Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

Mein Engagement im Pfarrgemeinderat

Am 19. März 2017 findet die nächste Pfarrgemeinderatswahl statt – in unseren Pfarren laufen die Vorbereitungen dafür bereits an.

Alle fünf Jahre wird in Österreich ein neuer Pfarrgemeinderat gewählt. Nach dem Motto „Ich bin da.für“ sind österreichweit die Vorbereitungen für die nächsten Pfarrgemeinderatswahlen am 19. März 2017 angelaufen. Es gilt, die Wahl organisatorisch gut vorzubereiten und neue, sowie bestehende Pfarrgemeinderäte für das Amt und für ihr Engagement für die Menschen in der Pfarre zu gewinnen – ganz nach dem Motto der PGR-Wahl: „Ich bin da.für“.

Der Pfarrgemeinderat ist Ausdruck einer lebendigen Kirche vor Ort und hat sich vielfach bewährt. Es sind die vielen kleinen und großen Taten, die einen wesentlichen Beitrag für ein gutes Miteinander in den Pfarren und Gemeinden leisten. Angefangen vom Lektorendienst bei den Gottesdiens­ten, über die Mitarbeit bei Veranstaltungen und Festen bis hin zur Versorgung von Flüchtlingen – in vielen Pfarren übernehmen nicht nur, aber gerade die Pfarrgemeinderäte in ihrer Freizeit diese Aufgaben.
Kirche bunt hat einige Pfarrgemeinderäte in der Diözese St. Pölten befragt, was ihnen ihr Engagement im Pfarrgemeinderat bedeutet und wie sie die letzten Jahre in dieser Aufgabe erlebt haben.


Hubert Höchtl, 56, PGR Echsenbach: Ich bin schon lange Pfarrgemeinderat und habe das immer gern gemacht. Ich habe in dieser Funktion natürlich auch die eine oder andere Herausforderung erlebt, aber vor allem habe ich viele positive Erfahrungen gemacht. Denn als Pfarrgemeinderat kann man sich voll einbringen und vieles in der Pfarre mitgestalten. Wir sind ein gutes Team und haben gemeinsam vieles weiter entwickelt und so dazu beigetragen, dass die Pfarre lebendig bleibt.

Irmgard Prager, 49, PGR St. Martin im Waldviertel: Grundsätzlich bin ich gerne Pfarrgemeinderätin, weil ich so auf meine Weise Gott dienen kann. Seit zwei Jahren arbeite ich aber Vollzeit, daher werde ich mich für die nächste Wahl nicht mehr aufstellen lassen. Ich habe in der Pfarre aber auch andere Funktionen übernommen, wie z. B. Wortgottesdienstleiterin oder Kommunionspenderin. Diese Aufgaben erfülle ich, wenn man mich braucht, auch weiterhin sehr gerne.

Dr. Renate Witzani, 67, PGR Hofstetten-Grünau: Für mich ist es eine Herzensangelegenheit, Pfarrgemeinderätin zu sein. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, dass wir in der Liebe zum Menschen die Jesusnachfolge zum Ausdruck bringen – nicht nur innerhalb der Pfarrgemeinde, sondern im ganzen Ort. Wir nehmen teil am Leben der Menschen, an ihrer Freude und ihrem Leid. Ich werde auch im März wieder zu den Wahlen antreten. Das ist meine dritte Periode und dann höre ich, wie es in der Pfarrverordnung vorgesehen ist, damit auf.

Judith Zehetgruber, PGR St. Pölten-Spratzern: Ich denke, die Kirche ist eine Gemeinschaft aus vielen ganz unterschiedlichen Menschen jeder Herkunft – auch jungen Menschen. Ich möchte speziell diesen Mitgliedern mein Gesicht geben, sodass es für sie leichter wird, sich als ChristInnen zu identifizieren. Die Pfarre ist ein Ort, wo man sich geborgen fühlt. Als Pfarrgemeinderätin möchte ich zu einem guten Klima und zu einem lebendigen Pfarrleben beitragen.

Samuel Ziselsberger, 19, PGR Herzogenburg: Es ist schon nett, wenn man als Pfarrgemeinderat in die Pfarre eingebunden ist. Mir haben besonders die Zeiten gefallen, wo ich mich aktiv einbringen konnte, wie z. B. vor den großen Festen. Die Sitzungen waren manchmal lang – aber da muss man durch.

Mag. Andrea Hammerer, PGR Sindelburg: Mir liegt viel an unserer Kirche und als Pfarrgemeinderätin wollte ich ein bisschen dazu beitragen, dass sich unsere Kirche und unsere Pfarre positiv entwickelt. Wir versuchen das Pfarrleben so zu gestalten, dass für jeden etwas dabei ist. Für Jung und Alt. Meine Erfahrungen als Pfarrgemeinderätin sind sehr positiv, zum Teil hatten wir aber viel zu tun.

Johann Burmetler, 78, PGR Frankenfels: Ich bin seit Jahren im Pfarrgemeinderat und auch wenn es manchmal viel zu tun gibt,  empfinde ich es als schöne Aufgabe, weil wir eine gute Gemeinschaft haben und zusammenhalten Für die Pfarre konnten wir vieles bewirken.

 

„Wir brauchen gute Leute“

Peter Haslwanter, Leiter des Bereichs Pfarre und Spiritualität in der Diözese St. Pölten und verantwortlich für die PGR-Wahlen in der Diözese St. Pölten, im Interview mit Kirche bunt.

