Salesianer Don Boscos – ein Orden im Einsatz für die Jugend

Wolfgang Zarl

Eine weitere Exkursion der Philosophisch Theologischen Hochschule St. Pölten aus Anlass des „Jahres der Orden“ führte im Frühjahr zu den Salesianer Don Boscos nach Amstetten – dort wird eine Pfarr- und Jugendseelsorge im Geiste des heiligen Johannes Bosco gelebt.

Jedes Salesianerhaus sollte Heimat, Spielplatz, Kirche und Schule sein – das sind die Metaphern für das, was uns wichtig ist“, sagt Pfarrer P. Hans Schwarzl von der Amstettner Pfarre Herz Jesu, wo die Salesianer Don Boscos seit 1925 wirken. Ins Leben gerufen wurde die katholische Ordensgemeinschaft 1859 vom Pries­ter Johannes Bosco. „Ich will euch zeitlich und ewig glücklich sehen“, von diesem Wunsch war sein ganzes Leben bestimmt. Unermüdlich trat er Jugendarbeitslosigkeit, Analphabetismus, Kinderarbeit und Ausbeutung junger Menschen entgegen. Mit Vernunft, Liebe und Religion bereitete er die Jugendlichen darauf vor, mitverantwortliche Bürger und frohe Chris­ten zu werden. 1934 wurde Johannes Bosco heiliggesprochen.

Für die Jugend da – bedingungslos

Die Salesianer in Amstetten leben auch heute die Werte und Pädagogik des heiligen Don Bosco und sind sich ihres Auftrages stets neu bewusst: für die Jugend da zu sein – bedingungslos, so auch in Amstetten. Pfarrer P. Hans Schwarzl sagt: „Vieles von dem, was Don Bosco gesagt hat, ist auch heute noch absolut gültig.“ Was damals in Turin geschah, fand eine weltweite Fortsetzung: Die Salesianer siedelten sich dort an, wo die Not am größten war – so kamen sie auch nach Amstetten. Gerade in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg fanden junge Menschen im Don Bosco Heim eine Zufluchtsstätte, wurden mit Essen versorgt, konnten dort sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Die vielen „Ehemaligen“ sind ein sichtbares Zeichen dafür. Sie bilden eine starke Gemeinschaft in der Pfarre und da zeigt sich auch viel Dank für das Wirken der Salesianer. Ein Beispiel dafür ist Christian Winkler, der jährlich einen großen Bücherfloh­markt organisiert. Der Erlös kommt dem Heim zugute. Auch viele Andere arbeiten ehrenamtlich mit oder sponserten z. B. eine Lautsprecheranlage für die Kirche und eine neue Bestuhlung für den Pfarrsaal.
In den letzten Jahren hat sich im Don Bosco Heim eine neue Zielgruppe entwickelt. Die meisten Heimbesucher haben Migrationshintergrund oder kommen aus ärmlichen Verhältnissen. „Und wir stehen dazu. Denn das sind die aktuell Bedürftigen von heute und entsprechen so unserem Grundauftrag“, betont Pfarrer P. Hans. Sowohl das Heim, wie auch der Sportplatz erweisen sich als Ort der Begegnung und auch der Integration. Ein gutes Team ist für die jungen Menschen da und bietet ein abwechslungsreiches Programm, jetzt aktuell bringen sie sogar ein Theaterspiel zur Aufführung. Gleichzeitig bleibt die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen aus der Pfarre ein Hauptanliegen. Und da spielt sich im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder etwas ab. So werden Spiel- und Sportveranstaltungen für Minis­tranten und Jungschar organisiert.

Aktuelle Herausforderungen

Mit den aktuellen Herausforderungen der Zeit sind die Salesianer Don Boscos freilich auch konfrontiert. Die Pfarre Herz Jesu hilft bei der derzeitigen Flüchtlingswelle auf ihre Weise mit: So werden seit zwei Jahren für Migrantinnen Nähkurse angeboten, die Räumlichkeiten stehen für Sprachkurse offen. Ein Team von etwa 40 Mitarbeitern bietet Kindern vor allem Sprachförderung und Lernhilfen. Immer wieder kommen auch Hilfe Suchende aus dem In- und Ausland.
Zur Pfarre gehört auch die Filialkirche St. Agatha in Eisenreichdornach. Diese aus dem 9. Jahrhundert stammende Kirche zählt zu einer der ältes­ten in Niederösterreich und wurde kürzlich mit großem Einsatz engagierter Mitarbeiter revitalisiert. Ein weiterer besonderer Ort innerhalb der Pfarre ist das „Ybbsheim“ in Greimpersdorf –  und seit Jahrzehnten betreuen Mitbrüder auch die Pfarre Winklarn.
Neben P. Hans gehören der Gemeinschaft auch der beliebte Beichtvater P. Johann Stockinger, Direktor P. Josef Pucher, der u. a. auch stark in der Seniorenseelsorge engagiert ist, P. Franz Kniewasser, Geistlicher Assis­tent der St. Pöltner Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung, und der fast schon legendäre „Sportpriester“ Roman Stadelmann an. Der 89-jährige versetzt immer wieder in Erstaunen, geht er doch nach wie vor regelmäßig mit den Ministranten Fußball, Basketball oder Tischtennis spielen. P. Leopold Muttenthaler betreut die Pfarre Winklarn. Daneben helfen die Salesianerpatres auch viel in andern Pfarren oder im Amstettner Krankenhaus als Seelsorger aus. Immer wieder nehmen Jugendliche aus der Diözese St. Pölten auch die Chance der salesianischen Jugendbewegung „Jugend Eine Welt“ wahr, um bei einem Auslandsvolontariat bei Entwicklungsprojekten der Don Bosco-Schwestern in Lateinamerika, Asien oder Afrika mitzuarbeiten.

Einer der größten Orden weltweit

Weltweit wirken heute rund 16.000 Salesianer Don Boscos, dazu 13.500 Don Bosco-Schwestern, 35.000 Salesianische Mitarbeiter und 200.000 Ehemalige Don Boscos. Das macht den Orden zu einem der größten der Weltkirche. Seit über 100 Jahren sind die Salesianer Don Boscos in Österreich vertreten. In der Ordensprovinz leben und arbeiten derzeit 76 Salesianer in zehn Ordensniederlassungen. Sie betreuen u. a. in Unterwaltersdorf ein Gymnasium, leiten Pfarren, Kindergärten und Jugendzentren, führen ein Jugendbildungshaus, Studierenden- und Schülerwohnheime und laden in ihrer Jugendbewegung zu zahlreichen Freizeitaktivitäten und religiösen Angeboten ein. Die Gesamtleitung der Ordensprovinz obliegt Provinzial Pater Petrus Obermüller SDB.
In der Diözese St. Pölten wurden die Salesianer Don Boscos 1917 vom damaligen St. Pöltner Diözesanbischof Johannes Baptist Rößler angeworben. 1924 bezogen die ersten ihr Quartier in der Preinsbacherstraße in Amstetten. In der Nazi-Zeit mussten die Ordensleute Amstetten verlassen. Ende des Krieges wurde die erst 1925 fertiggestellte Herz-Jesu-Kirche durch einen Bombenangriff schwer beschädigt. Der 20. März ist im Gedenken an diese Zerstörung der Anbetungstag der Pfarre. Sonja Planitzer