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Sakrale Ausstattungen zwischen Kult und Kunst

Ferdinand Bertl

Unter dem Titel „Kirche und K... – Sakrale Ausstattungen zwischen Kult und Kunst“ ist die heurige Sonderausstellung des Diözesanmuseums St. Pölten den Typen und Formen des sakralen Kunstgutes gewidmet.

Die lebensgroße Christusfigur aus der Zeit um 1700 mit dem Kelch ist von vorne betrachtet nicht wirklich außergewöhnlich. Auf der Rückseite allerdings verbirgt sich eine Tür, die zu einem Hohlraum führt. Vermutlich verbarg sich dahinter einst eine Vorrichtung, die das „Blut Chris-ti“ durch die Öffnungen der Wunden in den Kelch fließen ließ. „Theatrum sacrum“ („heiliges Theater“) in der Zeit des Barock, wie es eine Mitarbeiterin des Museums beschreibt. Die bildliche Darstellung der christlichen Heilsgeschichte unter Einbeziehung „theatralischer“ Effekte sei damals vielfach üblich gewesen. Dahinter stand das Bemühen, angesichts des zu jener Zeit noch hohen Anteils von Analphabeten in der Bevölkerung die Heilslehre auch unmittelbar visuell-sensitiv zu vermitteln.
Die Figur ist nur eines von zahlreichen interessanten Objekten, die im Rahmen der Ausstellung zur Schau gestellt werden. In erster Linie wird die historische Entwicklung von „zum Gottesdienst gehörenden Dingen“ vorgestellt und mit signifikanten Beispielen aus den Beständen des St. Pöltner Diözesanmuseums und seiner Depots veranschaulicht. Ihre Verwendung in der alten und der durch die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils erneuerten Liturgie, die manche der sakralen und liturgischen Objekte vielfach funktionslos machte, wird dabei thematisiert.
Vorgestellt werden unter anderem die vom Ritus bestimmten Typen der Sakralarchitektur und die darauf bezogenen Ausstattungen sowie die im Laufe der Jahrhunderte erfolgten Änderungen im Kirchenraum und an seinen Bauelementen. Auch die großen prägenden Änderungen durch das Tridentinische (1545-1563) und das Zweite Vatikanische (1962-1965) Konzil mit ihren Auswirkungen auf das sakrale Kunstgut werden dargelegt. Die in der Ausstellung gezeigten Objekte geben Einblick in das reiche liturgische und inhaltliche Programm kirchlicher Ausstattungen sowie ihrer formalen und stilistischen Ausprägung.
„Am Beispiel des imposanten barocken Altarmodells von Joseph Matthias Götz für die Kremser Piaristenkirche werden Funktionen und Formelemente der für viele Kirchen unseres Bundeslandes typischen vorkonziliaren Altäre, ihre Aufbauten und Bestandteile äußerst anschaulich präsentiert“, so der Direktor des Museums und Diözesankonservator Dr. Wolfgang Huber. An Hand von Altarskulpturen, Reliquiaren, Kanontafeln und Leuchtern, der dazugehörigen Altarwäsche und einigen Altarbildern wie der beeindruckenden großformatigen Taufe Jesu des „Kremser Schmidt“ kann das ganze Instrumentarium barocker Sakralkunst nachvollzogen
werden.

Von der Verwahrlosung bis zur Restaurierung


In einem weiteren Abschnitt werden liturgische Funktion und Inhalt eines Tabernakels vorgestellt und davon ausgehend auch die anderen für die Liturgie zentralen Geräte, wie Kelche und Monstranzen sowie für die Eucharistie bestimmte Paramente und ihre kultische Bedeutung. Auch Gegenstände der Volksfrömmigkeit und des Wallfahrtswesens wie Prozessionsfahnen werden präsentiert.
Der frühere Umgang mit den Objekten selbst, der von Verwahrlosung bis zu restauratorischen Maßnahmen reicht, wird durch das in den Museumsräumen eingerichtete Schau-
depot nachvollziehbar. So wird auf Aspekte der Erhaltung sakralen Kunstgutes sowie seiner Aufbewahrung übergeleitet und dieser Themenbereich mit der Vorstellung der aktuellen Aufgaben des Museums veranschaulicht.

Das Diözesanmuseum und sein Gründer


Ein Bereich der Sonderausstellung erläutert die Geschichte des im Jahr 1888 gegründeten St. Pöltner Diöze-sanmuseums als älteste derartige Institution in Österreich, wobei sowohl die gesellschaftlichen, kulturellen und kirchenpolitischen Hintergründe als auch die Person und die Motivationen des Museumsgründers Prof. Kan. Johannes Fahrngruber eingehend dargestellt werden.
Das Diözesanmuseum in St. Pölten befindet sich im ersten Stock des ehemaligen Klosterkreuzganges. Unter der Patronanz des christlich-religiösen Kunstvereins in Niederösterreich erlebte es in seinen Anfängen eine reiche und vielfältige Sammeltätigkeit, wobei die Bestände von archäologischen Funden über historische Dokumente, Münzen und Medaillen bis zu Objekten der Malerei, Plastik und Kleinkunst aus allen Epochen reichen. Schwerpunkt der umfangreichen  Sammlung ist die sakrale Kunst, die in ihrer gesamten Vielfalt – von Skulpturen, Gemälden, Altären, liturgischen Geräten und Kleidern – präsentiert wird. In den Anfangsjahren war das Museum in den Räumen der ehemaligen Stiftsbibliothek untergebracht, mittlerweile wurde es um einige Räume erweitert. In die Ausstellungsräumlichkeiten eingegliedert sind auch die Bibliothek des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes mit Deckenfresken von Paul Troger und Daniel Gran sowie die nach dem ersten St. Pöltner Bischof benannte „Kerens-Bibliothek“. Ferdinand Bertl