Mit Schultasche und Segen

Die Ferien sind zu Ende, das Schuljahr beginnt – ein Übergang, den viele mit Freude, manche aber auch mit Sorge sehen. Ein Segen der Eltern oder Großeltern kann vielleicht zu einem guten Start ins neue Schuljahr beitragen.

Die meisten Schulanfänger freuen sich auf den allerersten Schultag und treten den ersten Schulweg mit Wissbegierde, Stolz und Neugier an. Und auch die älteren Kinder denken gerne daran, dass sie bald wieder ihre Schulfreunde treffen werden. Bei den Eltern ist die Freude oft gemischt mit Sorge. Wird das Kind mithalten können? Wird es mit der Lehrerin und den Mitschülern gut zurechtkommen? Die Kinder betreten nun (wieder) eine Welt, die den Eltern ein Stück weit verschlossen bleibt. In der Schule werden die Kinder Teil einer vielfältigen Kinder-Gesellschaft, in der Gleichaltrige aus unterschiedlichen Familien mit je eigenen Wertevorstellungen, manchmal auch aus unterschiedlichen Herkunftsländern aufeinandertreffen.

Gerade für solche Übergänge in einen neuen Lebensabschnitt oder in eine neue Situation kennt die Bibel den Segen. Jesus segnet seine Jünger, bevor er sie verlässt (Lk 24,50-51). Im Alten Testament bekommt Abraham, bevor er ins Unbekannte loszieht, die Zusage von Gott: „Ich werde dich segnen und deinen Namen groß machen.“ (Gen 12,2). Mit dem Wort „Segen“ ist in der Bibel etwas Grundlegendes und Umfassendes gemeint. Er bewirkt „Schalom“: Frieden, Wohlergehen, Leben in Fülle. Die Bibel spricht nicht nur oft vom Segen Gottes, sie lädt die Menschen auch ein, selbst andere zu segnen. „Vergeltet nicht Böses mit Bösem noch Kränkung mit Kränkung! Stattdessen segnet; denn ihr seid dazu berufen, Segen zu erlangen“ (1 Petr 3,9).

Wenn Eltern für ihr Kind den Segen Gottes erbitten, dann bitten sie nicht nur um Schutz vor Gefahren. Sie lassen es auch Anteil haben am eigenen Glauben und am eigenen Vertrauen auf Gott, indem sie Gott alles zutrauen und von ihm alles erwarten. Sie übergeben das Kind der Obhut Gottes und sagen ihm seine Liebe zu. Ein Stück weit können sie die elterliche Verantwortung an Gott übergeben, der das Kind auf seinen Wegen beschützen soll.
Die hebräische Wortwurzel für Segnen „brk“ bedeutet eigentlich „ansehen“. Das griechische Wort für Segnen „eulogein“ und das lateinische „benedicere“ bedeuten „Gutes sagen“. Beide Aspekte kommen im Segen zusammen: Da wird jemand angesehen, als Person wahrgenommen, und es wird Gutes über ihn gesagt.
Manchmal besteht der Segen „nur“ aus einem Zeichen ohne Worte, zum Beispiel einem Kreuzzeichen auf die Stirn, oder einem stillen Segnen, wenn wir einem anderen – betend – den Segen zusprechen. Auch mit einem liebevollen Blick kann man segnen. Kindern kann man auch ein „Gott segne dich!“ oder einen anderen Segensspruch mit auf den Weg geben.
Vor dem Schulanfang werden in vielen Pfarren Kinder gesegnet; in der Dompfarre St. Pölten gibt es dafür einen eigenen Segnungsgottesdienst. Jedes Kind einzeln zu segnen, diese Aufgabe hat Bischofsvikar Gerhard Reitzinger dabei schon des öfteren übernommen. „Segnen heißt für mich, das Gute dem anderen zu sagen und es zu bekräftigen“, erzählt er. „Ich setze ein Zeichen und stehe dafür ein: Du bist behütet. Du bist nicht alleine – jetzt nicht und auch in Zukunft nicht.“ Über das Segnen sagt er weiter: „Ja, es ist die Aufgabe, die wir als Christen haben: Zu segnen und zum Segen zu werden für andere.“ Patricia Harant-Schagerl