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„Mädchen du in Israel"

Foto: Schlager

„Kirche bunt“ stellt monatlich ein Lied aus dem neuen GOTTESLOB vor. Mit GL 233: „Mädchen du in Israel“ stellt Abtpräses Christian Haidinger OSB Maria in ihrem Glauben als adventliches Vorbild für den einzelnen und die ganze Kirche vor.

Stimmungsvolle Advent- und Weihnachtslieder gibt es ohne Zahl. Wer möchte sie missen? Sie begleiten und helfen uns, uns für die Weihnachtsbotschaft zu öffnen und dafür empfänglich zu werden. Die bekanntesten dieser Lieder sind uns schon seit Ge­nerationen überliefert – und berühren uns dennoch jedes Jahr aufs Neue, auch wenn die Texte nicht immer theologisch tiefschürfend sind.
Das neue Gotteslob eröffnet uns dankenswerter Weise auch Zugänge zu neuen geistlichen Liedern, wie in GL 965: Mädchen du in Israel.
Der Text ist uns vom inzwischen über 80-jährigen Priester Diethard Zils geschenkt, die Melodie vom kroatischen Pries­ter Albe Vidakovic, der leider schon 1964 im Alter von nur 49 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben ist.
In diesem Lied werden wir auf Maria als „kleine Tochter Gottes“ verwiesen, die durch ihr bedingungsloses „Ja“ zum Ruf Gottes zur Hoffnung für uns Menschen geworden ist.
Maria, die ganz offen und hörend und vertrauend war auf das Wort Gottes hin: Auf das Wort, durch das schon die Propheten Israels den kommenden Messias angekündigt haben, aber dann auch durch ihr gehorsames Hören auf ihre persönliche Berufung: „Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären…“. In das Geheimnis dieser Verheißung hinein hat Maria ihr bereites „Fiat“ gesprochen: Dann soll es so sein, ich will bereit sein für diese Verheißung Gottes; ich will ganz für Gott und seine Pläne mit mir und mit uns Menschen da sein! Mit diesem bedingungslosen Ja des hörenden und gehorsamen Mädchens in Israel ist sie zur Trägerin einer großen Hoffnung für alle Menschen geworden.

Wie Maria das Wort Gottes hören

Auf das Wort Gottes hören, so wie das Mädchen aus Israel Gottes Wort gehört und glaubend und vertrauend aufgenommen hat, dazu sind wir alle berufen und befähigt. Es fällt uns nicht leicht, wirklich zu hören und zu verstehen. Zu viel lenkt uns ab, zu ungeduldig sind wir, wenn sich das Wort Gottes uns oft nur sehr schwer auch erschließt und uns im Herzen berührt. Dennoch bleibt es für uns, die wir in die Nachfolge Jesu eingetreten sind, eine lebenslange Einladung und täglicher Auftrag. In Hebr 4,12 lesen wir: „Lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, es richtet über die Regun­gen und Gedanken des Herzens.“
Gott wird Mensch. Der ferne und unbegreifliche Gott wird einer von uns, „in allem uns gleich außer der Sünde“, alle Höhen und Tiefen menschlichen Lebens durchmisst er, nichts bleibt ihm fremd, selbst Leid und Tod nimmt er auf sich. Er ist wirklich unser Bruder geworden, wie uns viele biblische Texte sein Leben als Mensch unter uns Menschen deuten. So deutet es auch die dritte Strophe des Liedes: „Was nie zu erwarten war, hast du uns gegeben, / der dein ein und alles war, wurde aller Bruder!“
Ein Kirchenvater, Bischof Athana­sius von Alexandrien (298 – 373), deutet das Geheimnis der Menschwerdung Gottes noch radikaler und tiefer. Von ihm stammt das Wort: „Gott wurde Mensch, damit der Mensch Gott werde.“ Wir Menschen, Geschöpfe Gottes, wurden dadurch, dass Gott in Jesus Christus Menschengestalt angenommen, auch selbst ganz in das Leben Gottes hineingenommen!
In der letzten Strophe wird uns eine noch größere Dimension der
Menschwerdung Gottes gezeigt – auch als ganz konkreter Auftrag für jeden einzelnen und für uns alle als Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern in der Nachfolge Jesu. Es geht nicht nur um unser ganz persönliches Wohlergehen, um unser persönliches Heil, es geht auch um unser Leben als Dasein für die anderen, „dass wir leben so wie er, offen füreinander“!
Offen sein füreinander – das ist für mich die bleibende Botschaft dieses neuen Weihnachtsliedes in unserem Gotteslob, für das ich sehr dankbar bin!

Maria – von Gott reich begnadet

Das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria am 8. Dezember fällt in den Advent, weil es genau neun Monate vor dem Fest Mariä Geburt am 8. September gefeiert wird. Es ist aber auch ein zutiefst adventliches Fest, weil es ganz auf die Menschwerdung Jesu ausgerichtet ist. Das ist der Kern dieses Festes: Gott hat
Maria vom ersten Augenblick ihrer irdischen Existenz an auserwählt, die Mutter Jesu zu werden. Deswegen blieb sie „durch ein einzigartiges Gnadengeschenk Gottes“ frei von der Erbsünde, wie es Papst Pius IX. 1854 im Dogma über die ohne den Makel der Erbsünde empfangene Jungfrau und Gottesmutter Maria formulierte. Maria hat dieses Geschenk angenommen, indem sie bei der Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel sagte: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort.“ Maria ist „voll der Gnade“ – dieses Wort des Engels Gab­riel beten wir auch in jedem „Gegrüßet seist du, Maria“.