretärs der Österreichischen Bischofskonferenz wurden Kardinal Christoph Schönborn und Peter Schipka in ihren Ämtern bestätigt.
Der gesamte Text der Erklärung kann auf www.kirchebunt.at nachgelesen werden.

 

 

500 Jahre Reformation – Vom Gegeneinander zum Miteinander

Erklärung der Katholischen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirchen in Österreich in Vorbereitung auf das Jahr 2017

 

I) Die 95 Thesen, die Martin Luther Ende Oktober 1517 veröffentlichte, werden weltweit zum Anlass genommen, das Jahr 2017 unter die Überschrift „500 Jahre Reformation“ zu stellen. Während es für die Evangelischen Kirchen ein Jubiläum ist, das in gebührender Weise gefeiert werden soll, stellt es für andere, insbesondere die Römisch-Katholische Kirche, einen Anlass zum Gedenken an die Spaltung der abendländischen Kirche dar. Durch die Besinnung darauf, dass keine der damaligen Konfliktparteien eine Spaltung der Kirche beabsichtigt hatte und insbesondere durch die Einsicht, dass es in der Reformation trotz aller politischen, gesellschaftlichen und biographischer Faktoren, die eine Rolle spielten, um das Evangelium als verpflichtenden Maßstab und als Kraft zur Erneuerung gegangen ist, wurde ein gemeinsamer Weg möglich: Die Freude am Evangelium und die gemeinsame Ausrichtung auf Jesus Christus können wir miteinander feiern.

II) Die Konfessionalisierung, die mit der Reformation einsetzte, brachte es mit sich, dass die eigene Identität als Kirche viel zu oft durch Abwertung der anderen und durch Abgrenzung von ihnen bewahrt wurde. Dies ging bis zu gegenseitiger Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung, vor allem in den Religionskriegen, die sich unauslöschlich im kollektiven Gedächtnis Europas und unserer Kirchen eingegraben haben. Dankbar sind Evangelische in Österreich für die Bitten um Vergebung für das in der Vergangenheit geschehene Unrecht, wie sie etwa der Salzburger Erzbischof Andreas Rohracher im Jahr 1966 unter dem Eindruck des Zweiten Vatikanischen Konzils erstmalig ausgesprochen hat. Die Evangelischen Kirchen haben ihrerseits um Vergebung gebeten, insbesondere gegenüber den Baptisten und Mennoniten als den Nachfahren der im Reformationszeitalter blutig verfolgten Täuferbewegungen. Wir bedauern das Unrecht, dass wir einander getan haben. Heute nehmen wir die Verantwortung für die schuldbeladene Geschichte wahr und hören aufeinander. Wir wissen uns als Kirchen zu Umkehr und Buße gerufen  und suchen nach Wegen der Versöhnung aus dem Geist des Evangeliums.

 III) 2017 ist das erste Reformationsjubiläum im ökumenischen Zeitalter. Auf dem Weg zueinander sind große Fortschritte gemacht worden. Dankbar blicken wir auf die Ergebnisse der zahlreichen ökumenischen Dialoge, das mittlerweile selbstverständliche Miteinander evangelischer und katholischer Christinnen und Christen in Gemeinden und Familien  und auf die vielen Möglichkeiten, gemeinsam unseren christlichen Glauben zu feiern, ihn in der Welt zu bezeugen und damit den Menschen zu dienen. Wir sehen, dass wir einander brauchen und nur miteinander in glaubwürdiger Weise den Reichtum der Gnade Gottes, aus der die Kirche lebt und für die die Kirche steht, vor der Welt leben können. In vielfältiger Weise haben wir einander in unserem Leben als Kirchen bereichern können. Gemeinsam sind uns die Überzeugung und der feste Wille, auf dem Weg zur Einheit voranzukommen und beharrlich an der Überwindung der letzten Hindernisse zu arbeiten. Dass uns bereits heute mehr verbindet und einigt, als uns noch trennt, ist ein weiterer Grund zur Dankbarkeit und ein Anlass, darum zu bitten, dass uns die Verwirklichung der Einheit geschenkt werde.