Welche Bedeutung haben Pfarrgemeinderäte?
Peter Haslwanter: Pfarrgemeinderäte sind das Rückgrat und der Knotenpunkt des freiwilligen Engagements der Kirche. Durch ihren Einsatz gestalten sie aktiv das kirchliche und gesellschaftliche Leben mit. Ohne ihren Einsatz wäre in vielen Pfarrgemeinden weder die Seelsorge noch die Erhaltung der pfarrlichen Infrastruktur möglich. Gemeinsam mit den Pries­tern nehmen sie die Lebens­umstände der Menschen in der Pfarre wahr – deuten diese im Licht des Evangeliums und handeln danach.

Warum wurde für die Wahl „Ich bin da.für“ gewählt?
Peter Haslwanter: Das Motto stützt sich auf das biblische Gotteswort „Ich bin da“ (Ex 3,14). Gott verspricht seine heilsame Nähe. Engagierte Frauen und Männer, die sich für ein lebendiges Pfarrleben einsetzen, leben aus dieser Zusage Gottes und dem Rückhalt der Pfarrbevölkerung. Sie sind da – für die Pfarre und für alle Menschen, die da leben. Würden diese Engagierten in der Pfarre fehlen, könnte die Kirche ihrem Auftrag nicht nachkommen.

Wie gewinnt man engagierte Menschen für den PGR?
Peter Haslwanter: Meist ist es so, dass rund 50 Prozent der „alten“ Pfarrgemeinderäte im Amt bleiben und rund 50 Prozent neu dazu kommen. Das ist auch gut so, denn die Pfarre braucht erfahrene und weise Menschen, aber auch neugierige, mutige und erfrischende Personen. Es ist wichtig, dass man jetzt in den Pfarrgemeinderatssitzungen überlegt: Welche Leute sprechen wir gezielt und bewusst an? Und es ist wichtig, dass man sich in den Pfarren weit öffnet und signalisiert: Wir sind für alle da und wir brauchen gute Leute – mit ihren Talenten, Ideen und mit ihrem Engagement.

Was bringt es, sich als Pfarrgemeinderat zu engagieren?
Peter Haslwanter: Mir ist natürlich bewusst, dass es heute für viele Menschen – mit all den Verpflichtungen, die man so hat – nicht so einfach ist, sich für so ein Engagement freizumachen. Wenn man aber trotz aller Einwände sagt: „Ich bin dafür“ – dann wird man feststellen, dass dieses Engagement in der Pfarre ein großer Gewinn sein kann – auch für sich selbst. Wie erfüllend ist es z. B., wenn man eine Aufgabe findet, von der man schon öfter gedacht hat, dass es gut wäre, wenn diese jemand anpacken würde. Wenn es z. B. darum geht, dass die Kinder in der Liturgie einen Platz haben, dass es für junge Familien in der Pfarre einen Ort und eine Zeit des Zusammentreffens gibt und vieles andere mehr. Man sollte sich überraschen lassen.

 

Fakten zur PGR-Wahl

Der Pfarrgemeinderat (PGR) ist eine Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils, das die gemeinsame Verantwortung aller Getauften in der Kirche neu betonte. Der PGR wird alle fünf Jahre in den Pfarren gewählt. Seine Aufgabe ist es, in allen Fragen, die die Pfarrgemeinde betreffen, beratend und umsetzend mitzuwirken. Der PGR setzt sich zuammen aus den amtlichen (z. B. der Pfarrer, der den Vorsitz inne hat), den gewählten und den berufenen Mitgliedern. In der Diözese St. Pölten gibt es in 420 Pfarren ca. 8.000 Pfarrgemeinderäte.

Wahlberechtigte: Von den 710.000 Einwohnern in der Diözese St. Pölten sind rund 500.000 Katholiken, von diesen sind rund 390.000 (gefirmte) Katholiken wahlberechtigt.

Brief des Bischofs: Mit einem Schreiben hat Bischof DDr. Klaus Küng die Pfarrer aufgerufen, ehzeitig mit den Vorbereitungen zu beginnen. Küng: „Es ist gut, schon jetzt damit zu beginnen, den Weg für den Pfarrgemeinderat 2017 – 2022 durch offene Gespräche vorzubereiten: Sprecht in der Pfarre, im Pfarrverband und im Dekanat miteinander darüber und ermutigt Euch gegenseitig. Weitet den Blick auf die Herausforderungen und auf die vielen Menschen, die zum Engagement bereit sind, wenn sie eine Aufgabe sehen, die ihnen als wichtiger Beitrag für die Pfarrgemeinschaft erscheint.“

Impulsabende in den Dekanaten: Als Auftakt zur Wahlvorbereitung finden derzeit in allen Dekanaten PGR-Vorstandstreffen statt – eingeladen sind/waren dazu auch alle vorgeschlagenen Personen und Interessierten.

Wahlordnung: Gewählt wird nach der Wahlordnung wie sie in der Pfarrordnung steht. Die Wahl kann nach folgenden zwei Modellen erfolgen: Kandidatenliste oder Urwahl. Bei der Kandidatenliste sind die Namen von jenen Pfarr­angehörigen aufgelistet, die sich im Vorfeld bereit erklärt haben, zur Wahl anzutreten. Sie kann man durch das Ankreuzen ihres Namens wählen. Bei der Urwahl, die eher für kleinere Pfarren geeignet ist, kann der Wahlberechtigte auf einem leeren Stimmzettel jene Personen eintragen, die aus seiner Sicht im PGR mitarbeiten sollten. Bei beiden Wahlmodellen ist die Briefwahl möglich, wenn sie der Wahlvorstand der Pfarre ermöglicht. Sonja Planitzer