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Vergiss den Herrn, deinen Gott, nicht

Mit vollen Händen treten wir am Erntedankfest, das in diesen Wochen in den Pfarren gefeiert wird, vor Gott. Es ist ein Fest, das in besonderer Weise den Alltag der Menschen mit dem Glauben an Gott, den Geber aller guten Gaben, verbindet. Das „tägliche Brot“ ist jedoch für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit.

Ein Spätfrost, der Wein, Marillen und andere Obstkulturen schwer in Mitleidenschaft gezogen hat, schwere Hagelunwetter und intensive Regenfälle mit Überschwemmungen und Murenabgängen – wenn wir heuer Erntedank feiern, wird man an diesen Ereignissen, durch die viele Landwirte einen wesentlichen Teil ihrer Ernte und manche Familien sogar ihr ganzes Hab und Gut verloren haben, nicht vorbeikommen. Doch gerade darin wird uns auch bewusst, dass wir in unserem ganzen Leben abhängig sind – von den Gaben der Natur, letztlich aber von Gott, der nach christlichem Verständnis der Schöpfer und Vollender aller Dinge ist.


Erntedank macht aber auch die Verantwortung des Menschen für die immer vielfältigeren Bedrohungen der Umwelt und die Ernährungsgrundlage der ganzen Menschheit bewusst. Und selbst eine überreiche Ernte muss kein Segen sein, wenn die Weltmarktpreise fallen und für den einzelnen Erzeuger unterm Strich praktisch nichts übrig bleibt.
Die symbolische Darbringung der Ernte ist in vielen Kulturen verbreitet. Sie gehört auch in der Bibel zu den ältesten Festen, lange bevor sich die Erfahrung des Exodus aus Ägypten und die Pessach-Feier (Ostern) als zentrale Feiern des Heilsgeheimnisses durchsetzten. Kain und Abel bringen die Erstlingsfrüchte dar, Kain von den Früchten des Feldes, Abel von den Erstlingen seiner Herde (Gen 4).
Das Buch Deuteronomium gibt eine Weisung für die Zeit nach dem Einzug in das Gelobte Land, „ein Land mit Ölbaum und Honig“: „Wenn du dort isst und satt wirst und den Herrn, deinen Gott, für das prächtige Land, das er dir gegeben hat, preist, dann nimm dich in Acht und vergiss, den Herrn, deinen Gott, nicht“ (Dtn 8,10f). Und danken – das weiß auch Jesus – ist nicht unbedingt die große Stärke der Menschen. Von den zehn Aussätzigen, die geheilt werden, kehrt nur einer zurück, um Gott zu danken (Lk 17,11-19).


Erntedank ist „ein beliebtes und doch schwieriges Fest“, wie es im Untertitel einer an der Universität Heidelberg eingereichten akademischen Arbeit heißt. Beliebt, weil es Farbe, Sinnesfreude und Leben in die Kirche bringt, und vor allem, weil die Freude über eine gute Ernte auch gezeigt und mitgeteilt werden will. Nicht zuletzt haben sich die Arbeiter auch einmal Erholung und eine ordentliche Stärkung verdient. Schwierig ist das Fest, weil der Anteil derer, die unmittelbar von der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte leben, stetig zurückgeht. Umso mehr braucht es ein Bewusstsein, dass jede Arbeit, die zum Lebensunterhalt beiträgt, eine „Ernte“ ist, für die es auch zu danken gilt. „Das Erntedankfest ist keine Leistungsschau, auf der gezeigt wird, was wir Menschen zu leisten vermögen. Das Erntedankfest soll uns bewusst machen, wie sehr wir Empfangende sind“, so der Redemptorist P. Alfred Kraxner.

Erntedank und Schöpfungszeit

Eine weitere Schwierigkeit bezieht sich auf die Liturgie, denn Erntedank ist im Kirchenjahr nur sehr lose verankert, ein direkter Bezug zu den Heilsereignissen im Kirchenjahr ist nicht gegeben. Es kann aber als einer der Höhepunkte der „Schöpfungszeit“ gefeiert werden, die seit einiger Zeit am 1. September, dem Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung, beginnt.

Bei vielen Erntedankgottesdiensten werden mit der Erntekrone ein Laib Brot und ein Krug Wein zum Altar gebracht. Diese Gaben stehen mehr als irgendein Produkt der Lebensmittelindustrie für das, was der Mensch selbst von Gott empfängt. Es sind Zeichen, die daran erinnern, dass wir unser ganzes Leben vor Gott bringen, wie das bei der Gabenbereitung in der heiligen Messe der Fall ist. Danksagung ist der Wesenszug einer jeden Messfeier, von dem die zentrale christliche Feier auch ihren Namen hat: Eucharistie. Sie ist vor allem Danksagung für die Erlösung durch Jesus Christus, der sich in den Zeichen von Brot und Wein beim Abendmahl mit den Aposteln und in jeder Eucharistiefeier für uns hingibt. Eine Brücke zum Alltag schlägt das bewusst gesprochene Tischgebet, das zu einer Haltung gelebter Dankbarkeit und Solidarität führen kann.

Brot und Wein sind Symbole für alles, was der Mensch zum Leben braucht. Die Gebete zur Gabenbereitung unterstreichen am Erntedankfest besonders die Anliegen aller, die sich um den Altar zur Eucharistiefeier versammeln. Wir wenden uns an Gott, unseren Herrn und Schöpfer: „Gepriesen bist du, Herr unser Gott, Schöpfer der Welt!“ Denn Gott ist es, der uns beschenkt: „Du schenkst uns das Brot, den Wein, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit.“ Schl