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„Mein Kind will nicht üben …“

Das Üben mit dem Musikinstrument macht manchmal Freude, manchmal nicht. Die Musikpädagogin Hemma Geitzenauer gibt Tipps, wie Kinder die Freude am Musizieren (wieder-)finden und wie Eltern ihre Kinder dabei unterstützen können.

Monat für Monat bezahlt man die Musikstunden und scheut nicht Zeit noch Mühe, das Kind zum Unterricht zu bringen. Und dann will es nicht üben! Nur unter viel Zuspruch und mit ein wenig Druck lässt sich der Nachwuchs dazu bewegen, das Instrument zu ergreifen. Der Fortschritt im Musizieren hält sich natürlich auch in Grenzen. Lohnt sich da die elterliche Mühe überhaupt? Oder mangelt es etwa am musikalischen Talent des Kindes?
Die Musikpädagogin und Musikerin Hemma Geitzenauer, die an der Musikschule St. Pölten Blockflöte unterrichtet, kennt die ganze Bandbreite an schülerischem Fleiß. Sie ist sich sicher: „Wenn Kinder nicht üben wollen, dann hat das nicht unbedingt mit mangelndem Talent zu tun. Wichtig ist vor allem, dass sie Freude empfinden.“

Die Wahl des Musikinstruments

Die Wahl des Instruments ist natürlich wichtig, damit das Musizieren später Freude bereitet. Hemma Geitzenauer rät, sich nicht gleich für ein bestimmtes Instrument zu entscheiden, sondern zunächst einmal grundsätzlich zu schauen, welche Art der Tonerzeugnung dem Kind Spaß macht: an einer Saite zupfen, auf eine Taste zu drücken oder in ein Instrument zu blasen. „Die Vorliebe für die Art der Tonerzeugnung sollte als Erstes gefunden werden“, so Geitzenauer.
Wichtig für das Musizieren seien auch Vorbilder in der Familie. Wenn die Eltern, andere Verwandte oder Schulfreunde Musik machen, dann haben die Kinder eine höhere Motivation, es ihnen nachzutun. Vorbilder sind ebenso die Musiklehrer/innen selbst, die gemeinsam mit den Kindern musizieren. Der Faktor Gemeinschaft motiviert zusätzlich: In einem Musikverein, einem Ensemble oder einer Band macht es mehr Spaß und die Motivation, besser zu werden, steigt.
Um das Instrument technisch immer besser beherrschen zu können, braucht es ein regelmäßiges Training. Das Üben macht manchmal Spaß, manchmal ein bisschen und manchmal gar nicht.

Jüngere Kinder brauchen die Unterstützung der Eltern

Die Eltern können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass ihr Kind das selbstständige Üben lernt, weiß Hemma Geitzenauer, denn in den ers­ten Jahren brauche es noch die Begleitung und Motivation der Eltern. Allzu großer Ehrgeiz könne viel Motivation zerstören, aber auch die Einstellung: „Das ist die Angelegenheit meines Kindes, da mische ich mich nicht ein“, wirke nicht gerade förderlich.
Druck erzeugt sehr oft Widerstand. Besser ist es, das Kind positiv zu motivieren. Das kann einerseits durch konkret formuliertes Lob geschehen – „Das hast du jetzt schön gespielt!“ – oder durch Ermunterung wie: „Zeig mir mal, was du schon kannst!“, oder „Spiel mir doch bitte was vor!“ Die kleinen Musikschüler brauchen innerhalb der Familie Anerkennung dafür, was sie leis­ten.
Hilfreich sind weiters, so Geitzenauer, ein eigener Platz für das Üben sowie für Notenständer und Instrument und für die Anfänger auch die praktische Unterstützung der Eltern beim Aus- und Einpacken der einzelnen Utensilien.
„Jedes Kind hat Talent für Musik“, ist die Musikpädogin überzeugt. Es gäbe viele Zugänge zur Musik – etwa über den Rhythmus oder das Zu­hören – und viele verschiedene Arten von Musik. Die Freude am sinnlichen Betätigen des Instruments sei für den Musikschüler wichtig, die Freude, einen Ton zu erzeugen. „Viele Kinder, auch die nicht so fleißigen, strahlen beim Spielen Freude aus.“
Die Eltern sollten auch nicht in zu kurzfristigen Zielen denken, wie etwa im Hinblick auf Prüfungen oder Abzeichen, denn ein „Erfolg“ stelle sich oft erst in der Zukunft ein. „Kinder lernen in Schüben – manchmal wenig, dann wieder recht schnell.“ ph