 IV) Wenn die Christen heute gemeinsam ihr Zeugnis für die Wahrheit des Evangeliums ablegen, leisten sie zugleich einen Beitrag für den Zusammenhalt der Menschheit. Die Kirche ist Werkzeug des dreieinigen Gottes für das verheißene Reich des Friedens und der Gerechtigkeit und zugleich schon hier und jetzt ein sichtbares Zeichen für die Wahrheit dieser Verheißung. Diese Überzeugung lässt uns auch gemeinsam für das friedliche Zusammenleben der Menschen in Österreich, das durch zunehmende Vielfalt geprägt ist, eintreten. Die Botschaft von der freien Gnade und Barmherzigkeit Gottes und von Gottes Ja zu jedem Menschen ist angesichts der heutigen Herausforderungen von besonderer Aktualität. Sie ermutigt uns, gemeinsam für Notleidende und Schutzsuchende einzutreten und die Kräfte der Menschlichkeit zu stärken. Unser gemeinsamer Einsatz für den Nächsten gibt auch dem politischen Gemeinwesen Orientierung für zukünftiges Handeln. Auf diesem Weg haben wir uns mit den Kirchen der Ökumene durch die „Charta Oecumenica“ (2001) und das „Ökumenische Sozialwort“ (2003) aneinander gebunden und miteinander verbunden.   

V) Die Reformation hat der Heiligen Schrift eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Heute halten wir dankbar gemeinsam fest: Das in der Heiligen Schrift bezeugte Wort Gottes ist die entscheidende Orientierung für das Gottes- und Menschenverständnis. Es ist die Quelle aller Wahrheit des Glaubens und Lebens in der Kirche. Für unser Miteinander sei uns ein Wort des Apostels Paulus Ermutigung und Verpflichtung zugleich: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist“ (Epheser 4,2-6).

 

 

Die Österreichische Bischofskonferenz, der Evangelische Oberkirchenrat A. u. H.B. und die Evangelisch-methodistische Kirche loben eine Reise ins Heilige Land für 2 Personen in Form eines Reisegutscheines im Gegenwert von maximal EUR 3.000,- (inkl. USt) wie folgt aus:

 1) Mit dem Preis wird das Konzept für ein im Zeitpunkt der Preisvergabe noch nicht umge­setztes Projekt ausgezeichnet, das im besonderen Maß als Beispiel für gelungene Ökumene im Sinne des Dialogs und der Zusammenarbeit zwischen den auslobenden Kirchen steht. Besonders willkommen sind innovative, aktuelle und modellartig verwendbare Konzepte, die sich an der Förderung von Frieden, Gerechtigkeit, der Bewahrung der Schöpfung oder geistlicher Ökumene orientieren.

2) Der Preis wird von der Österreichischen Bischofskonferenz, dem Evangelischen Ober-kirchenrat A. u. H.B. und der Evangelisch-methodistischen Kirche gemeinsam vergeben.

3.) Die Auswahl des prämierten Projektes erfolgt durch eine Jury. Diese besteht aus drei Personen, wobei jede der auslobenden Kirchen jeweils ein Mitglied entsendet.  

4) Als Bewerberinnen und Bewerber sind Einzelpersonen und Personengruppen zugelassen. Diese sind herzlich eingeladen, das Konzept für ein eigenes, von ihnen entwickeltes, Projekt einzureichen, welches die Bezeichnung und die konkrete Darstellung des Projektes ein-schließlich Umsetzungsvorschlag (höchstens 2 A4 Seiten) sowie eine Kurz-Zusammenfassung zu beinhalten hat. Bewerbungen richten Sie bitte unter dem Kennwort „Auslobung 500 Jahre Reformation“ an folgende Adresse: Gemischt Katholisch-Evangelische Kommission, Severin-Schreiber-Gasse 3, 1180 Wien, Email:

5) Die Frist für die Einreichung der Bewerbungen endet am 16. April 2017 (Ostersonntag). Die Bekanntgabe des prämierten Projektes und die Preisübergabe erfolgen im feierlichen Rahmen  am 1. Juni 2017. Mit Einsendung des Projekts stimmen die Bewerberinnen und Bewerber der Verwertung (Ausführung, Vervielfältigung, Verbreitung, Veröffentlichung, online Zurverfügungstellung, Bearbeitung) des Projekts und der Projektunterlagen durch die auslobenden Kirchen oder von diesen frei zu bestimmenden Dritten zu.

6) Die Auswahl des Reiseveranstalters, bei dem der Reisegutschein eingelöst werden kann, erfolgt durch die auslobenden Kirchen. Eine Barablöse des Reisegutscheines ist nicht möglich. Die Reise wird ausschließlich vom ausgewählten Veranstalter durchgeführt und  erfolgt auf eigene Gefahr, eine Haftung der auslobenden Kirchen ist ausgeschlossen. Gegen sämtliche Entscheidungen der Jury ist der Rechtsweg ausgeschlossen.

 

 

Bischof Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker

Vorsitzender

Evangelischer Oberkirchenrat A. u. H.B.

 

Kardinal Dr. Christoph Schönborn

Vorsitzender

Österreichische Bischofskonferenz

 

Pastor Stefan Schröckenfuchs

Superintendent

Evang.-method. Kirche in Österreich