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Orden – Gott auf verschiedene Weise sein Leben weihen

Ing. Christina Maria Hochleitner vom Säkularorden Madonna della strada

Die Exkursion der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten aus Anlass des „Jahres der Orden“ führt am 21. Mai nach Langschlag, wo sich die Eremitengemeinschaft des hl. Chariton und das Säkularinstitut Madonna della Strada den Exkursionsteilnehmern vorstellen werden.

 

Verborgen im Hochmoor des Waldviertels, gleich neben der Quelle des Großen Kamp, lebt eine kleine Ansiedlung von Eremiten im byzantinischen Ritus – die Eremitengemeinschaft des hl. Chariton. Deren Berufung und Leben, tief beheimatet in der Kirche, ist heute kaum mehr bekannt. Allenfalls ranken sich Klischees drumherum.
Die vier EremitInnen der „Lavra Lej da Christgarten“ –  drei Frauen (Monialen) und ein  Mönch – führen dort ein zurückgezogenes Ordensleben, sorgen für ihren Lebensunterhalt durch Handarbeiten, sind katholisch, aber feiern die Liturgie im byzantinischen Ritus.


Ein uralter christlich-mönchischer Weg

Die Mitglieder der Lavren leben nach den Regeln des hl. Chartion. Auf den ersten Blick scheinen sie einen innovativen Weg zu gehen. Doch es handelt sich um einen uralten christlichen mönchischen Weg. Geschichtlich reicht diese frühe Form des Mönchtums, der Lavre, bis in die Anfänge der Christenheit zurück. Abbas Chariton (1. Hälfte des 4. Jahrhunderts in Paläs­tina) gilt als Begründer des geregelten mönchischen Lebens. Er war auch der erste, der seine Schüler das Jesusgebet lehrte und somit den Beginn einer großen Tradition setzte. Sein Erbe ist vor allem in den Kirchen des Ostens lebendig. Nun treibt der tief wurzelnde Stock im Abendland eine neue Blüte. Im deutschsprachigen Raum hat sich die Gemeinschaft erst im Jahre 2002 auf den Weg zur Gründung gemacht, berichtet Sr. Rebekka, „Higoumena“ (Leiterin) der Eremitengemeinschaft des hl. Chariton.
Die Gebetszeiten sind es, die den Tag klar strukturieren. Sieben Mal am Tag richten die Eremiten ihre Aufmerksamkeit ganz auf Gott hin. Morgens und abends tun sie dies gemeinschaftlich – und öffentlich. Was dann noch vom Tag übrig bleibt, wird genutzt, um für den Lebensunterhalt zu sorgen. Das Geldverdienen wird über das Atelier in der Gold- und Silberschmiede bestritten. Es entstehen im narrativen Design Schmuckobjekte, die die Gleichnisse und Botschaften Jesu im ausgeschmiedeten Metall zum Inhalt haben, zumeist ist es Silber. Sr. Rebekka, die ursprünglich die Restauration von kirchlichen Geräten erlernte, ist Meisterin des Faches.
Die Mitglieder der Lavra verbringen ihre Tage ansonsten im Schweigen. Nur am Sonntag ist Gemeinschaftstag, die Synaxe – dann werden Erfahrungen ausgetauscht, Rat und Unterstützung gegeben, gemeinsam gekocht, gegessen und gelacht. Ein wichtiger Grund, das Schweigen zu unterbrechen, sind auch Besuche von außen – denn die Türen sind für Besuche von außen stets offen und die Schwestern sind bereit zum Zuhören. Auch ein Mitleben auf Zeit ist möglich, sei es für Tage oder Monate.

Das Säkularinstitut Madonna della Strada

Am 21. Mai wird sich in Langschlag auch das Säkularinstitut Madonna della Strada, das auch in der Diözese St. Pölten mit Mitgliedern vertreten ist, vorstellen. Der Orden feiert heuer sein 80-jähriges Bestehen. 1936 gründeten Pater Carl Dinkhauser SJ und Maria Elisabeth Strachotinsky in Steyr die Gemeinschaft, die die ignatianische Spiritualität zur Grundlage hat. Bereits 1939 anerkannte Kardinal Innitzer das Säkularinstitut als „Pia Unio“ und 1948 wurde es aufgrund eines päpstlichen Dekrets „Provida Mater Ecclesia“ zu einem Säkularinstitut (weltliches Institut, mit bewusstem Verzicht auf den Schutz durch ein Ordenshaus) diözesanen Rechtes, ab diesem Jahr wurden von den Mitgliedern die drei Gelübde – Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen, Gehorsam und Armut – abgelegt. 1953 wurde die Gemeinschaft ein Institut päpstlichen Rechts.
Die ersten Mitglieder kamen fast alle aus der Marianischen Kongregation. Es waren berufstätige, unverheiratete Frauen, die als Zeuginnen des Glaubens in der Welt stehen und dieses Zeugnis besonders an ihrem Arbeitsplatz ablegen wollten und wollen. Bis heute gilt: Jedes Mitglied im Säkularinstitut legt nicht nur die drei Gelübde ab, sondern lebt sein eigenes Apostolat – zugeschnitten auf die eigenen Begabungen und Charismen. Es gibt keine gemeinsamen Werke.
Wie Ing. Maria Christine Hochleitner, Generalleiterin des Säkularinstituts erklärt, ist der Weg in die Gemeinschaft ein langer. Nach einem Einführungsjahr und zwei Probejahren erfolgt die „Erste Hingabe“, die in der Folge fünf Mal erneuert wird. Erst nach neun Jahren wird die „Ewige Hingabe“ gefeiert. Zur Spiritualität des heiligen Ignatius gehören, so Hochleitner, Gott in allem zu suchen und zu finden sowie in der Aktion auch die Kontemplation zu leben. „Das bedeutet, die Arbeit auch zum Gebet werden zu lassen, was natürlich nicht das Morgen-, Mittags- und Abendgebet ersetzt. Der tägliche Gottesdienstbesuch ist die Kraftquelle für das geistliche Leben in der Welt.“
Wichtig für die allein lebenden Mitglieder des Säkularinstitutes sind die regelmäßigen Gemeinschaftstreffen und Gespräche mit einer Mitschwester, der sie Rechenschaft ablegen. „Dadurch wird sichergestellt, dass die Mitglieder nicht vereinsamen, im geistlichen Leben wachsen und im begleitenden Gespräch geübt bleiben“, sagt die Generalleiterin.

Wirken für das Reich Gottes,Brücken zur Kirche bauen


In Österreich gehören dem Säkularinstitut heute 46 und weltweit 117 Mitglieder an, die auf die einzelnen Kontinente aufgeteilt sind. In Zukunft will man vermehrt auch als Säkularinstitut öffentlich auftreten – so wie beim feierlichen Fest anlässlich des 80-jährigen Bestehens in Steyr im Februar. „Unsere Zeit kommt erst“, ist Maria Christine Hochleitner überzeugt. „Die Menschen gehen heute immer seltener zum Got­tesdienst, so dass sie mit der Frohen Botschaft unseres Glaubens nicht mehr in Berührung kommen. Sie verstehen oft die Sprache der Kirche nicht mehr und wenden sich daher immer mehr ab. Wir leben mitten unter den Menschen, gehen auf sie zu und versuchen durch unser Leben für die Schönheit unseres Glaubens Zeugnis zu geben.“